Antonio Vivaldi
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Antonio Vivaldi Die vier Jahreszeiten

Antonio Vivaldi
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Der 1678 in der Musikmetropole Venedig geborene Antonio Vivaldi erhielt seine musikalische Ausbildung vom Vater Giovanni Battista, der Geiger unter anderem in der berühmten Kapelle von S. Marco war. Der junge Antonio schlug die Priesterlaufbahn ein, die jedoch auch eine Betätigung als Musiker zuließ. 1693 erhielt er die erste niedere Weihe, 1703 wurde er zum Priester geweiht. Im selben Jahr aber begann auch Vivaldis Laufbahn als Berufsmusiker, als er am Ospedale della Pieta als Geigenlehrer eingestellt wurde. Mit dieser Anstellung sollte Vivaldi an einer spezifisch venezianischen Musiktradition teilhaben und sie zugleich über einen gewissen Zeitraum prägen. Das Hospital »della Pieta« war eines der vier großen Einrichtungen Venedigs zur karitativen Betreuung von Waisen, Kranken und Bedürftigen: »Gli Incurabili« (die Unheilbaren), »I Mendicanti« (die Bettler), »i Derelitti« oder »Ospedaletto« (die Verlassenen) und »La Pieta« (die Barmherzigkeit). Die Mendicanti sind die älteste Gründung aus dem 13. Jahrhundert, gefolgt von der Pieta im Jahre 1346. Die beiden anderen Institute wurden im 16. Jahrhundert gegründet, als das drängende Problem der Armut in Venedig einer Lösung bedurfte. Ab dem 17. Jahrhundert begannen sie sich zu Zentren der Musikpflege mit Ausbildungscharakter ausschließlich für Mädchen zu entwickeln. Ursprünglich zur Ausschmückung der Liturgie eingeführt, entwickelte sich die Musikausübung an den vier Ospedali im 18. Jahrhundert zu einer außerordentlichen Blüte von Instrumental- und Vokalmusik. Letztere gipfelte in einer herausragenden Oratorienproduktion, von der hunderte überlieferte Libretti ein schillerndes Bild geben. Die Musikerziehung diente zunächst dazu, den Mädchen eine sinnvolle Beschäftigung, auch in Hinblick auf eine spätere Verheiratung, zu bieten. Darüber hinaus wird aber aus den Dokumenten deutlich, dass die Leiter der Ospedali der Musik eine beträchtliche ökonomische Relevanz beimaßen: Mit ansprechenden Aufführungen konnte man großzügige Gönner für Spenden oder Testamente zugunsten des Institutes gewinnen. Die vier Häuser konkurrierten miteinander, etwa bei den Bemühungen, die renommiertesten Kapellmeister der Zeit für die Leitung des »coro«, des Instrumental- und Vokalensembles, zu verpflichten. Andererseits beruhte ihr individueller Erfolg auch auf einem gemeinsamen Prinzip, ihrer kollektiven Reputation als einzigartiges venezianisches Phänomen, wovon zahlreiche Reiseberichte beredtes Zeugnis ablegen. So vereinte man zu besonderen staatspolitischen Anlässen die besten Musikerinnen aller Ospedali zu einem Ensemble.

Während Vivaldis Amtszeit (mit Unterbrechungen von 1703 bis 1738) genoss das Ospedale della Pietä vor allem wegen seiner Instrumentalmusik den besten Ruf, den sie natürlich dem Wirken des »prete rosso« verdankte. (Die Venezianer nannten Vivaldi »prete rosso« – »roter Priester« – wegen seines roten Haares.) In seiner Eigenschaft als »maestro dei concerti« ab 1716 komponierte Vivaldi für seine weiblichen Schützlinge zahlreiche Konzerte für die verschiedensten Instrumente, vorrangig aber für die Violine. Charles des Brosses berichtet begeistert über die Musikaufführung an der »Pieta« (1739): »Das der vier Ospitali, welches ich am häufigsten besuche und wo es mir am besten gefällt, ist das der Pieta; es ist auch das erste wegen der Vollkommenheit des Orchesters. Welche Korrektheit der Ausführung! Hier allein hört man diese hervorragenden Stricharten, die zu Unrecht an der Pariser Oper gerühmt werden.«

Die 1725 in Amsterdam erschienene Konzertsammlung op. 8, zu der »Die vier Jahreszeiten« gehören, hat Vivaldi zwar dem böhmischen Grafen Morzin gewidmet; sie wäre aber ohne die kompositorischen Anregungen durch sein Wirken an der »Pieta« nicht denkbar. Rasche Nachdrucke und handschriftliche Verbreitung sprechen für die große Beliebtheit dieser zwölf Konzerte. Dass sich diese auch bis in unsere Zeit erhalten hat, hängt gewiss mit den programmatischen Inhalten der Konzerte zusammen. Vivaldi verband in ihnen die von ihm entwickelte Ritornellform und Geigentechnik reizvoll mit naturhaft-poetischen Ideen, die in den jeweils vorangestellten Sonetten veranschaulicht werden.

Das Werk im MDR-Konzert

Orchesterfoto des MDR-Sinfonieorchesters
Bildrechte: MDR/ Peter Adamik

Konzertsaison 2018/2019 - Gastkonzerte

CORELLI, HAYDN, VIVALDI

Sa, 15.12.2018 20:00 Uhr

Bad Lauchstädt, Kursaal

Konzert

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 08:00 Uhr