Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Anhaltisches Theater Rezension: Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau

Es ist Händels vielleicht erfolgreichste Oper: "Giulio Cesare in Egitto". Das Anhaltische Theater hat sie nun in einer Neuproduktion auf die Bühne gebracht. Das Besondere: Es handelt sich um eine Kooperation zwischen der Leipziger Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn-Bartholdy" und dem Anhaltischen Theater.

von Dieter-David Scholz, MDR KULTUR-Kritiker

Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Im Grunde ist die ganze szenische und sängerische Produktion eine reine Hochschulproduktion, einschließlich des allerdings wenig ersprießlichen Programmhefts. Natürlich hat das Anhaltische Theater seine Technik, sein Equipment und sein Orchester zur Verfügung gestellt. Unterstützung gab es auch von der Oper Leipzig und den Händelfestspielen Halle. Aber die Sänger sind ausschließlich Hochschulstudenten, angehende Sänger, die auf sich aufmerksam machen und in einer professionellen Aufführung eine Visitenkarte ihres Könnens abgeben wollen. Eigentlich eine begrüßenswerte Angelegenheit, solch eine Kooperation.

Herausragende Stimme der "Cleopatra" Yeeun Lee

Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
"Cleopatra" Yeeun Lee Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Neben dem Opernchor der Hochschule gab es acht Solisten. Sie waren sehr unterschiedlich, da gibt es sehr Begabte neben weniger Begabten, hoffnungsvolle neben hoffnungslosen Stimmen. Wobei ich sagen möchte, das sind alles durch die Bank gut ausgebildete, ordentliche Stimmen, die sich da präsentieren. Kleine Stimmen, große Stimmen, durchschnittliche, aber auch überdurchschnittliche, herausragende. Absolut herausragend, um nicht zu sagen auffällig bemerkenswert, und deshalb nenne ich jetzt einen Namen, ist Yeeun Lee als Cleopatra. Sie singt und spielt die verführerische Pharaonenkönigin betörend sinnlich und sängerisch perfekt. Diese junge Nachwuchssängerin wird ganz sicher ihren Weg machen am Theater. Ein Bombentalent, das sich da vorstellt. Dafür hat sich die ganze Produktion schon gelohnt.

Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Die Inszenierung: Etwas schülertheaterhaft

Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Regie führte Matthias Oldag, Professor für szenische Ausbildung der Gesangsstudenten an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater. Sie war sehr schlicht inszeniert. Oldag hat mit wenigen Kulissen und Requisiten den altbekannten Konflikt zwischen dem römischen Kaiser und der ägyptischen Königin als Stück über politische wie erotische Eroberung, Unterwerfung und Triumph durch Kooperation demonstrativ, um nicht zu sagen ein wenig schülertheaterhaft aufbereitet.

Barbara Blaschke hat dafür zwei variable, aufklappbare, verschiebbare Wände entworfen, auf der einen Seite rostig, auf der anderen goldglänzend. Heutige Menschen werden vor dieser Wand gezeigt, nicht historische, um alles Historische wird ängstlich ein Bogen geschlagen.

Pressekonferenzen, Politikeraufttitte wie aus dem Fernsehen: Nato-Oliv, Securityleute, Militärs von heute. Auch verschleierte Muslima sieht man da, was historisch nicht ganz korrekt ist. Man will Aktualität zeigen bei dem Stück. Inszenierte Demonstrationen im Zuschauerraum erinnern an Theater der 70er- und 80er-Jahre, alles ein wenig plakativ. Immerhin darf Cleopatra ihre Paradearie "V'adoro, pupille" in quasi historischer Kostümierung singen, auf roter Chaiselongue vor goldglänzender Wand, auch ihre zweite große Arie wird so zu einem Moment von erfreulich unaktueller Schönheit und Poesie. Diese Cleopatraszenen machen die ansonsten etwas beliebige Aufführung, nicht zuletzt dank der entzückenden Darstellerin der Cleopatra, zu anrührendem Theater jenseits des  Alltäglichen und Austauschbaren.

Julius Cäsar in Ägypten am Anhaltischen Theater in Dessau
Händels Oper "Julius Caesar in Ägypten" in Dessau Bildrechte: Anhaltisches Theater Dessau/Claudia Heysel

Musikalische Untermalung durch die Anhaltische Philharmonie

Der Musikchef des Hauses, Markus Frank, hat es sich nicht nehmen lassen, den Abend persönlich zu dirigieren. Im Graben die Anhaltische Philharmonie, nicht gerade ein Spezialensemble für Alte Musik. Insofern war das Hörbild mit modernem Orchester, war der barocke Sound, ein wenig befremdlich. Und es fehlte einfach der Drive, den man mit den Spezialtruppen inzwischen gewöhnt ist. Aber Markus Frank hat ohne Frage sorgfältig und durchaus flott diesen Händel dirigiert, auch wenn ich finde, das war noch nicht flott genug. Da gab es schon Längen, obwohl das Stück ja nicht mal in ganzer Länge gespielt wurde.

Aber der Dessauer Musikchef hat vor allem sehr sängefreundlich dirigiert, um es den angehenden, jungen Sängern so leicht wie möglich zu machen und sie auf Händen zu tragen. Ich denke, Barockmusik ist sicher nicht seine Stärke, das spätromantische Repertoire liegt ihm mehr, aber dafür war das dann doch eine sehr anständige Aufführung im Rahmen dessen, was sie wollte, nämlich den Leipziger Sängernachwuchs auszuprobieren und vorzustellen.

Nächste Aufführung: 23. Juni 2018, 17 Uhr, Anhaltisches Theater Dessau, Großes Haus

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Juni 2018 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2018, 14:15 Uhr

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