Robert Schumann Klavierkonzert a-Moll

Robert Schumann
Bildrechte: Daguerreotypie von Johann Anton Völlner, Dresden 1850

Seit der Dresdner Uraufführung im Dezember 1845 und insbesondere seit der legendären Leipziger Premiere am Neujahrstag 1846 avancierte Robert Schumanns a-Moll-Konzert nicht nur zu einem Juwel im Konzertrepertoire, sondern galt zudem als das erste und schönste romantische Klavierkonzert schlechthin. Als Solistin brillierte damals seine Frau Clara, die als Pianistin bereits zu Weltruhm gelangt war und deren Initiative letztlich die Vollendung dieses einzigen Beitrags Schumanns zur Gattung zu verdanken ist. Pläne zu einem Klavierkonzert reichen zwar weit bis in die Jugendzeit des vom Klavier kommenden Komponisten zurück; es sollte jedoch noch bis in sein erstes Dresdner Jahr 1845 dauern, ehe die Partitur vollendet war. Ein erster, nicht überlieferter Konzertversuch stammt aus dem Jahr 1827. Damals hatte der 17-jährige Zwickauer Gymnasiast ein »Clavierkonzert in E-moll« konzipiert, wahrscheinlich für im Freundes- und Familienkreis veranstaltete »Musikalische Abend-Unterhaltungen«. 1830, als Heidelberger Jurastudent, beschäftigte ihn dann ein Konzert in F-Dur.Wenig später, als er seinen »zwanzigjährigen Kampf zwischen Poesie und Prosa oder nenn’ es Musik und Jus« zugunsten der Tonkunst entschieden und mit Einwilligung der Mutter ein Klavierstudium bei seinem späteren Schwiegervater Friedrich Wieck in Leipzig aufgenommen hatte, wurde die Komposition fortgesetzt. Zumindest war der Solopart nun so weit ausgearbeitet, dass Schumanns Theorielehrer Heinrich Dorn und Friedrich Wieck »im Concert einen Field’schen Charakter« entdeckten (die Klavierkonzerte des irischen Pianisten und Komponisten John Field zählten damals zur populären Konzertliteratur). Allerdings wurde auch dieses Projekt nicht vollendet und der Nachwelt blieben lediglich einige Entwürfe im »Leipziger Skizzenbuch« erhalten. 1833 gelangte Schumann – wie in einem Brief an Wieck zu lesen ist – zu der Einsicht, dass das Klavierkonzert »aus C-Dur oder A-moll gehen« müsse und acht Jahre später entstand für seine junge Frau Clara die Phantasie für Klavier und Orchester, der spätere erste Satz des berühmten a-Moll-Konzertes op. 54. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die meisten seiner Solostücke für Klavier bereits komponiert und es drängte ihn nach dem »Liederjahr« 1840 zur großen orchestralen Form. Bestärkt durch Clara – beide hatten die jahrelang währenden Kämpfe um Friedrich Wiecks Bewilligung ihrer Eheschließung über einen Gerichtsentscheid gewonnen und am 12. September 1840 in der Schönefelder Kirche heiraten können – komponierte Schumann 1841 mehrere Orchesterwerke, darunter seine beiden ersten Sinfonien.

Im Mai begann er die a-Moll-Phantasie, die er – wie im Haushaltsbuch vermerkt – im August »in Ordnung gebracht« hatte. Clara spielte sie erstmals am 13. August 1841 während einer Probe des Gewandhausorchesters und berichtete danach: »Die Phantasie in A-moll spielte ich auch; leider nur hat der Spieler selbst im Saale wenig Genuss (einem leeren Saale nämlich), er hört weder sich noch das Orchester. Ich spielte sie aber zweimal und fand sie herrlich! Fein einstudiert, muss sie den schönsten Genuss dem Zuhörer bereiten.« Besonders schätzte Clara an dem lange erwarteten Konzert ihres Gatten, wie das »Klavier auf das feinste mit dem Orchester verwebt« ist, »man kann sich das eine nicht denken ohne das andere«. Und das genau entsprach Schumanns Vorstellung von der Gattung, die dem Geist und der Form des klassischen Solokonzertes kaum folgte, sondern der romantischen Auffassung nach neuen Wegen suchte. Er strebte weder das blockhafte Gegenüberstellen von Solo und Tutti an, noch ging es ihm überhaupt um ein Konzert nach klassischem Modell und schon gar nicht um den damals gängigen Typ des Virtuosenkonzertes. Konzipiert hatte er eine Phantasie, in der Klavier und Orchester bruchlos miteinander verbunden sind und zu einem homogen durchgeformten Klangkörper verschmelzen. Wie auch in seinen Solo-Klavierwerken verfolgte er zudem eine poetische Idee und diese stand nicht zuletzt im Zusammenhang mit der glücklichen Lebensphase der Schumanns, mit der gerade erkämpften Zweisamkeit. Zwei Leipziger Verleger erteilten Absagen an die als »Allegro affettuoso mit Begleitung des Orchesters op. 48« angebotene einsätzige Komposition – zu wenig orientierte sich das Werk an der Tradition. 1845 – inzwischen nach Dresden gezogen – arbeitete Schumann die Phantasie zum Kopfsatz des Klavierkonzertes um und fügte ein Intermezzo und einen zunächst mit »Rondo« bezeichneten Finalsatz hinzu. Trotzdem wurde zur Uraufführung am 4. Dezember 1845 in Dresden, die Clara in einem von Ferdinand Hiller geleiteten Konzert spielte, aus dem Opus »bei weitem mehr eine Instrumentalphantasie mit Piano in Concertform als ein wirkliches Clavierkonzert« herausgehört.

Eine heftige Akkordfolge des Solisten eröffnet den ersten Satz. Erst danach stimmen die Holzbläser das expressive, schwärmerisch anmutende Hauptthema an. Die Verwandtschaft der Melodie zu »In des Lebens Frühlingstagen« aus Beethovens Fidelio sowie zum Thema einer Komposition Claras lässt den Beziehungsreichtum des Werkes ahnen. Im Zwiegespräch der Klarinette mit dem Klavier wird das Seitenthema vorgestellt, das als Variante aus dem Hauptthema entstanden ist. Die Durchführung beginnt »Andante espressivo« im entfernten As-Dur mit metrisch verändertem und von Klavierarpeggien umspielten Thema. Wenn die Motivik des Beginns nun voller Klangkraft erstrahlt, ist bald jener Höhepunkt erreicht, an dem Schumann seine selbst ausgeschriebene Kadenz platziert. Im Intermezzo, einem innigen und schlichten Dialog zwischen Klavier und Orchester, wird das Grundmotiv wiederum aus dem Hauptthema des vorangegangenen Satzes gewonnen. Im Mittelteil des dreiteiligen Charakterstückes begleitet das Klavier eine von den Celli getragene Kantilene. Ohne Pause leitet die Klarinette das Finale ein. Formal gesehen enthält dieses Allegro vivace sowohl Elemente des Sonatensatzes als auch des Rondos. Das thematische Material ist sowohl aus dem Kopfsatz gewonnen als auch mit neuen Elementen und figurativen Gesten angereichert. Raffinierte rhythmische Verzahnungen von Klavier und Orchester bringen das Finale zu einem brillanten Abschluss und zeigen auch hier wieder, wie eng beide Partner im musikalischen Geschehen verbunden sind und das Orchester »die Szene kunstvoll durchwebe«.

Das Werk im MDR-Konzert

Christian Zacharias (Dirigent und Pianist)
Bildrechte: OCL und Nicole Chuard

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 12:29 Uhr