Deutsches Literaturinstitut Leipzig Sprungbrett DLL? - Das wurde aus den Studierenden des Literaturinstituts

Das Deutsche Literaturinstitut Leipzig (DLL) feiert sein 25-jähriges Jubiläum. Es blickt auf ein Vierteljahrhundert des Lehrens und Lernens zurück, das vor allem durch die Studierenden geprägt worden ist. Mit ihrer Bewerbung einst angetreten, um Schriftstellerin oder Schriftsteller zu werden, finden sich die Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss ihres Studiums jedoch in unterschiedlichsten Berufen und Tätigkeiten wieder. Eine Auswahl von ehemaligen Studierenden macht deutlich, wie vielfältig die Wege sind, die ein Studium am DLL bereithält.

Deutsches Literaturinstitut Leipzig, DLL, Haus,
Deutsches Literaturinstitut Leipzig, Haus Wächterstraße 34 um 1930 Bildrechte: Josef Haslinger

• Jo Lendle gehört zum ersten Jahrgang von Studierenden am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL) nach dessen Gründung im Jahr 1995. Während des Studiums entdeckte er neben dem Schreiben auch das Vermitteln von Literatur für sich. Dank des kritischen gegenseitigen Austauschs über Texte am Institut, probierte er sich nicht nur als Autor, sondern auch als Lektor und behielt beide Tätigkeiten nach seinem Abschluss im Jahr 1997 bei. Darüber hinaus lehrte er zwischenzeitlich als Gastdozent am DLL. Heute arbeitet er als Verleger im Hanser-Verlag. Sein letzter Roman "Was wir Liebe nennen" erschien 2013 bei der Deutschen Verlags-Anstalt München.

Der Verleger und Schriftsteller Jo Lendle.
Jo Lendle Bildrechte: Carl Hanser Verlag/Mathis Beutel

• Jörg Schieke studierte von 1995 bis 1999 am DLL. Zwischenzeitlich leitet er ein Jahr lang die Literaturzeitschrift "Edit" und fing bereits vor Abschluss seines Diploms an, beim Gustav-Kiepenheuer-Verlag als Lektor zu arbeiten. Ein Jahr nach seinem Abschluss erhielt er einen Lehrauftrag am Institut und leitete ein Lyrik-Seminar. Drei weitere Jahre lektorierte er für den Kiepenheuer-Verlag, bis er im Jahr 2004 schließlich beim Mitteldeutschen Rundfunk als Kulturredakteur zu arbeiten begann. Neben seiner journalistischen Tätigkeit -unter anderem als Feuilletonist und Literaturkritiker- schreibt er nach wie vor auch literarisch, veröffentlicht vor allem Kurzprosa und Lyrik. 2018 erschien etwa das Langgedicht "Antiphonia" im Verlag poetenladen.

Jörg Schieke
Jörg Schieke Bildrechte: Jörg Schieke

• Juli Zeh (bürgerlich: Julia Barbara Finck, geb. Zeh) kam 1996 zum Studium an das Deutsche Literaturinstitut Leipzig. Vier Jahre später schloss sie mit dem Diplom ab. Sie ist nicht nur Autorin, sondern auch promovierte Juristin. 2001 veröffentlichte der Schöffling-Verlag mit "Adler und Engel" ihr Romandebüt, das in über 35 Sprachen übersetzt wurde. Neben weiteren Romanen zählen Kurzgeschichten, Essays, Sach- und Kinderbücher sowie Theaterstücke zu ihrem Werk. Einzelne Texte wurden vertont oder verfilmt. Sie erhielt diverse Auszeichnungen und Literaturpreise. Zuletzt erschien 2018 ihr Roman "Neujahr" im Luchterhand-Verlag.

Juli Zeh
Juli Zeh Bildrechte: Peter von Felbert

• Jan Kuhlbrodt war in den Jahren 1997 bis 2001 Student am DLL und gehörte damit zum zweiten Jahrgang nach Gründung des Instituts. 2007 übernahm er für drei Jahre die Geschäftsführung der Literaturzeitschrift "Edit" und kehrte schließlich als Gastprofessor an das DLL zurück. Währenddessen schrieb und veröffentlichte er diverse Werke, schrieb neben Prosa vor allem Lyrik. Zulezt erschien 2020 sein Gedichtband "Die Rückkehr der Tiere" im Verlagshaus Berlin. Heute lebt und arbeitet Jan Kuhlbrodt als freier Schriftsteller in Leipzig.

Der Schriftsteller Jan Kuhlbrodt auf der Buchmesse in Leipzig (Sachsen).
Jan Kuhlbrodt Bildrechte: dpa

Man kommt nicht nach drei Jahren Studium raus und kriegt einen Buchvertrag, mit dem man die nächsten 15 Jahre leben kann. Man muss dann schon sehen, wie die Kohle rankommt. Die meisten schaffen es nie. Man hat immer einen Fuß in der Welt.

