Corona-Krise Abonnenten sind mitteldeutschen Theatern treu geblieben

Trotz Coronavirus bestätigen die meisten Theater in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, dass ihre Abo-Zahlen nicht oder nur leicht zurückgegangen sind. Dennoch ergibt sich kein homogenes Bild: Bühnen in Erfurt, Chemnitz oder Leipzig gehen mit umgestellter Abo-Struktur durch die Krise. Mäßige Einbrüche gibt es in Radebeul, Bautzen und Rudolstadt. Im Theater Freiberg-Döbeln sind die Schüler-Abos weggebrochen, beim Nordharzer Städtebundtheater steigt die Nachfrage nach Bühnencards sogar.

Das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Bautzen, 2011
Berichtet von guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern: das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen. Bildrechte: IMAGO

Die Spielzeit in den Theatern ist angelaufen – unter Corona-Bedingungen. MDR KULTUR hat nachgefragt, wie sich die Abonnentinnen und Abonnenten in dieser Situation verhalten. Die meisten Theater in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bestätigen: Die Zahl der Theater-Abos ist nicht oder nur leicht zurückgegangen. Der Vorsitzende des Landesverbands Sachsen im Deutschen Bühnenverein, Lutz Hillmann, sagt im Gespräch mit MDR KULTUR:

Es gibt ein ganz großes Verständnis und eine regelrechte Erleichterung, dass man die Häuser wieder besuchen darf.

Lutz Hillmann, Vorsitzender Landesverband Sachsen im Deutschen Bühnenverein

Kein homogenes Bild

Dennoch zeigt sich kein homogenes Bild. Einige Theater, etwa das Städtische Theater Chemnitz, das Theater Erfurt, die Oper Leipzig oder das Anhaltische Theater Dessau haben ihre feste Abo-Struktur ausgesetzt und bieten stattdessen Wahl-Abos, Gutscheine und eine Verlängerung des Abos für das nächste Jahr an. Viele Theater verweisen darauf, dass die Abonnentinnen und Abonnenten nicht nur geblieben sind, sondern auch gespendet haben. Einen deutlichen Rückgang der Abo-Zahlen meldet das Theater Magdeburg. So gab es im zum Beispiel im Musiktheater in der letzten Spielzeit 316 Abos, jetzt nur noch 200.

Teils Einbrüche um zehn Prozent

Steffen Mensching
Steffen Mensching, Intendant Theater Rudolstadt Bildrechte: MDR/ Daniela Höhn

Nur mäßig eingebrochen sind die Abo-Zahlen zum Beispiel bei den Landesbühnen Sachsen Radebeul, dem Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen und dem Theater Rudolstadt. An Letzterem sind aufgrund von Corona 130 Abonnements gekündigt worden, etwa zehn Prozent aller Abos. Da es sich bei den Theaterabonnentinnen und Abonnenten meist um ältere Leute handelt, sei das zu erwarten gewesen, erklärte der Rudolstädter Intendant Steffen Mensching MDR KULTUR: "Wir erhalten in jedem Jahr Kündigungen, meist aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Es ist in diesem Jahr schon deutlich mehr geworden. Viele sagen allerdings, die bei uns eine Kündigung eingereicht haben, sie werden wieder kommen, wenn sich die Lage normalisiert."

Damit rechnen alle Theater. Intendant Steffen Mensching machte auch darauf aufmerksam, dass es im Theater Rudolstadt angesichts einer derzeitigen Platzkapazität – von 70 Plätzen von einst 260 – bereits jetzt Probleme gäbe, den jeweiligen Abo-Gruppen gerecht zu werden.

Einbrüche bei Schüler-Abos

Insgesamt stellen die meisten mitteldeutschen Bühnen fest, dass die älteren Abonnenten und Abonnentinnen kaum weggeblieben sind, es in einzelnen Fällen aber Einbrüche im Bereich der Schüler- Abos gab. Am Vogtlandtheater Plauen-Zwickau sind zum Beispiel die Buchungen der Jugend-Wahl-Abos deutlich zurückgegangen. Das wird normalerweise über die Schulen organisiert. Die waren sich am Beginn des Schuljahres aber nicht sicher, ob sie den Besuch von vier Vorstellungen garantieren können, wie es das Wahl-Abo vorsieht.

Vogtlandtheater-Geschäftsführerin Sandra Kaiser vermutet auch: "Und das ist sicher auch damit verbunden, dass es eine Ansage des Ministeriums an die Schulleiter gab, dass bei notwendigen Stornierungen Stornokosten nicht mehr übernommen werden. Und das ist ein ganz schönes Risiko, das Lehrer und Schüler eingehen müssten." Dennoch kämen Schüler ins Theater, aber dann direkt zu einer Veranstaltung. Es werde eben nicht mehr vorab ein Abo gebucht.

Schulen: Verunsicherung bei Hygienevorschriften?

Am Mittelsächsischen Theater Freiberg-Döbeln ist der Schüler-Abo-Bereich gänzlich weggebrochen. Pressedramaturg Christoph Nieder sagte MDR KULTUR, dass viele Lehrer und Lehrerinnen nicht die Genehmigung ihrer Schulleitungen bekommen, wieder ins Theater zu gehen. Zum einen solle jetzt vor allem Schulstoff nachgeholt werden und zum anderen gebe es eine große Verunsicherung hinsichtlich der Hygienevorschriften an den Schulen und in den Kindergärten.

Dagegen berichten die Theater Rudolstadt und das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen von guten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern hinsichtlich der Kinder- und Jugendvorstellungen. Man würde sogenannte Kohorten bilden. Das heißt, dass Klassen, die auch sonst gemeinsam unterrichtet werden, wieder zusammen im Theater sitzen können. Lutz Hillmann beabsichtigt als Intendant des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, für die Schülervorstellungen die Sitze wieder anzuschrauben und bei den Erwachsenenvorstellungen dann einige Sitze zu sperren.

Nordharzer Städtebundtheater mit steigender Nachfrage

Die besten Nachrichten hinsichtlich der Abo-Zahlen kommen vom Nordharzer Städtebundtheater. Hier gibt es zwar kein klassisches Abo-System, aber die Nachfrage nach der Bühnencard ist in der Corona-Krise gestiegen. Von Juni bis Oktober wurden 200 mehr verkauft als im Vorjahr. Die etwa 1.000 Zuschauerinnen und Zuschauer mit einer Bühnencard bekommen die Tickets 40 Prozent billiger, ein Spielzeitheft zugeschickt und haben ein Vorkaufsrecht. Ein großer Vorteil, wenn die Platzkapazität beschränkt ist.

Ich finds toll, dass die Menschen sagen: 'Ja, wir wollen die Kultur, wir wollen Theater sehen.'

Daniel Theuring, Chefdramaturg Nordharzer Städtebundtheater
Nordharzer Städtebundtheater in Quedlinburg
Nordharzer Städtebundtheater, Spielstätte in Quedlinburg Bildrechte: IMAGO

Der Chefdramaturg des Nordharzer Städtebundtheaters, Daniel Theuring, erklärte MDR KULTUR: "Der Vorteil ist einfach, dass hier in Sachsen-Anhalt und grad in Halberstadt und Quedlinburg wir geschont sind von Corona. Wir haben jetzt relativ viele aus Niedersachsen, die kommen, auch aus Magdeburg.

Manchmal allerdings, so Theuring müssen Zuschauer auch auf eine andere Vorstellung umgelenkt werden, da auch in Halberstadt die Zahl der Plätze geringer geworden sei. Bisher sei es aber immer gelungen, allen Interessenten gerecht zu werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Oktober 2020 | 07:30 Uhr