Album-Empfehlung: "Haendeliana Hallensis 1" Das Händelfestspielorchester macht seinem Namen alle Ehre

Georg Friedrich Händel gehört einfach nach Halle. Das Händelfestspielorchester Halle blickt mittlerweile auf 25 Jahre Erfahrung mit den Werken des Komponisten zurück. Auf dem Album "Haendeliana Hallensis", welches den Auftakt für eine ganze Reihe Händel-Alben bildet, spielt das Orchester auf barocken Instrumenten ein breites Repertoire. Was das Besondere daran ist, hat sich die MDR KULTUR-Musikkritikerin Beatrice Schwartner vom musikalischen Leiter des Händelfestspielorchesters Bernhard Forck erklären lassen.

Braucht es wirklich noch eine Aufnahme von Händels Wassermusik? Definitiv ja: wenn diese Suite dermaßen hochvirtuos und voller Lebensfreude gespielt wird, wie vom Händelfestspielorchester Halle. Gerade die hierfür ausgesuchten Sätze lassen sich nur schwerlich "zu Wasser" vorstellen, wofür sie ja komponiert waren, als Freiluftmusik für eine Rundfahrt des Königs auf der Themse in London. Nur werden ausgerechnet die vom Wasser verschluckt worden sein - an heutige technische Verstärkung war ja damals noch gar nicht zu denken. Dabei leben die Sonaten- und Tanzsätze doch gerade von klanglichen Gegensätzen, die sich hier so wunderbar entdecken lassen.

Unsere Intention war unsere eigene Interpretation, das Typische des Händelfestspielorchesters in der Auseinandersetzung mit der Musik Händels. Und das ist ja seit 1993, also in diesem Jahr sind es dann 25 Jahre gelebte Erfahrung, die wir mit in diese CD hineingeben wollen.

Bernhard Forck, Musikalischer Leiter des Händelfestspielorchesters

Auseinandersetzung mit barockem Instrumentarium

Bernhard Forck, Musikalischer Leiter des Hände-Festspielorchesters
Bernhard Forck, Musikalischer Leiter des Händefestspielorchesters. Bildrechte: Gudrun Senger

Erfahrungen, die das Händelfestspielorchester in der deutschen Musiklandschaft, vielleicht sogar weltweit, so besonders macht, denn es ist Teil der Staatskapelle Halle. Die Musiker sind also sowohl mit großem sinfonischem Repertoire vertraut, als auch mit romantischen Opern, und gleichzeitig - wie der Geiger und musikalische Leiter des Händelfestspielorchesters Bernhard Forck erzählt - spielen sie auf barockem Instrumentarium. Und dies sei ein Spagat, der sehr viel Virtuosität erfordert, der sehr viel Beschäftigung mit dem jeweiligen Instrumentarium erfordert, so Forck weiter.

Ich glaube, das gibt es an keinem anderen Orchester, dass man an der historischen Aufführungspraxis der Barockzeit arbeitet.

Bernhard Forck, Musikalischer Leiter des Händelfestspielorchesters

Das ist besonders heikel für die Blasinstrumente - denn man halte sich nur mal die zwei völlig verschiedenen Instrumente: Barockoboe und moderne Oboe vor Augen. Allein der Wechsel zwischen ihnen erfordert viel Zeit und enormes Einfühlungsvermögen. Besonders imposant fallen in diesem Zusammenhang die Hörner des Händelfestspielorchesters auf: Naturhörer ohne Ventile, die mit einer Gelassenheit tönen, als seien sie moderne Instrumente.

Arien des großen Opern-Komponisten

Cover: Händel, Benno Schachtner / Händelfestspielorchester Halle
Das Album-Cover "Haendeliana Hallensis 1" Bildrechte: Querstand

Wenn man idealtypisches Händel-Repertoire auf ein Album bringen will, dann dürfen Arien natürlich auch nicht fehlen, denn Händel war nun mal der große Opern-Komponist seiner Zeit. Deshalb haben Forck und das Händelfestspielorchester eben auch Arien ausgesucht, die damals von Kastraten gesungen wurden. Lobenswerterweise nicht ausschließlich die ganz bekannten Stücke, wie aus "Giulio Cesare", sondern auch aus "Sosarme" und "Arminio". Wer letzteren seinerzeit in Halle live erlebt hat, der kennt auch Benno Schachtner. Der junge Countertenor ist quasi das Bonbon dieser Aufnahme, mit seinem warmen Timbre, mit fein ziselierter Technik, energetisch und intensiv die Arien auslotend. Im musikalischen Zwiegespräch mit dem Händelfestspielorchester merkt man jedenfalls sofort die enge Verbindung der Musiker.

Musikalische Erinnerungen an Italien

Und weil es nun einmal bei "Haendeliana Hallensis" um die Abbildung der Breite von Händels Werk geht, rundet ein weiteres Großwerk dieses Album ab: aus seiner Sammlung von 12 Concerti grossi op. 6. Daraus haben die Hallenser vielleicht das Schönste ausgesucht, das in g-Moll, mit all den musikalischen Reminiszenzen Händels an Arcangelo Corelli, den italienischen Meister, den er ganz jung in Italien erlebt hat. Verbietet sich fast zu sagen, aber auch damit macht das Händel-Festspielorchester seinem Namen alle Ehre.

Angaben zum Album: Künstler: Benno Schachtner, Händelfestspielorchester Halle, Bernhard Forck
Album: Georg Friedrich Händel: "Haendeliana Hallensis 1"
Label: Querstand, DDD, 2017

Stücke:
Suite aus der Wassermusik
Concerto grosso op. 6 Nr. 6
Arien aus "Giulio Cesare in Egitto"; Arien aus "Armino"; Arie aus "Sosarme, Re di Media"

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 30. April 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2018, 08:10 Uhr

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