Element of Crime, Sven Regener
Der gebürtige Bremer Sven Regener hat Element of Crime 1985 gegründet. Bildrechte: IMAGO

Neues Album "Schafe, Monster und Mäuse": Schönste Poesie von Element of Crime

Die Berliner Band Element of Crime wurde 1985 von Sven Regener gegründet, der inzwischen auch als Buchautor gelobt wird - sein Roman "Wiener Straße" stand 2017 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Und poetisch sind auch seine Liedtexte: Beliebt sind vor allem die romantischen Songs von Element of Crime. Mit dem sechsten Album "Romantik" gelang der Band 2001 dann auch der Durchbruch. In der Zwischenzeit veröffentlichte die Band "Mittelpunkt der Welt", "Immer da wo du bist bin ich nie" und "Lieblingsfarben und Tiere". Jetzt neu folgt das neue Album "Schafe, Monster und Mäuse".

von Stefan Maelck, MDR KULTUR-Musikkritiker

Element of Crime, Sven Regener
Der gebürtige Bremer Sven Regener hat Element of Crime 1985 gegründet. Bildrechte: IMAGO

"Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang" war der Vorbote für "Schafe, Monster und Mäuse", ein klassisches Liebes-Beendungslied mit dem Blick zurück, so wie nur Sven Regener Melancholie erzählen und damit beim Hörer herzustellen vermag. Der Effekt: Man glaubt, dass man den Song schon kennt, wenn man ihn zum ersten Mal hört, nur dass man ihn eben in einem anderen Leben gehört hat.

Grausam ist der Haifisch
und grausam warst auch du.
Am Ende des Regenbogens
legt der Regen noch einen Zahn zu ...

aus "Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang" von Element of Crime

Erwartungen werden nicht enttäuscht

Cover Element of Crime
Das neue, inzwischen 14. Album der Band Element of Crime: "Schafe, Monster und Mäuse" Bildrechte: Universal Music

Aber von Anfang an: Wie steht es um die Erwartungshaltung, wenn eine Band, die längst in ihrer eigenen Liga spielt, das 14. Album vorlegt? Man freut sich drauf, fragt sich vorab: Halten sie das selbst erschaffene Niveau, gibt es wieder diese Aura, diese Schönheit, diese Melancholie? Und natürlich diesen Humor? Man denkt vielleicht an das letzte Konzert, das man gesehen hat von Element of Crime, wo man sich gewünscht hat, dass der Song "Dieselben Sterne" als Zugabe kommt und eine Sternschnuppe geholfen hat.

Als Fan der ersten Stunde hat man vielleicht den ganzen Kosmos der Elements vor sich und sagt leise: Was für ein Weg, was für eine Entwicklung, was für eine Kontinuität in der vermeintlich ständigen Veränderung. Und dann auf dem Konzert in Halle, kurz vor Veröffentlichung des neuen Albums, hören ein paar Tausend Menschen zum ersten Mal den Song "Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin" und es gibt Strophenapplaus, die Leute flippen aus und man den denkt: Wahnsinn. Hoffentlich ist das der letzte Song auf dem Album. Hat funktioniert. Auf Hymnen muss man eben warten.

Ich wäre gern ein Gummibär.
Da gäb's die gelben und die roten,
das sind alles Vollidioten.
Ich hätte tausende Kollegen,
wir müssten uns nicht groß bewegen ...

aus "Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin" von Element of Crime

Musikalisch sehr abwechslungsreich

Dieses neue Album ist musikalisch noch abwechslungsreicher als seine Vorgänger, ob Zwölf-Achtel- oder Neun-Achtel-Takt, ob Polka, Blues, Wüstenrock, Northern Soul oder Mariachi, zwischen Weltuntergang und Gummibären, die Platte beginnt und endet in Berlin und landet zwischendrin immer mal wieder dort, zum Beispiel am Schlesischen Tor:

Element of Crime
Element of Crime: (von links) Jakob Ilja, Sven Regener, Richard Pappik und David Young Bildrechte: Charlotte Goltermann

Seit Stunden schon wollen wir gehen
und immer noch stehen wir hier
wie Falschgeld unter der Hochbahn
und irgendwer holt neues Bier ...

aus "Die Party am Schlesischen Tor" von Element of Crime

Poetisch wie Kästner, Tucholsky oder Trakl

Zwölf neue Lieder, kein Ausfall dabei, mal ist es rumpliger mal herrlich leise. Die Liebe steht immer noch im Mittelpunkt, egal ob nun alt oder neu. Auf die Bläser wurde noch mehr Wert gelegt als früher, das hört man auch live, wo die Band einen Saxophonisten zur Unterstützung dabei hat. Sven Regener malt ein paar Bilder, die man so noch nicht gehört hat – manchmal denkt man an Kästner, Tucholsky oder auch Trakl. Dazu gibt es Streicher und ein wunderbares Akkordeon. Das Album ist pure Poesie  - vielleicht die schönste, die man so findet derzeit.

Element of Crime sind im 33. Jahr ihres Bestehens weit davon entfernt, das Erreichte, den eigenen Sound zu verwalten. Sie verfeinern ihn ohne ihn zu perfektionieren, sie erfinden neue Rezepte, nichts Makrobiotisches, aber auch keine Hausmannskost – das klingt alles so lässig wie das breite Norddeutsch des Sängers und Texters Sven Regener.

Keine Freude mehr am Sommer
keine Lust auf Sonnenschein
Keine Wolke, keine Gnade
und im Prinzenbad allein.
Lass es endlich wieder regnen
damit die Blumen sich erhol'n
und man die Tränen nicht mehr sieht,
die die Schwerkraft unerbittlich
von den Augen südwärts zieht ...

aus "Im Prinzenbad allein" von Element of Crime

Angaben zum Album: Element of Crime: "Schafe, Monster und Mäuse", erschienen bei Vertigo Berlin (Universal Music) am 5. Oktober 2018, 15 Euro.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Oktober 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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