Grau Schumacher Piano Duo mit Götz Schumacher und Andreas Grau
Bildrechte: Peter Adamik

Interview | GrauSchumacher Piano Duo "Ein in den schönsten Farben leuchtender Sternenhimmel"

Götz Schumacher und Andreas Grau treten seit über 30 Jahren als Klavierduo auf. Die Begeisterung dafür, ihre "pianistische Zwiesprache" mit dem Klangkörper Orchester zu verbinden, eint sie mit Béla Bartók. Der ungarischen Tonschöpfer erweiterte seine Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug nachträglich um einen Orchesterpart. Dieses Konzert interpretieren Schumacher und Grau mit dem MDR Sinfonieorchester. Klara Schneider hat mit ihnen gesprochen.

Grau Schumacher Piano Duo mit Götz Schumacher und Andreas Grau
Bildrechte: Peter Adamik

In ihrer Biografie heißt es, Sie seien "künstlerische Seelenverwandte". Was bedeutet das für Sie?
Götz Schumacher: Vertrauen können und Vertrautheit. Das ist die Basis, auf der wir gemeinsam künstlerische Freiheit entwickeln können.
Andreas Grau: Einheit und Gleichklang im Wollen und Tun.

Im Matinéekonzert werden Sie mit Béla Bartóks Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester zu erleben sein, einem der größten Meisterwerke in Bartóks Oeuvre. Bartók in drei Worten?
Schumacher: Melodie, Rhythmus, Liebe.
Grau: Ungarn, Rhythmus, Klangsinn.

Von Bartók heißt es, er habe eine sehr bildreiche Sprache. Stellen Sie sich vor, Sie würden beauftragt, ein Bild zu malen, das das Klavierkonzert beschreibt. Was wäre darauf zu sehen?
Schumacher: Ein in den schönsten Farben leuchtender Sternenhimmel.
Grau: Die 3 Sätze hätten ihre Entsprechung in einem Triptychon:

2. Satz: Nachtszene im Freien
1. Satz: Stadtansicht (Budapest um 1935)
3. Satz: Ungarische Volkstanzszene

Bei der Uraufführung 1938/1943 spielten Bartók und seine Frau die beiden Klavierpartien. Wie entscheiden Sie, wer welchen Klavierpart übernimmt?
Schumacher: Die Entscheidung liegt über 30 Jahre zurück. Bei vierhändigen Werken an einem Klavier Andreas: Primo, ich: Secondo, bei zweiklavierigen Werken Andreas: Klavier 1, ich: Klavier 2. Wie bei allem gibt es auch hier Ausnahmen. 

Viele Musiker haben vor Konzerten feste Rituale. Wie darf man sich die letzten 20 Minuten vorstellen bevor Sie die Bühne betreten?
Schumacher: Schuhe zubinden und ausruhen.
Grau: Ich sitze wenn möglich bis kurz vor Beginn spielend am Klavier oder laufe ansonsten etwas ruhelos umher. Götz ist da wesentlich entspannter.

Im Konzert bilden Sie eine musikalische Einheit, haben jedoch (zumindest wenn Sie an zwei Flügeln sitzen) mitunter eine weite Distanz zu überbrücken. Wie kommunizieren Sie auf der Bühne miteinander?
Schumacher: Meistens ist es möglich, Blickkontakt zu halten. Außer wir schließen die Augen, aber dann können wir uns auf unsere Ohren verlassen.
Grau: ... und über das gemeinsame Atmen. 

Sie arbeiten mittlerweile seit über 30 Jahren zusammen. Wann hat ihr Klavierpartner Sie zuletzt künstlerisch überrascht?
Schumacher: Ich finde, man sollte nicht alles verraten.
Grau: Im besten Fall in jeder Probe aufs Neue.

Ihr Repertoire ist mittlerweile riesig, ihre Terminkalender voll. Gibt es da in musikalischer Hinsicht trotzdem noch unerfüllte Wünsche?
Schumacher: In der Tat, ich freue mich vor allem auf einige Werke des unglaublich umfangreichen Oeuvre Franz Schuberts, die wir in nächster Zeit erarbeiten wollen.
Grau: Viele. Die Programmideen werden uns nicht ausgehen! 

Das Klavierduo im MDR-Konzert

Roberto Abbado (Dirigent)
Bildrechte: Miro Zagnoli

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 11:53 Uhr