Bildnis Georg Friedrich Händel
Georg Friedrich Händel Bildrechte: IMAGO

Album der Woche Akademie für Alte Musik Berlin spielt Händel neu und einzigartig

Unser Album der Woche kommt von einem Barock-Ensemble mit großer Tradition - die Akademie für Alte Musik Berlin, in Liebhaberkreisen kurz "Akamus" genannt, war eines der ersten Originalklangensembles in der DDR. Vor drei Jahren hat man Kritiker und Publikum mit einer Neueinspielung von Georg Friedrich Händels Wassermusik begeistert. Und nun widmet man sich seinen Concerti Grossi op.6. Die Leitung des Ensembles in dieser spannenden Neuaufnahme hat der Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin Bernhard Forck.

von Claus Fischer, MDR KULTUR

Bildnis Georg Friedrich Händel
Georg Friedrich Händel Bildrechte: IMAGO

Händel war Deutscher. Aber ebenso mit Leib und Seele Engländer. Und auch Italiener. Bevor er sich dauerhaft in London niedergelassen hatte, war er mehrere Jahre in Italien, um sich den Musikstil zu eigen zu machen, der damals führend war. So sind seine in London komponierten Concerti Grossi op.6 in bestem Sinne italienisch geprägt, betont der Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin, Bernhard Forck: "Er hat diese Einflüsse durch Corelli – ganz stark auch hörbar durch den Einsatz der Violine – in sein Werk einfließen lassen, aber hat etwas ganz Eigenes gemacht."

Der Geiger als Dirigent

Wo Händel seine Concerti Grossi in London aufführte, wissen wir nicht genau. Anzunehmen ist, dass er sie in den Pausen seiner Oratorienaufführungen im Theater zum Besten gab. Händel spielte entweder Cembalo oder Violine und war zugleich Dirigent des Orchesters.

"Die Dirigentenperson, die wir heute kennen, also die Persönlichkeit, ist eigentlich viel später erst entstanden“, sagt Forck. "Natürlich kennt man die schöne Geschichte von Lully, der sich mit dem Taktstock seine berühmte Blutvergiftung geholt hat, an der er dann auch starb, aber in der Regel wurde diese Musik vom Cembalo, von der Geige aus geleitet." Der Geiger habe so gesessen, dass er die Möglichkeit hatte, das ganze Orchester zu sehen und die Impulse, die man sich gegenseitig zuwarf, zu übernehmen.

Musik nach neuster Forschung

CD-Cover - Händel, Concerti Grossi op. 6
Bildrechte: Label Pentatone

Der Staub von mehr als 250 Jahren – er ist bei dieser Aufnahme wie weggeblasen. Die Mitglieder der Akademie für Alte Musik Berlin spielen energiegeladen und kontrastreich – und nach neuesten Erkenntnissen der britischen und deutschen Händelforschung. Die Einspielung erfolgte nach der sogenannten "halleschen Händelausgabe", die dem aktuellen Stand der Wissenschaft entspricht. Die verwendete Hardware ist selbstverständlich historisch, so Bernhard Forck. "Das Instrumentarium aus der Barockzeit zeigt einem natürlich einfach durch die Grenzen und durch die Möglichkeiten auch einen Weg vor."

Die doppelte Rolle eines Solisten und Dirigenten bedeutet für Bernhard Forck bei den zum Teil langen Aufnahmesitzungen in der Berliner Nazarethkirche natürlich auch eine doppelte Anspannung. So ist er froh, nicht bei jedem Auftritt der Akademie für Alte Musik Berlin an der Rampe stehen zu müssen. Ab und an ist er gerne auch einfach "nur" Ensemblemitglied. "Manchmal ist das Problem, dass man durch das Leiten, das Konzentriertsein auf die Anderen, immer ein bisschen die eigene Violine vernachlässigt", sagt Forck. "Und da bin ich immer wieder sehr froh, wieder ganz zu meinem Instrument zurückzukommen."

Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, finde aber beides sehr, sehr schön.

Bernhard Forck, Konzertmeister der Akademie für Alte Musik Berlin,

Angaben zum Album Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Berhnhard Forck
Concerti grossi op. 6
von Georg Friedrich Händel
erschienen beim Label PENTATONE

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Juli 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2019, 04:00 Uhr

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