Bela Bartok am Klavier in einer undatierten Aufnahme.
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Béla Bartók Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester

Bela Bartok am Klavier in einer undatierten Aufnahme.
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Am 21. Januar 1937 war in Basel unter der Leitung von Paul Sacher Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta mit so großem Erfolg uraufgeführt worden, dass der Schweizer Dirigent und Mäzen vier Monate später beschloss, anlässlich des zehnten Jahrestages der Basler Abteilung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (dessen Vorsitzender er war) eine neues Kammermusikwerk bei Bartók in Auftrag zu geben.

Der Komponist nahm das Angebot an, war sich jedoch lange Zeit hinsichtlich der Besetzung des zu komponierenden Werkes unschlüssig:

Welche Art Kammermusik kann das sein? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Quartett für zwei Klaviere und zwei Schlagzeuggruppen? Oder ein Klaviertrio? Betrachtet man eventuell Stücke für Gesangsstimme mit Klavier als Kammermusik oder nicht?

Béla Bartók, Brief an Paul Sacher

Bartók entschied sich schließlich für die ungewöhnliche (und daher riskante) Verbindung von zwei Klavieren und Schlagzeug – eine Kombination, für die keine traditionellen Vorgaben existierten. Am 2. September 1937 schrieb er an Sacher: »Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich das geplante Werk – meine Wahl ist auf das Quartett für zwei Klaviere und Schlagzeuggruppen gefallen – fast beenden konnte […].« Einen Monat darauf heißt es:

Der Titel meines Werkes soll Sonate für Klavier und Schlagzeug sein, denn eventuell – wenn die zwei Schlagzeugspieler nicht genügend geschickt sind – wird noch ein dritter Spieler notwendig sein, so dass dann aus dem Quartett ein Quintett entstehen würde.

Béla Bartók, Brief an Paul Sacher

Obwohl sich diese Befürchtung als unbegründet erwies (»Es wird sehr gut möglich sein, das Werk mit nur zwei Schlagzeugern zu spielen«), blieb es bei der Bezeichnung Sonate.

Bela Bartok
Komponist Béla Bartók Bildrechte: imago/Leemage

In diesem Werk fordert Bartók neben den zwei Klavieren drei Pauken, Xylophon, zwei kleine Trommeln (mit und ohne Schnarrsaiten), vier Becken, große Trommel, Triangel und Tamtam. Zusätzlich zu dem umfangreichen Schlagapparat setzte der Komponist verschiedenste Arten der Artikulation ein wie Anschlag des Beckens mit dem Paukenschlegel, mit dem schweren Ende des Trommelstocks (an den Rand oder in die Wölbung des Beckens), mit einem dünnen Holzstäbchen, mit der Klinge eines Taschenmessers oder mit einem ähnlichen Werkzeug, Anschlagen des Triangels mit dem gewöhnlichen Stahlstab, mit einem kurzen, schweren Metallstab sowie einem dünnen Holzstäbchen etc. Die Uraufführung, bei der Bartók und seine Frau Ditta Pásztory die Klavierparts übernahmen, fand am 16. Januar 1938 in Basel statt. Das Konzert war einer der größten Erfolge Bartóks überhaupt, und das sowohl beim Publikum als auch bei der Presse.

Zweite Fassung

Als der Komponist im Frühling 1939 den Entschluss fasste, von der Universal Edition im von den Nationalsozialisten besetzten Wien zum Londoner Verlag Boosey & Hawkes zu wechseln, kam es zu Verhandlungen über eine zweite Fassung der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug. Diese wurde im Dezember 1940 in New York als Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester fertiggestellt. Dabei ergänzte Bartók das Instrumentarium der Sonate durch zwei Flöten (2. auch Pikkolo), zwei Oboen (2. auch Englischhorn), zwei Klarinetten, 2 Fagotte (mit Kontrafagott), vier Hörner, zwei Trompeten, 3 Posaunen, Celesta und Streicher. Der derzeit schon schwer kranke Komponist und seine Frau waren die Solisten der Uraufführung, die Fritz Reiner am 21. Januar 1943 in der New Yorker Carnegie Hall leitete; dies war zugleich Bartóks letzter öffentlicher Auftritt als Pianist.

Erster Satz

Der hinsichtlich von Tempo und Rhythmus hochdifferenzierte erste Satz beginnt mit einer langsamen Introduktion, die nach einem Steigerungsabschnitt (accelerando) in den Hauptsatz (Allegro molto) mündet. Hier erklingt das erste Thema, dessen rhythmische Struktur aus dem vorhergehenden Abschnitt abgeleitet ist, zunächst von beiden Klavieren gleichzeitig in vier Oktaven fortissimo gespielt, bevor bei der weiteren Themenentwicklung die beiden Klavierstimmen rhythmisch überwiegend komplementär behandelt werden (ein Verfahren, bei dem das Klavier in der Art eines Perkussionsinstrumentes eingesetzt wird, was an Strawinskys Les Noces oder auch an Bartóks eigenes Allegro barbaro erinnert).

Kontrastreiches Lento

Einen starken Kontrast hierzu bildet das folgende Lento, eine irisierende Nachtmusik mit Waldesrauschen und Vogelkonzert, welche vom Spiel des Schlagzeugs eingeleitet wird. Auffällig in dieser Einleitung ist, dass die verwendeten Klänge keine bestimmte Tonhöhe haben, jedoch aufgrund ihrer unterschiedlichen Klangfarben einen präzisen musikalischen Verlauf ausbilden.

Finale

Mit dem Finale, formal eine Mischung aus Rondo und Sonatenallegro, schlägt die Stimmung wieder um: Pulsierende Rhythmen, scharfe Akzente sowohl der tiefen Register des Klaviers als auch der hohen des Xylophons sowie einfache diatonische Motive verleihen dem musikalischen Verlauf einen aufgehellten und unbeschwerten Klangcharakter. In der Coda wird die Musik – ein Dialog zwischen den beiden Klavieren – dynamisch immer mehr zurückgenommen; übrig bleibt nur ein rhythmisches Ostinato der kleinen Trommel, das sich ebenfalls allmählich auflöst und verstummt.

Das Werk im MDR-Konzert

Roberto Abbado (Dirigent)
Bildrechte: Miro Zagnoli

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 11:54 Uhr