Nachtgesang-Jubiläum: Chormitglieder erinnern sich

In teils sehr persönlichen Erinnerungen blicken Mitglieder des MDR-Rundfunkchors zurück auf 49 Ausgaben des Nachtgesangs. Welche Programme für Gänsehaut, Erheiterung oder Erschütterung sorgten und was ein Fahrrad damit zu tun hatte, erzählen sie hier.

Anne Katharina Thimm, Altistin im MDR-Rundfunkchor
Anne Katharina Thimm, Alt:
"Die Nachtgesänge sind untrennbar mit dem MDR-Rundfunkchor verbunden. Sie nehmen die Zuhörer mit in einen schützenden, fordernden, aufrüttelnden und versöhnenden Klangraum. Neben meinem ersten Nachtgesang mit der Vesper von Rachmaninow ist mir ganz besonders der Nachtgesang mit verschiedensten Kriegsvertonungen der 'Schlacht von Marignan' im emotionalen Gedächtnis geblieben. So intensiv, so zu Tränen rührend, so zweifelnd kann Chorgesang sein."
Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Anne Katharina Thimm, Altistin im MDR-Rundfunkchor
Anne Katharina Thimm, Alt:
"Die Nachtgesänge sind untrennbar mit dem MDR-Rundfunkchor verbunden. Sie nehmen die Zuhörer mit in einen schützenden, fordernden, aufrüttelnden und versöhnenden Klangraum. Neben meinem ersten Nachtgesang mit der Vesper von Rachmaninow ist mir ganz besonders der Nachtgesang mit verschiedensten Kriegsvertonungen der 'Schlacht von Marignan' im emotionalen Gedächtnis geblieben. So intensiv, so zu Tränen rührend, so zweifelnd kann Chorgesang sein."
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Ansgar König, Tenor im MDR-Rundfunkchor
Ansgar König, Tenor:
"Was ist besonders am Nachtgesang? Beim Nachdenken darüber fällt mir vor allem eins auf: das Publikum. 

In den über dreißig Jahren, in denen ich als Sänger arbeite, ist das Publikum der Nachtgesänge immer das großartigste. Da kommen Menschen am späten Freitagabend in die Peterskirche, um Chormusik zu hören. Sie kommen nicht, um zu konsumieren, sondern um Musik zu erspüren, zu erfühlen, zu erleben. Sie kommen nicht zu großen Dirigenten, Solistinnen oder Orchestern, sondern zu uns als Chor und zu mir als Chormitglied. Ich finde, darauf darf man dankbar und auch stolz sein. Es ist über die Jahre ein freundschaftliches, geradezu intimes Verhältnis zwischen Chor und Publikum entstanden. Unsere Besucherinnen und Besucher lassen sich auf uns und ein für sie unbekanntes Programm ein und wir wissen, dass nur unser Bestes gut genug ist. Hier kommt nie Routine auf.

Das Publikum - viele sind selbst Chorsänger/-innen, viele Freunde, Bekannte und Familie - ist durchaus fachlich versiert und kritisch. An dieser Stelle denke ich an Burghard, meinen alten Mentor; Barbara, die immer fragt, wann denn der nächste Nachtgesang ist, oder Barberina und Reinhold, die bei Wind und Wetter immer mit dem Fahrrad aus Schleußig kommen und keinen Nachtgesang verpassen. An dieser Stelle: Allen, die diese Nachtgesänge ermöglichen, und vor allem dem tollen Publikum gebührt ein großer Dank!"
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Kerstin Klein-Koyuncu, Sopranistin im MDR-Rundfunkchor
Kerstin Klein-Koyuncu, Sopran:
"Der für mich eindrucksvollste Nachtgesang war der zweite, zu dem am 21. Dezember 2004 das 'Große Abend- und Morgenlob', Vesper op. 37 von Sergej Rachmaninow erklang.
Zu jedem der 15 Sätze und den Gebeten des Lektors wurde der im Kirchenraum ausgestellte
und für diesen Anlass gefertigte Bilderzyklus des Malers Jörg M. Dialer in das Presbyterium
auf eine Leinwand projiziert. Dies schuf in Kombination mit dieser einzigartigen Musik eine
außergewöhnliche atmosphärische Dichte, die die Komposition unmittelbar mit den Klangfarben der Malerei verband und mich tief berührte."
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Steven Klose, Bass im MDR-Rundfunkchor
Steven Klose, Bass:
"Ich bin froh, dass es den Nachtgesang gibt! Mit ihm haben wir die Möglichkeit, dem Publikum einen Einblick in die Welt der spirituellen Chormusik geben zu können. Die komplexen, reichhaltigen Programme erklingen in einer nächtlichen Atmosphäre und können den Raum auf unterschiedlichste Art und Weise in ihrem Klang gestalten. Den bringt die Peterskirche in Gänze mit.
Da ist auch mal Platz für ein Fahrrad im Hintergrund.