Jan Kuhlbrodt, Absolvent des DLL

• Clemens Meyer studierte in den Jahren von 1998 bis 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sein erster Roman "Als wir träumten" erschien drei Jahre nach seinem Abschluss im Verlag S. Fischer. Es folgte die Veröffentlichung weiterer Romane sowie die Adaption einzelner Texte als Theaterstücke und die Anfertigung und Umsetzung von Drehbüchern. Über seine Tätigkeit im literarischen Bereich hinaus, machte er auch als Journalist auf sich aufmerksam. Zudem probierte er sich als Bildender Künstler. Im Jahr 2014 kehrte er als Gastdozent an das DLL zurück. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise; zuletzt wurde er 2020 mit dem Klopstock-Preis für neue Literatur für sein Gesamtwerk ausgezeichnet.

Clemens Meyer
Clemens Meyer Bildrechte: Gaby Gerster

• Claudius Nießen studierte in den Jahren von 2002 bis 2007 am DLL. Parallel zum Studium engagierte er sich als Literaturveranstalter, organisierte Lesungen und realisierte mit der Herausgabe der ersten "Tippgemeinschaft" eine Möglichkeit, Texte der Studierenden zu veröffentlichen. Begeistert von experimentellen Formen der Literatur, arbeitet er überwiegend projektbezogen, um ständig Neues ausprobieren zu können. Zwar schreibt er selbst auch, widmet sich dabei aber weniger literarischen, als mehr journalistischen Formen. Aktuell ist er mitverantwortlich für das Podcast-Radio detektor.fm.

Detektor.fm Moderator Claudius Nießen
Claudius Nießen Bildrechte: imago images / Christian Grube

• Kristof Magnusson kam 1998 zum Studium an das DLL. Nach seinem Abschluss schrieb er neben Romanen auch zahlreiche Theaterstücke. Als Sohn deutsch-isländischer Eltern widmete er sich stets beiden Sprachen und arbeitete nicht nur als Autor, sondern auch als Übersetzer. Zudem engagiert er sich für Literatur in Einfacher Sprache und kuratiert gelegentlich Literaturveranstaltungen. 2012 kam er als Gastprofessor an das Deutschen Literaturinstitut Leipzig zurück und lehrte dort später noch für zwei weitere Semester. 2020 erschien im Kunstmann-Verlag sein Roman "Ein Mann der Kunst".

Kristof Magnusson, 2017
Kristof Magnusson Bildrechte: dpa

• Janna Steenfatt nahm 2004 ihr Studium am DLL auf. Nachdem sie es 2010 als diplomierte Schriftstellerin verließ, vergingen allerdings noch zehn Jahre, bis schließlich ihr erster Roman "Die Überflüssigkeit der Dinge" bei Hoffmann & Campe erschien. In der Zwischenzeit hat sie zwar immer auch geschrieben, aber zudem Workshops und Seminare zum kreativen Schreiben geleitet. Gelegentlich betätigt sie sich als Moderatorin auf diversen Filmfestivals und gibt Schreibworkshops für junge Menschen.

Janna Steenfatt
Janna Steenfatt Bildrechte: Sascha Kokot

Das Ziel ist natürlich schon, wenn auch nicht vom Schreiben, dann aber doch von dem zu leben, das damit zusammenhängt – also Lesungen und auch gern Unterrichten.

Janna Steenfatt, Absolventin des DLL

• Isabelle Lehn begann im Jahr 2007, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig zu studieren. Drei Jahre später nahm sie dort einen Lehrauftrag an und arbeitete als Gastdozentin. Im Anschluss forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu literarischen Schreibprozessen am DDR-Institut für Literatur "Johannes R. Becher". 2016 erschien im Eichborn-Verlag ihr Debütroman "Binde zwei Vögel zusammen", aus dem sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis bereits einen Auszug gelesen hatte und dafür von der Jury auf die Shortlist gewählt wurde. Während ihrer Tätigkeiten als Autorin engagiert sie sich weiterhin in der Lehre und weiteren freien Projekten, wo sie unter anderem als Moderatorin auftritt.

Isabelle Lehn
Isabelle Lehn Bildrechte: imago images / Christian Grube

Ich glaube, an diesem Institut zu studieren, ist nicht unbedingt der schnellste Weg zu einer Veröffentlichung, aber man bekommt eine sehr breite Basis an literarischem Wissen und natürlich auch an theoretischem Wissen, handwerklichem Wissen, an Wissen über literarische Traditionen. Und nicht zuletzt geht es auch darum, wie ich mir mein Leben um das Schreiben herum organisiere.

Isabelle Lehn, Absolventin des DLL

• Ronya Othmann gehört zu den jüngsten Absolventinnen des DLL. Sie nahm ihr Studium 2014 auf und erhielt unter anderen Auszeichnungen 2019 den Publikumspreis bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur (Ingeborg-Bachmann-Preis) in Klagenfurt. In Essays, Lyrik und Prosa widmet sie sich immer wieder auch politischen Themen wie etwa dem Bürgerkrieg in Syrien, wie der Ermordung der Jesiden durch den Islamischen Staat. Sie äußert sich überdies in einer Kolumne regelmäßig in der taz. Kürzlich erschien ihr Debütroman "Die Sommer".

Ronya Othmann
Ronya Othmann Bildrechte: Cihan Camak

25 Jahre Deutsches Literaturinstitut Leipzig

Außenansicht Deutsches Literaturinstitut Leipzig 58 min
Bildrechte: Ole Neitzel

Mehr über die Autorinnen und Autoren

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Oktober 2020 | 12:10 Uhr