Der Komponist Ludwig van Beethoven in einer zeitgenössischen Darstellung.
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Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Der Komponist Ludwig van Beethoven in einer zeitgenössischen Darstellung.
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Die Uraufführung der Ersten Sinfonie in einer Akademie, die der junge Ludwig van Beethoven am 2. April 1800 im Wiener Hofburgtheater selbst veranstaltet und geleitet hatte, geriet zu einem großen Erfolg, seinem größten überhaupt bis zu diesem Zeitpunkt. An diesem Abend führte man auch das Septett op. 20 erstmals auf, und beide Werke ernteten die freudige Zustimmung der Wiener wohl vor allem deshalb, weil man in ihnen eine Verbeugung vor der immer noch herrschenden Haydn-Mozart-Tradition erblickte. Dabei sah man großzügig darüber hinweg, dass der Klavierkomponist Beethoven eben diese Tradition bereits nachdrücklich in Frage gestellt hatte.

Unbeschwerte Zeit des Lebens

Bei der Frage nach den Gründen, die Beethoven zu einem solchen Zugeständnis gebracht haben könnten, führt die Musikforschung seit jeher die noch frische Bekanntschaft des Komponisten mit den aus Ungarn stammenden Schwestern Brunsvik ins Feld. In der Tat verlebte der 28-jährige Beethoven im Mai 1799 die sicher unbeschwertesten Wochen seines Lebens. Er gab den Mädchen, von denen vor allem die jüngere ihn bezauberte, Klavierunterricht, begleitete sie auf Familienbälle und betätigte sich dabei als leidenschaftlicher Tänzer.

Es scheint nur natürlich, dass er der (eventuellen!) »unsterblichen Geliebten« etwas zu Füßen legen wollte, das ihren Geschmack traf. Der »feurig-strömende« Charakter des Werkes (Carl Maria von Weber) zeugt von noch ungebrochenem jugendlichen Elan und einem unbändigen Ausdruckswillen. Gleichwohl verleugnete sich der kommende Erneuerer der sinfonische Gattung auch in seinem Erstling nicht.

1. Satz

Die von Frankreich überschwappende Musik des Revolutionszeitalters mit ihrer unmittelbar wirksamen Dreiklangsmotivik in fanfarenartiger Signalform hatte seine Wirkung auf Beethoven nicht verfehlt. Allerdings wusste er diese Einflüsse auf geniale Weise mit der großen klassischen Tradition seiner Vorgänger zu verschmelzen. So findet man im Kopfsatz der C-Dur-Sinfonie neben der energisch aufstrebenden Geste des Hauptthemas einen tänzerischen Seitengedanken, der im Grunde Ecossaisencharakter trägt.

Die Gegensätze werden im weiteren Verlauf weitgehend moderat ausgetragen; nur einmal trübt sich der vorherrschende fröhliche Grundgestus ein, als die Streicher in c-Moll (Beethovens nachfolgend stets tragisch besetzter Tonart) ein Motiv des Seitenthemas im Pianissimo vortragen, begleitet von klagenden Oboenstimmen. Aber diese Episode huscht vorbei, ebenso wie die verhältnismäßig kurze Durchführung, in der der Komponist übermütig mit den aufgesplitterten eigenen Gedanken spielt. Eine kurze, farbenprächtige Reprise führt direkt in eine temperamentvolle Coda, die bereits die künftige Geschwindmärsche der späteren Sinfonien vorausahnen lässt.

Langsamer Satz - anmutig und melodisch

Im den folgenden Sätzen vollführt Beethoven ein amüsantes Mimikry, indem er den langsamen Satz voll anmutiger melodischer Einfälle zum Schreittanz umfunktioniert, das eigentliche Menuett (Nie wieder wird diese Satzbezeichnung in einer Beethoven-Sinfonie auftauchen!) aber in sein erstes sinfonisches Scherzo verwandelt. Es wäre den höfischen Tänzern im Allegro molto e vivace wahrscheinlich schwergefallen, ihre Schritte exakt zu setzen. Lediglich das Trio lässt den traditionellen, wiegenden Rhythmus des ¾-Taktes wieder zu. Das Hauptthema entstammt übrigens einer für die Hofbälle komponierten Sammlung von »Deutschen Tänzen«.

Finalsatz

Witz und Esprit bestimmen auch den Finalsatz, wobei besonders die Adagio-Einleitung mit den in Tonleiterschritten aufwärtsstrebenden Violinen, die das erlösende Thema förmlich suchen, immer wieder bezaubert. Ist es dann erreicht, tobt das Geschehen nahezu entfesselt dahin, wobei man nur anfangs den Eindruck eines üblichen Rondos hat. Bald wird nämlich klar, dass Beethoven hier wie im Kopfsatz die Sonatenform verwendet, ein letztes deutliches Zeichen dafür, dass er selbst in einem so persönlich gehaltenen Werk mit der Tradition zu brechen wusste.

Das Werk im MDR-Konzert

Roberto Abbado (Dirigent)
Bildrechte: Miro Zagnoli

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 11:55 Uhr