PS. Wer es findet (s.u. im Video), kriegt freien Eintritt!

PPS. Es gibt gar keinen Eintritt."
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Albrecht Sack, Tenor im MDR-Rundfunkchor
Albrecht Sack, Tenor:
"Die Nachtgesänge des MDR-Rundfunkchors sind ein maßgeschneidertes Podium für anspruchsvollen Chorgesang auf höchstem professionellen Niveau.
Jeder Nachtgesang gibt den Besucherinnen und Besuchern die reizvolle Möglichkeit, bei freiem Eintritt extraordinäre Programme zu erleben, zu staunen und zu genießen. 
Auch durch das Einladen vieler international namhafter Dirigenten und Spezialisten für Chorgesang, die den MDR-Rundfunkchor häufig bis an die Grenzen des stimmlich und physisch machbaren führen, lässt sich der anhaltend große Erfolg dieser Konzertreihe erklären.
Das besondere Konzept, der Beginn am späten Abend, die ganz besondere Atmosphäre der Peterskirche als Konzertort und die unglaubliche Bandbreite der Programme haben die Nachtgesänge zu einem Markenzeichen des MDR-Rundfunkchors und einem festen Bestandteil der Chor-Szene in Leipzig gemacht."
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Nadiya Zelyankova, Altistin im MDR-Rundfunkchor
Nadiya Zelyankova, Alt:
"Ich bin sehr froh, dass ich an einem Projekt wie dem Nachtgesang teilnehmen kann. Oft handelt es sich um neue Chorliteratur, ein Repertoire, das für Chor und Publikum interessant ist. Im kommenden Konzert am 15. November muss man manchmal mit Klang spielen, um verschiedene Soundeffekte und Charaktere zu vermitteln. Der Nachtgesang ist in der Regel A-cappella-Musik, die es ermöglicht, den 'reinen' Chor als eigenständiges, farbenreiches Instrument zu hören."
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Andreas Fischer, Tenor im MDR-Rundfunkchor
Andreas Fischer, Tenor:
"Mein liebster Nachtgesang war der Nachtgesang Nr. 11 am 8. Februar 2008 mit dem Titel 'Was Sie schon immer über die Ehe wissen wollten…'
Es war ein unglaublich lustiges und vor allem abwechslungsreiches Programm - auch wenn man den Eindruck gewinnen konnte, der Chor und sein Dirigent Howard Arman nähmen das Thema Ehe nicht allzu ernst. Von Haydns augenzwinkernder 'Harmonie in der Ehe' spannte sich der Bogen über Werke von Giles Swayne (Fuge: 'Some people like sex more than others'), Buchenbergs Zaubersprüche (u.a. 'Spruch, um ihn [den Mann] wieder loszuwerden', zwei wunderbare Chöre der unglücklichen Ehefrauen bzw. Ehemänner von Luigi Dallapiccola bis hin zu den Five Epigrams von Nicholas Maw, die alle auf echten Grabsteininschriften basieren und wirklich bitterböse sind.
Besonders schön war die Idee, Übersetzungen aller fremdsprachlichen Texte von Chormitgliedern auf Deutsch vortragen zu lassen.

Trotz dieses bleibenden Eindrucks bin ich am 27.8.2011 selber in den Stand der Ehe eingetreten."
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Katharina Kunz, Sopranistin im MDR-Rundfunkchor
Katharina Kunz, Sopran:
"Die Nachtgesang-Reihe gehört zu meinen Favoriten der Spielzeit.
Dunkelheit, Ruhe, Kerzenlicht, ein wenig Müdigkeit beim Publikum und höchste Konzentration im Chor. Dann der erste Ton und wir haben die Aufmerksamkeit, die unsere anspruchsvollen Nachtgesänge brauchen.
Mit Rachmaninows Vesper habe ich für mich den intensivsten Nachtgesang erlebt. Der Klang des Chores war in diesem Konzert einfach so berührend, dass ich die ganze Zeit Gänsehaut hatte."
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