Theateraufführung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Johanna Brault singt die Rolle der Amneris Bildrechte: Sermon Fortapelsson/Theater Plauen-Zwickau

Oper "Aida" in Plauen – Premiere mit Hindernissen

Erst im dritten Anlauf konnte es Verdis "Aida" szenisch auf die Bühne des Vogtlandtheaters Plauen schaffen. Zuvor kam die Oper krankheitsbedingt nur konzertant zur Aufführung. Unser Kritiker lobt die Umsetzung des Monumentalwerks auf kleiner Bühne, vor allem die musikalischen Leistungen.

von Boris Gruhl, MDR KULTUR-Opernkritiker

Theateraufführung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Johanna Brault singt die Rolle der Amneris Bildrechte: Sermon Fortapelsson/Theater Plauen-Zwickau

Die Premiere von Verdis Monumentalwerk "Aida" am Vogtlandtheater Plauen hatte mit unerwarteten Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Sowohl bei der eigentlich vorgesehenen Premiere am 4. Mai wie auch beim zweiten Anlauf am 12. Mai konnte es krankheitsbedingt nur eine konzertante Aufführung geben. Doch beim dritten Versuch kam es endlich auch zur szenischen Premiere. Die Inszenierung von Andreas Rosar wurde im Bühnenbild von Fabian Lüdicke und unter der musikalischen Leitung von Leo Siberski aufgeführt.

Das Publikum war nun bei der szenischen Premiere in Plauen begeistert, immer wieder gab es Szenenapplaus. Am Ende kam großer Jubel, besonders für die Sängerinnen und Sänger, fast alle aus dem eigenen Ensemble sowie für den Chor in der Einstudierung von Michael Konstantin. Als das Regieteam erschien wurde es etwas zurückhaltender.

Prunkoper aus der Pharaonenzeit

Die Oper wurde ursprünglich anlässlich der Eröffnung des Suezkanals geschrieben. Aber auch damals klappte es nicht zum vorgesehenen Termin, der Suezkanal wurde am 17. November 1869 eröffnet, "Aida" erst am 24. Dezember 1871 in Kairo uraufgeführt. Der Deutsch-Französische Krieg verhinderte den Transport der prunkvollen Ausstattung, die eigens in Paris angefertigt wurde.

Theateraufführung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Die Handlung der Oper "Aida" führt in das alte Ägypten der Pharaonen zurück Bildrechte: Sermon Fortapelsson/Theater Plauen-Zwickau

"Aida" sollte eine ägyptische Prunkoper werden, etwa wenn der ägyptische Sieg über die Äthiopier gefeiert wird, mit dem berühmten Triumphmarsch mit den damals eigens angefertigten "Aida"-Trompeten und riesigem Choraufgebot.

In der Plauener Inszenierung sieht man den ganzen in der Oper angelegten Prunk eher kritisch, distanziert. Das dürfte auch dem Anliegen Verdis nahekommen, denn der damalige Deutsch-Französische Krieg hatte den Komponisten sehr beschäftigt. Das nimmt die Inszenierung auch auf, deren zeitliche Assoziationen bis in unsere Gegenwart führen. So die Frage danach, welche politische Strategie es ist, einen äußeren Feind zu propagieren um die innere Ruhe zu gewähren. Was da eigentlich zwischen Ägyptern und Äthiopiern zum Krieg führte weiß man ja ebenso wenig, wie im Hinblick auf die nationalistischen Tendenzen Deutschlands gegenüber Frankreich damals.

Ob es allerdings zum Verständnis beiträgt, wenn in der Plauener Inszenierung eine wilde Bierparty unter preußischen Bannern vor Kulissenteilen steigt, die aussehen wie Ostplattenbauten im übergroßen Spielzeugformat, wage ich mal anzufragen.

Boris Gruhl, MDR KULTUR-Opernkritiker

Interessant sind dann aber wieder die Versuche, mit filmischen Erinnerungsfetzen persönliche Erkenntnisprozesse zu vermitteln, gerade im Hinblick auf den äußerlich siegreichen, innerlich aber verzweifelten Feldherrn Radamès.

