Vier rote Kerzen brennen auf einem Adventskranz
Der Adventskranz steht für das vierwöchige Warten auf die Heilige Nacht. Bildrechte: Colourbox.de

Vorweihnachtszeit Warum wird der Advent gefeiert?

Wenn das erste Lichtlein brennt, ist Weihnachten nur noch vier Wochen entfernt. Doch was haben die Adventszeit und die Heilige Nacht eigentlich miteinander zu tun? Warum sind es genau vier Adventssonntage und woher stammt die Tradition des Adventskranzes? Ein Blick in die Geschichte der weihnachtlichen Vorfreude.

von Sven Hecker, MDR KULTUR-Autor

Vier rote Kerzen brennen auf einem Adventskranz
Der Adventskranz steht für das vierwöchige Warten auf die Heilige Nacht. Bildrechte: Colourbox.de
Zweiter Advent 7 min
Bildrechte: imago/Panthermedia

Das lateinische "Adventus" heißt zu Deutsch: "Ankunft". Es wird während der Adventszeit auf Weihnachten gewartet, genauer auf die Heilige Nacht, auf die Ankunft Jesu Christi. Und dieses Warten ist violett, zumindest in der Kirche. Es besteht aus violetten Kerzen und Messgewändern, die "liturgische Farbe" der Adventszeit ist violett.

Theologin Sung-Hee Lee-Linke, Professorin an der Evangelischen Akademie Bonn, erklärt: "Das ist dann traditionell in unserem Christentum als eine Vorbereitungszeit für Weihnachten eingesetzt. Dabei spielt vor allem das Licht eine entscheidende Rolle."

Im frühen Christentum war die Adventszeit eine Fastenzeit, begangen wohl erstmals im 5. Jahrhundert. Sie dauerte acht Wochen lang, bis zum ursprünglichen Weihnachtstermin am 6. Januar, dem Erscheinungsfest. Das waren, ohne die fastenfreien Samstage und Sonntage, genau 40 Tage.

Jahrhundertealte Tradition

Die Archäologin Nicola Hensel hält ein Christkind aus hellem Ton in einer Krippe liegend aus dem frühen 16. Jahrhundert in der Hand.
Christkind in einer Krippe liegend aus dem frühen 16. Jahrhundert Bildrechte: dpa

Im 6. Jahrhundert legte Papst Gregor erstmals die Adventsliturgie in ihren Grundzügen fest: Vier Wochen sollte die Adventszeit nun dauern, bis die "Ankunft Gottes in der Welt" – inzwischen festgelegt auf den 25. Dezember – gefeiert wurde. Theologin Sung-Hee Lee-Linke beschreibt die Erwartungshaltung der Menschen: "Die Menschen warten nicht unbedingt auf die Geburt Gottes oder auf das Wiederkommen des Messias. Aber die wollen in dieser Zeit zu sich kommen – und auf dieses Weise auch auf die Liebe Gottes, die sie in ihrem Alltagsleben und auch in ihrer inneren Welt spüren. Danach haben die Menschen Sehnsucht, darauf warten sie."

Die Symbolik der Vier

Sehnsucht, Warten, Vorbereitung auf einen Neuanfang – mit der Adventszeit beginnt auch ein neues Kirchenjahr. Jeder der Adventssonntage hat seine eigene Bedeutung. Der erste erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, der zweite an die Wiederkunft Christi, der dritte an Johannes den Täufer und der vierte an Maria, die Mutter Jesu.

Vier Wochen also, die die 4.000 Jahre symbolisieren können, die die Menschheit nach biblischer Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten muss. Die Zahl 4 hatte überdies schon im Alten Testament symbolische Bedeutung: als Zahl der Welt, als Sinnbild für Vollkommenheit und Ganzheit. Und weil sie mit vorn/hinten/rechts/links auch alle Perspektiven abdeckt und damit auch die vier Himmelrichtungen.

Weihnachtsmarkt Annaberg-Buchholz
In vielen Städten laden während der Adventszeit Weihnachtsmärkte ein. Bildrechte: BUR

Jährlicher Neuanfang

Heute müssen die mythischen Bilder aus alter Zeit übersetzt werden. Für den katholischen Theologen Jürgen Manemann "protestiert" der Advent sozusagen gegen die Vorstellung der Zukunft als bloßer Fortsetzung unserer Gegenwart. Deshalb sei der Advent auch mit der Geburt, dem Gedanken des Neuanfangs verbunden.

Manemann merkt an: "Ein neues menschliches Leben kommt auf die Welt. Und mit diesem neuen menschlichen Leben wird die Welt neu geboren. Das geht aber […] nur, wenn wir es zulassen, dass Neues entstehen kann – und dass die Kinder nicht die Widerspiegelung dessen sind, was wir selbst sind. Elie Wiesel hat mal gesagt: 'Das Geheimnis Gottes ist der Anfang. Das Geheimnis des Menschen ist das Immer-wieder-neu-anfangen-können.'"

Adventskranz erst seit 1839

Der Adventskranz als Symbol der Vorweihnachtszeit ist noch jung. Er wurde erstmals am ersten Advent des Jahres 1839 in einem Heim für arme Kinder in Hamburg aufgehängt. Dessen Gründer war Johann Hinrich Wichern. Seine "Zöglinge" sollten Fürsorge und Liebe erfahren, aber auch christliches Brauchtum kennenlernen. Der Volkskundler Sönke Löden begründet die Festlegung auf letztlich vier Adventskranz-Kerzen: "Wenn Wichern noch seine 24 Kerzen anzündete, dann kann man sich vorstellen, dass das für den Normalverbraucher etwas viel war. Und es gab dann eine Reduktion auf die Adventssonntage."

Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Bibel, Johannes 8:12

Ein Wichernscher Adventskranz wird im Rathaus in Hamburg von Kindern aus der Wichernschule präsentiert.
Ein Wichernscher Adventskranz mit 24 Kerzen wird im Rathaus in Hamburg von Kindern aus der Wichernschule präsentiert. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Dezember 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Dezember 2019, 04:00 Uhr

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