Musik hören - Frau mit Kopfhörer auf dem Sofa
Auch 2018 erschienen sehr hörenswerte Musikalben Bildrechte: imago/Westend61

Empfehlungen der MDR KULTUR-Musikredaktion Unsere Alben-Empfehlungen 2018

Auch 2018 wurden wieder unzählige neue Musikalben veröffentlicht. Den besten Überblick haben dabei unsere Musikredakteure bewahrt. Sie haben die Perlen herausgepickt. Ihre Empfehlungen seien auch Ihnen ans Ohr gelegt.

Musik hören - Frau mit Kopfhörer auf dem Sofa
Auch 2018 erschienen sehr hörenswerte Musikalben Bildrechte: imago/Westend61

"Daydreamers" - Holzgitarren für den Seelenfrieden

"Daydreamers" des deutsch-kanadischen Duos Marla und David Celia ist ein Folkalbum voller trickreicher Nuancen und Schattierungen. Laurel-Canyon-Folk trifft auf Swing, auf Blues und Country sowieso. David Celia zählt zu den versiertesten Gitarristen Kanadas, für seine Akkordwendungen wird oft das Wort "beatlesesk" gebraucht.

Und dann ist da natürlich auch die Vielseitig und Brillanz, wenn die beiden Harmonien singen. Schon einzeln klingen Marla (im Timbre ein bisschen wie Mama Cass) und David großartig. Aber wenn beide gemeinsam singen, strahlt es. "Daydreamers" ist ein grundsolides Album - und genau das tut mir gut in einer Zeit, in der gerade die Musik hyperventiliert, zippelt und elektrogeschockt ist und selbst dem leisestem Songwriter hippe Dancefloorseligkeit oder wahlweise intellektuell überladene Disharmonie übergeholfen wird, damit die Kritik sich darüber vergießen möge. Deshalb mein musikalischer Ankerpunkt 2018 " Daydreamers".

Eine Empfehlung von Jan Kubon

"Daydreamers" von Marla und David Celia "Daydreamers" von Marla und David Celia
Label: Eliterecords


Einmal Italien mit Schuss - Paolo Contes Werkschau

Paolo Conte zählt zu den bekanntesten Songwritern Italiens. Seine Musik ist ein Gesamtkunstwerk aus Jazz, Klassik, Rock, Chanson und italienischem Volkslied. Sein Hit "Azzurro" ist so etwas wie die zweite Nationalhymne Italiens. Mittlerweile ist der Komponist, Texter, Multiinstrumentalist und Cantautore 81 Jahre alt und hat die kleine Werksammlung "Live in Caracalla - 50 Jahre Azzurro" veröffentlicht.

Paolo Conte
Paolo Conte Bildrechte: IMAGO

Das Lied "Azzurro" ist eine sehnsüchtige Ode an den azurblauen Sommerhimmels seiner Heimat, Conte schrieb es gemeinsam mit Michele Verano nach einem Text von Vito Pallavicini. Gesungen hat den Song zunächst Adriano Celentano, 1968 war es die meistverkaufte Single in den italienischen Charts. Auch wurde es mehrfach gecovert, so von den Toten Hosen. Conte nahm das Lied allerdings erst nach zehn Jahren Solokarriere 1985 für sein Album "Concerti" auf.

Gemeinsam mit seinem Orchester und vielen Gästen hat Conte am 14. und 15. Juni dieses Jahres den 50. Jahrestag seines Hits "Azzurro" in den römischen Caracalla-Thermen gefeiert. Die Aufnahmen finden sich auf dieser Doppel-CD, dazu ein aufwendiges Booklet mit eindrucksvollen Fotos der Location und den Musikern. Unter den Aufnahmen des Albums finden sich natürlich auch Contes größte Hits. Neben dem fabelhaften Orchester und seiner Band sind 15 Instrumentalisten und Sänger mit dabei.

Eine Empfehlung von Heidi Eichenberg

Paolo Conte: "Live In Caracalla - 50 Jahre Azzurro" Label: BMG


"On Hold" von Fenne Lily - Debüt aus dem Jugendgeist

Ach, wie schön ist doch des Menschen Jugendzeit. Schon Wilhelm Busch bemerkte: "Wieviel Liebes und Gutes passiert uns doch in der Jugend". Die junge Britin Fenne Lily wird jedoch entgegnen: Quatsch!

Lilys Debütalbum ist im Gefühl einsamer Jugendjahre in einem verschlafenen Vorort entstanden. Alles in diesem ländlichen Idyll fühlte sich limitiert und eng an. Lily floh in die Abgeschiedenheit ihres Zimmers, tauschte die Einsamkeit des Ortes gegen noch engere Grenzen ein und fand so - Überraschung - sich selbst und ihren Weg, sich der Welt mitzuteilen. Ihre Songs wirken oft regelrecht zerbrechlich leise und sind dadurch im wahren Wortsinn berührend. Und man kann auf Albumlänge sowohl textlich als auch musikalisch ihren darauf folgenden Ausbruch aus der selbst gewählten Isolation nachvollziehen. Ein beeindruckendes Debüt.