Überdeutlich ist dann wieder, wenn der Oberpriester Ramfis mit seinen Gefolgsleuten eher wie ein Oberarzt wirkt und mittels eines medizinische Eingriffs den jungen Mann zum Kampfautomaten umfunktioniert. Das Maschinengewehr wirkt aber trotzdem wie ein heißes Eisen in den Händen des Tenors, Pistolen auf der Opernbühne haben lediglich die Wirkung der Gefahrenklassen eines Sandkastenspiels.

Eigene Stärken gezeigt

Diese Oper ist auch eine musikalische Herausforderung für ein Theater der mittleren Größe, zudem, wenn es möglich ist, fast alle der herausfordernden Partien aus dem eigenen Ensemble zu besetzen. In Plauen ist das gelungen, da vernimmt man wirklich beeindruckende Leistungen, sehr individuell, sehr persönlich und daher so authentisch im Umgang mit dem gesanglichen Können.

Theateraufführung - Menschen in Kostümen auf einer Bühne.
Die Inszenierung in Plauen verweist auch auf die aktuelle Zeit Bildrechte: Sermon Fortapelsson/Theater Plauen-Zwickau

Vor allem von der Sopranistin Marija Mitic in der anspruchsvollen Titelpartie, mit warm grundiertem Mezzosopran, Johanna Brault als Amneris und mit jugendlichem Tenor, weniger mit der heldischen Attacke, eher mit sensibler Tongebung Wonjong Lee als Radamès. Dazu kommen die Bassisten Maurice Giancarlo Avitabile als ägyptischer König, Frank Blees als machtintriganter Oberpriester und der Bariton Alik Abdukayumov als gefangener König der Äthiopier, Aidas Vater.

Dazu spielt das Philharmonische Orchester Plauen-Zwickau unter der Leitung von Leo Siberski. Es geht durch die Facetten der Klänge, mit zartestem Piano und stürmischem Aufbruch, grundierender Begleitung oder charakterisierender Eigenständigkeit des Klanges. Dazu kommt die große Kunst der Balancen, Chöre und Solisten auf der Bühne, Fernchöre und Orchester aus dem Off oder die berühmten Trompeten aus den Proszeniumslogen des ersten Ranges.

Hilfreiche Verstärkung aus der Region

Zur nötigen musikalischen Verstärkung der Aufführung von Verdis Monumentalwerk wurden in Plauen zahlreiche Musiker aufgefahren, so die Plauener Singakademie und ein eigens initiierter Projektchor, die berühmten Trompeten, ohne die es eben nicht geht, werden ganz toll von jungen Schülern des Vogtlandkonservatoriums "Clara Wieck" aus Plauen, dem Robert-Schumann-Konservatorium aus Zwickau und der Musikschule Reichenbach gespielt. Vom Vogtlandkonservatorium kommt auch das Orchester der Bühnenmusik.

Das ist wirklich eine großartige Sache. Ich denke eine solche Zusammenarbeit bleibt nicht ohne Folgen für die Beteiligten, so lässt sich Kunst in aktiver Mitgestaltung vermitteln. Große Oper mit soziokulturellen Dimensionen – warum nicht!

 "Aida" - Liebesdrama aus dem alten Ägypten
Die Oper erzählt eine tödliche Dreiecksgeschichte aus der Zeit der Pharaonen im Krieg der Ägypter gegen Äthiopien. Der ägyptische Feldherr Radamès liebt die äthiopische Prinzessin Aida, Sklavin am ägyptischen Hof. Er ist jedoch der ägyptischen Königstochter Amneris versprochen. Der Stoff für Verdi, um daraus sowohl große Oper wie auch intimes Kammerspiel zu machen.

Die Aufführung von "Aida" am Theater Plauen-Zwickau Vogtlandtheater Plauen
Oper in vier Akten
Musik von Giuseppe Verdi
Libretto von Antonio Ghislanzoni

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
ab 12 Jahren

Musikalische Leitung: GMD Leo Siberski
Inszenierung: Andreas Rosar
Bühne: Fabian Lüdicke

Nächste Aufführungen:
Samstag, 08. Juni, 19:30 Uhr
Montag, 10. Juni, 18:00 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Mai 2019 | 13:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 16:10 Uhr

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