Dirigent Marc Soustrot
Dirigent Marc Soustrot Bildrechte: Christoffer Lomfors

Berlioz‘ kolossales Requiem: Matinee mit den MDR-Ensembles im Gewandhaus

Monumental und emotional innig zugleich ist das Requiem von Berlioz, die „Grande Messe des Morts“. Beim Matineekonzert am Totensonntag, dem 24. November, nehmen sich das MDR-Sinfonieorchester und der MDR-Rundfunkchor sowie das Vocalconsort Berlin der großformatigen Komposition aus dem Jahr 1837 an. Als Solist ist im Gewandhaus Tenor Werner Güra zu erleben, am Pult der Franzose Marc Soustrot. MDR KULTUR und MDR KLASSIK senden den Mitschnitt am Konzerttag um 19.30 Uhr.

Dirigent Marc Soustrot
Dirigent Marc Soustrot Bildrechte: Christoffer Lomfors

Unter „genre colossal“ ordnete Hector Berlioz (1803 – 1869) sein Requiem ein und erfand so selbst einen neuen „Gattungsbegriff“ für sein monumentales Werk. Die 1837 zur Erinnerung an die Opfer der Julirevolution geplante Totenmesse sollte dem jungen Komponisten endlich den verdienten Erfolg bescheren – und so dachte er groß: 50 Geigen, 20 Bratschen, 20 Celli und 18 Kontrabässe sah der ambitionierte Tonschöpfer in der Partitur vor, dazu 16 Pauken, 210 Sängerinnen und Sänger sowie vier Blechbläser-Fernorchester. Was auf den ersten Blick nach Größenwahn klingt, entpuppte sich bei näherem Hinschauen und vor allem Hinhören als Geniestreich eines begnadeten Orchestrierers. So verwundert es kaum, dass bereits die Uraufführung im Pariser Invalidendom zu einem fulminanten Triumph wurde: Ein in Tränen aufgelöster Priester vor dem Altar und ein ohnmächtiger Chorist im „Tuba mirum“ sind nur die anekdotisch überlieferten Randerscheinung des dauerhaften Erfolgs einer epochalen Komposition.

Dabei ist das auf Latein gesungene Werk vielmehr eine Totenehrung als eine Totenklage. Sein emotionaler Gehalt ist vielschichtig, experimentierte der Komponist und musikalische Utopist doch gern mit originellen Instrumentenkombinationen. Tief innige Passagen, mystisch und geheimnisvoll, stehen in dem Werk neben kolossalen Ausbrüchen. Die vier mit Blechblasinstrumenten besetzten Fernorchester etwa verteilt Berlioz in alle vier Himmelsrichtungen im Raum und lässt sie klangstark zum jüngsten Gericht rufen.

Beim Matineekonzert im Gewandhaus stehen mit MDR-Sinfonieorchester, MDR-Rundfunkchor und dem Vocalconsort Berlin gemeinsam über 200 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.

Der Tenor Werner Güra
Tenor Werner Güra Bildrechte: Monika Rittershaus

Den solistischen Part im „Sanctus“ übernimmt Tenor Werner Güra. Der gebürtige Münchner war seit 1995 Ensemblemitglied der Semperoper Dresden, wo er mit den großen Rollen seines Stimmfachs vor allem in den Opern von Mozart und Rossini zu hören war. Auch als Konzert-und Oratoriensänger steht er regelmäßig auf den Konzertpodien Europas. Seit 2009 unterrichtet er Gesang an der Zürcher Hochschule der Künste.

Dirigent Marc Soustrot
Dirigent Marc Soustrot Bildrechte: Christoffer Lomfors

Der französische Dirigent Marc Soustrot gilt als Spezialist für französische Orchesterliteratur und zeitgenössische Musik. Nach Chefdirigentenpositionen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden war er zuletzt von 2011 bis 2019 beim Malmö Symfoniorkester tätig und ist seit 2015/16 Chefdirigent des Sinfonieorchesters von Aarhus. Jahrelange Erfahrung hat er auch im Opernbereich.

Das 2003 gegründete Vocalconsort Berlin ist der jüngste der drei Berliner Profichöre. Er hat keinen Chefdirigenten, sondern arbeitet projektweise mit unterschiedlichen Dirigenten zusammen und pflegt feste künstlerische Partnerschaften. Regelmäßig ist er in der Komischen Oper Berlin, der Staatsoper Unter den Linden und beim Radialsystem V in Berlin zu erleben. 2013 wurde das Vocalconsort Berlin mit dem ECHO Klassik ausgezeichnet.

Konzerteinführung: Weitere Informationen über Komponisten, Werke und Künstler erhalten Sie bei der Konzerteinführung um 10.15 Uhr im Schumann-Eck des Gewandhauses.

Dieses Konzert im MDR-Programm: MDR KULTUR und MDR KLASSIK senden das Konzert am 24.11. um 19.30 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 14:37 Uhr