Klangfarbenzauber: MDR-Sinfonieorchester im Gewandhaus

Schillernde Klangfarben, bittersüße Harmonien, expressive Ausbrüche : Das MDR-Sinfonieorchester bringt richtungsweisende Werke für die klassische Musik des 20. Jahrhunderts ins Gewandhaus. Beim Konzert am Samstag, 7. März um 20 Uhr dirigiert Stefan Asbury Stücke von Rota, Schreker und Ravel. Bariton Daniel Schmutzhard ist in Mahlers "Kindertotenliedern" zu hören.

Stefan Asbury sitzt auf einer Treppe
Bildrechte: Eric Richmond

In diesem Konzert der Reihe „Zauber der Musik“ unternimmt das MDR-Sinfonieorchester einen Ausflug ins frühe 20. Jahrhundert, wo sich Spätromantik und Impressionismus, Expressionismus und eine erweiterte Tonalität sowie frühe Filmmusiken in spannenden Musikwerken begegnen.

Der junge Komponist Gustav Mahler im Porträt
Komponist Gustav Mahler Bildrechte: Gustav Mahler

Mit seinen Kindertotenliedern greift Gustav Mahler ein Tabuthema auf – trotzdem wurde das Werk zu einem großen Erfolg. In dem Orchesterlieder-Zyklus vertont Mahler fünf Gedichte Friedrich Rückerts (1788 – 1866), der den plötzlichen Krankheitstod zweier seiner Kinder in der enormen Anzahl von 428 Gedichte verarbeitet hatte. Sie thematisieren u. a. Trauer, Trost und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits. Mahler verleiht seinen Kindertotenliedern eine tiefe Melancholie, tröstliche Momente, aber auch komponierte Sprachlosigkeit. 1907, einige Jahre nach der Komposition der Kindertotenlieder, starb Mahlers Tochter Maria Anna an Diphtherie. „Als ich dann wirklich eine Tochter verloren habe, hätte ich die Lieder nicht mehr schreiben können.“, sagte Mahler später.

Bariton Daniel Schmutzhard im Porträt
Bariton Daniel Schmutzhard Bildrechte: Daniel Schmutzhard

Die Solostimme, in die Mahler die Texte Rückerts gelegt hat, übernimmt im MDR-Konzert Bariton Daniel Schmutzhard. Der Österreicher war von 2005 bis 2011 an der Wiener Volksoper und von 2011 bis 2018 an der Oper Frankfurt engagiert. Seit 2017 ist er bei den Bayreuther Festspielen zu hören. In der laufenden Saison gastiert er u. a. an der Komischen Oper Berlin, dem Théâtre des Champs-Élysées und an der Wiener Volksoper.

Daphnis et Chloé, die Geschichte von zwei Findelkindern, die, von Hirten entdeckt, zusammen aufwachsen und schließlich die Liebe füreinander entdecken, brachte dem Komponisten Maurice Ravel zunächst kein Glück. Seine impressionistische  Ballettmusik, die er im Auftrag des Impresarios Sergej Diaghilew für die Ballets russes geschrieben hatte, war kompliziert und überforderte das Publikum. Nach kurzer Enttäuschung komponierte Ravel aus dem Material zwei Suiten und hatte damit mehr Erfolg. Im Konzert erklingt die 2. Suite.

Ähnliche Klangfarbenwelten malte auch Franz Schreker, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu den meistgespielten Komponisten im deutschsprachigen Raum gehörte. 1916 schrieb er seine Kammersinfonie für 23 Soloinstrumente, darunter sieben Bläser, elf Streicher, Harfe, Celesta und Harmonium. Doch stieß er dabei an Grenzen: Schreker beklagte die beschränkten Möglichkeiten des konventionellen Instrumentariums, mit denen er die ihm vorschwebenden Klänge nicht realisieren konnte. Seine filigran komponierte kleine Sinfonie wurde mit ihrem schillernden Klang und der raffinierten Harmonik trotzdem zu einem echten Meisterwerk.

Ein Concerto per archi, ein Konzert nur für Streicher, schrieb Nino Rota, der vor allem für seine über 150 Filmmusiken bekannt ist und 1975 einen Oscar für „Der Pate – Teil II“ erhielt.

Geleitet wird das Konzert vom britischen Dirigenten Stefan Asbury, der in Oxford sowie am Royal College of Music in London studierte und als Experte für zeitgenössische Musik gilt. Er arbeitet eng mit Komponisten wie Steve Reich, Unsuk Chin oder Wolfgang Rihm zusammen und dirigierte zahlreiche Ur- und Erstaufführungen, etwa beim Boston Symphony Orchestra oder beim Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Auch beim MDR-Sinfonieorchester ist er regelmäßig zu Gast; zuletzt im war er im Oktober 2019 mit dem Klangkörper im Gewandhaus zu erleben.

Konzerteinführung: Weitere Informationen über Komponisten, Werke und Künstler des Abends erhalten Sie bei der Konzerteinführung um 19.15 Uhr im Schumann-Eck.

Dieses Konzert im MDR-Programm: MDR KULTUR und MDR KLASSIK senden das Konzert voraussichtlich am 8.3. um 19.30 Uhr in ihren Programmen.

Zuletzt aktualisiert: 20. Dezember 2019, 11:30 Uhr

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