Eine Empfehlung von Hendryk Proske

Fenne Lily: "On Hold" Label: Rough Trade


"Miroir(s) - Opera Arias" - junger Opernstar Elsa Dreisig

CD-Cover Miroir(s) - Opera Arias - Elsa Dreisig - Orchestre National de Montpellier Occitane - Michael Schonwandt
"Miroir(s) - Opera Arias" Bildrechte: Warner Classics

Sie ist jung, sehr talentiert, selbstbewusst, ein wenig eigensinnig und sie kann selbst in stressigen Situationen noch herzlich lachen: Elsa Dreisig! Die Sopranistin hat es mit 27 Jahren schon an die Berliner Staatsoper geschafft und in diesem Jahr ihr erstes Solo-Album herausgebracht. Das ist keines mit dem üblichen Dutzend Sopran-Bravour-Arien, sondern ein veritables Konzept-Album, bei dem jeweils eine Frauenrolle aus der Perspektive zweier Komponisten gespiegelt wird: Zwei Mal Julia, Manon, Rosina und Salome zum Beispiel. Das alles bewältigt Elsa stimmlich und stilistisch bewundernswert souverän! Damit ist sie ihrem selbstgestellten Anspruch "einfach Kunst machen zu wollen" gerecht geworden. Und man darf gespannt bleiben, was kommt!

Eine Empfehlung von Bettina Volksdorf

"Miroir(s) - Opera Arias" Elsa Dreisig, Sopran
Orchestre National de Montpellier Occitane
Leitung: Michael Schonwandt
Label: Warner Classics


Mozart - stilsicher ausgewählt von Vlad Weverbergh

Wolfgang Amadeus Mozart
Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart ist auch 2018 noch eine Empfehlung Bildrechte: IMAGO

Auf den ersten Eindruck ist diese CD ein Sammelsurium von Werken unterschiedlicher Gattungen. Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert, dann einige Konzertarien für Sopran und Orchesters, sowie noch eine Sinfonie von einem vergessenen flämischen Komponisten der Mozartzeit, Peter van Maldere. Doch die Dramaturgie geht auf! Denn ein kluger und ambitionierter Musiker hat sie sich ausgedacht, Es ist der 41-jährige belgische Klarinettist und Dirigent Vlad Weverbergh, Gründer und Leiter des Kammerorchesters "Terra Nova Collective". Beheimatet ist es in Antwerpen, dort gibt es ein sehr aktives Zentrum für Alte Musik, AMUZ, das auch Träger dieser sympathischen jungen Truppe ist.

Der Name "Terra Nova Collective" rührt wohl daher, dass man bekannte Werke möglichst im originalen Klanggewand aufführen will und jahrzehntelange Gewohnheiten in der Interpretation überwinden möchte. Das ist gut in Mozarts Klarinettenkonzert zu hören. "Terra Nova" rührt aber wohl auch daher, dass man unbekannte, vergessene Werke aus der Zeit von Mozart und Haydn ausgräbt, wie zum Beispiel die hörenswerte Sinfonie in D-Dur von Peter van Maldere.

Eine Empfehlung von Claus Fischer      

"Mozart - Concerto for Bassett Clarinet u.a." Terra Nova Collective
Leitung: Vlad Weverbergh


"Delight in Musicke" - die Wonnen der Musik

Blockflöte
Blockflötenmusik, die begeistert Bildrechte: IMAGO

Was ist schlimmer als eine Blockflöte? Zwei Blockflöten! - so sagt der böse Volksmund. Doch fünf Blockflöten können der Himmel auf Erden sein, sagt diese CD! Die fünf jungen Damen vom Blockflötenquintett "Seldom sene" sind phänomenal (der Name kommt von einem Werk des Komponisten Christopher Tye). Der Klang ist homogen, rund und bisweilen überraschend angenehm abgedunkelt. Mit von der Partie ist die exzellente Sängerin Klaartje van Veldhoven. Sie hat den sprichwörtlichen Glocken-Sopran, den man sich für alte englische Consortmusik wünscht. Dazu eine große Flexibilität in der Stimme, die sich den Flöten sehr gut anpasst. Das merkt man besonders bei Stücken, in denen Vögel vorkommen, was ja ein beliebtes Genre in der Renaissancezeit war.

Eine Empfehlung von Claus Fischer      

"Delight in Musicke" English Songs and Instrumental Music oft he 16th and 17th Century
Klaartje van Veldhoven, Sopran
Seldom sene,Blockflötenquintett
Label: Brilliant Classics


"War & Peace 1618:1918" - Musik von Krieg und Frieden

Cover War & Peace 1618 - 1918 - Dorothee Mields - Lautten Compagney - Wolfgang Katschner
"War & Peace 1618:1918" Bildrechte: Deutsche Harmonia Mundi

Dieses Doppelalbum spannt einen großen musikalischen Bogen: vom Anfang des Dreißigjährigen Krieges 1618, der sich 2018 ebenso jährt wie das Ende des Ersten Weltkriegs. Dabei kreisen Dorothee Mields und die Lautten Compagney um so zeitlose menschliche Themen, wie Angst, Katastrophe, Vergänglichkeit, Sehnsucht. Genau diesen vier Begriffen und in dieser Reihenfolge ordnen sich Werke aus den einzelnen Jahrhunderten kontrastreich ein. Und sie greifen so geschickt ineinander, dass man mitunter gar nicht weiß, aus welcher Zeitepoche sie nun stammen.

Das liegt vor allem an der Instrumentierung: die ist durchweg in der frühbarocken Form gehalten. Recht variabel, denn damals war die Besetzung nie eindeutig vorgegeben. Deshalb passt das auf das 17.Jahrhundert, wie auf die fragilen Handschriften der Lieder von Friedrich Hollaender oder von Hanns Eisler. Zudem lernt man eine völlig neue Seite von Dorothee Mields kennen. Sie ist ja bislang als Barocksängerin in Erscheinung getreten. Nun also Lieder aus den 1920-er Jahren, die sie mit Biss aber auch mit tiefer Melancholie vorträgt.

Eine Empfehlung von Grit Schulze

"War & Peace - 1618:1918" Dorothee Mields, Sopran
Lautten Compagney
Leitung: Wolfgang Katschner
Label: Deutsche Harmonia Mundi

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2018, 11:18 Uhr

Kultur-Rückschau 2018