Johannes Brahms
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Johannes Brahms Trio Nr. 1 H-Dur op. 8 für Klavier, Violine und Violoncello

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»Innerer Zusammenhang« und »poetische Ganzheit« - Schlagworte, mit denen Robert Schumann 1835 seine künstlerische Maxime absteckte. 1853 kam der junge Johannes Brahms dann in den Genuss der Werke des 23 Jahre älteren Schumann und sah in ihm bald seinen »väterlichen Mentor« sowie in dessen Credo ebenfalls ein kompositorisches Leitmotiv.

Die Bewunderung wurde zur Gegenseitigkeit. Im Oktober des gleichen Jahres schrieb Schumann in seiner »Neuen Zeitschrift für Musik«:

[…] Und er ist gekommen, ein junges Blut, an dessen Wiege Grazien und Helden Wache hielten. Er heißt Johannes Brahms, kam von Hamburg, dort in dunkler Stille schaffend, aber von einem trefflichen und begeistert zutragenden Lehrer gebildet in schwierigen Setzungen der Kunst […].

Robert Schumann Neue Zeitschrift für Musik

Schumann verhalf dem jungen Komponisten zu ersten Publikationen, in dem er sich bei Breitkopf & Härtel für den Duck einiger Brahmswerke einsetzte und machte ihn schlagartig in Deutschland bekannt.

Erstes veröffentlichetes Kammermusikwerk

Im Sommer des Begegnungsjahres 1853 begann Brahms mit der Arbeit an seinem Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1, das er 1854 vollendete. Es war sein erstes veröffentlichtes Kammermusikwerk. Später distanzierte er sich von der Komposition und bezeichnete sie und andere Stücke als »zweifelhafte Produkte«.

Dennoch entstand eine zweite Fassung des Trios. Dafür bildete den Auslöser, dass der Verleger Fritz Simrock 1888 alle zuvor bei Breitkopf & Härtel erschienenen Brahmswerke aufkaufte und eine Anfrage an den Komponisten schickte, ob dieser seine frühen Werke »revidieren wolle«. Nach einigem Zögern nahm Brahms letztendlich den Verlagswechsel zum Anlass, um sein frühes Opus zu überarbeiten – während alle anderen Werke unverändert blieben.

Übermäßigen Ausdruck gezähmt

Clara Schumann
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Das ursprüngliche Trio wurde 1855 in New York und 1871 in Wien aufgeführt. Doch die 1889 entstandene zweite Fassung (gedruckt 1891) erhielt weit mehr Anerkennung und setzte sich im Konzertleben durch. Bis auf das Scherzo griff Brahms zum Teil erheblich in die anderen Sätze ein, wenngleich erst nach der thematischen Exposition. Den Kopfsatz beschnitt er hauptsächlich in der Durchführung um 205 Takte, das Adagio und das Finale um wenigstens ein Drittel – Brahms selbst nannte es »Kastrieren«. Dazu wechselte er einige Seitenthemen aus, da sie ihm zu schwach und unselbstständig erschienen. Insgesamt zähmte Brahms den übermäßigen Ausdruck und dämmte starke Kontraste oder sehr Unerwartete Ereignisse zu Gunsten einer vollkommenen Geschlossenheit. Mit der neuen Ausgewogenheit sah er nun das eingangs zitierte Motto Schumanns auch in seinem Trio Op. 8 verwirklicht. An Clara Schumann schrieb er 1889:

Mit welcher Kinderei ich schöne Sommertage verbrachte, rätst Du nicht. Ich habe mein H-dur-Trio noch einmal geschrieben und kann es Op. 108 statt Op. 8 nennen. So wüst wird es nicht mehr sein wie früher – ob aber besser?

Johannes Brahms Brief an Clara Schumann

Arnold Schönberg schätzte an Brahms die »Ökonomie der Mittel und den Reichtum des formalen Ausdrucks«. Wenn auch das frühe Trio den Reiz des Ungezähmten versprüht, Werke wie die überarbeitete Variante geben Schönbergs Worten Recht. Gerade im reiferen Alter liebte Brahms die Durchsichtigkeit der Form und bevorzugte deswegen vor allem die Kammermusik. Er hatte eine Scheu vor den großen Massen und der Effekt großer Besetzungen bedeutete ihm nur das Mittel zum Zweck.

Beschließt die erste Fassung Brahms jugendliche Periode, so endet mit der zweiten das Bedienen der großen Form. Brahms kehrte in seinem Lebensherbst wieder in den intimen Rahmen kammermusikalischen Schaffens zurück, mit dem er einst als junger Komponist begann.

Dieses Werk im MDR-Konzert

Kammermusik-Trio TaSteRe
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Konzertsaison 2018/2019 - MDR-Kammerkonzerte

6. MDR-Kammerkonzert

Fr, 08.03.2019 19:00 Uhr

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Konzert

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2018, 08:00 Uhr