Album-Empfehlung: "Marigold" Warum Stu Larsens Album über Liebeskummer nicht kitschig ist

Auch Australien hat aufgrund der Corona-Krise seine Grenzen dichtgemacht. Reisen ist nicht möglich. Dabei ist der australische Singer- und Songwriter Stu Larsen eigentlich immer unterwegs: Seit zwölf Jahren lebt er ohne festen Wohnsitz. In seinem neuen Album "Marigold" geht es um Liebeskummer. Ein beliebtes und vielfach besungenes Thema - aber Larsen schafft es, dass die Songs niemals kitschig oder klischeehaft klingen, findet unsere Kritikerin.

Stu Larsen, 2015
Der australische Singer-/Songwriter Stu Larsen hat ein Album über Liebeskummer geschrieben. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Es hat mir das Herz gebrochen wie nichts zuvor. Niemals wieder möchte ich das erleben.

Stu Larsen, Singer-/Songwriter

Dieses gebrochene Herz gehört Stu Larsen. Wobei, mittlerweile ist sein Herz gar nicht mehr gebrochen. Aber dieses Happy End heben wir uns schön bis zum Schluss auf. Noch sind wir bei Stu Larsen und seinem gebrochenen Herzen, denn genau darum geht es auf seinem neuen Album "Marigold". Es beinhaltet zwölf Lieder über Liebeskummer, das schmerzhafte Gefühl, verlassen zu werden und den schweren Versuch, sein Leben nach einer Trennung wieder in den Griff zu bekommen.

Der Singer/Songwriter-Folk mit akustischer Instrumentierung und emotionalem Gesang passt perfekt zur Thematik. Man spürt Larsens Schmerz. Einige Lieder habe er in Amsterdam geschrieben, erzählt der Musiker. Für einen Freund habe er dort auf dessen Katze aufgepasst. In Amsterdam habe ihn die Frau besucht, "über die ich dieses Album geschrieben habe". "Sie sagte, dass sie nicht mehr mit mir zusammen sein will. Ich hatte also ein kleines gebrochenes Herz. Naja, wenn ich ehrlich bin: ein riesiges gebrochenes Herz", gibt Larsen zu.

Seit zwölf Jahren ohne festen Wohnsitz

Seit zwölf Jahren lebt der Australier Stu Larsen jetzt schon ohne festen Wohnsitz. Er reist um die Welt, lebt aus dem Koffer und vom Musik machen. Seine Reiseerfahrungen hat er bereits auf zwei Alben musikalisch verarbeitet. Doch dieses Reisen ist jetzt natürlich auch für Larsen erstmal nicht mehr möglich. Seine verrückte Welttour, bei der er in einem Monat in elf Ländern spielen wollte, musste er nach der Hälfte abbrechen.

Am liebsten hätte er danach sein Handy ausgeschaltet und sich irgendwo fern der Öffentlichkeit versteckt. Doch er hat sich dagegen entschieden, denn Musiker haben in dieser außergewöhnlichen Zeit jetzt eine ganz besondere Aufgabe, sagt Larsen. In Zeiten von sozialer Distanz bringen sie mit ihrer Musik Menschen näher: "Meine erste Reaktion war, die Veröffentlichung dieses Albums zu verschieben. Aber dann hab ich mit verschiedenen Leuten gesprochen, die alles gesagt haben: wir brauchen dieses Album jetzt. Wir brauchen etwas, dass uns Hoffnung gibt, dass uns zusammenbringt. Wir brauchen neue Musik."

Liebeskummer ohne Kitsch

Liebeskummer, Herzschmerz, verlassen und betrogen werden – wie viele Lieder gibt es darüber! Da ist es nicht leicht, aus der riesigen musikalischen Kiste voller gebrochener Herzen herauszustechen. Doch Larsen ist das mit seinem Album "Marigold" gelungen. Man hört seinen Liebeskummer, aber er klingt dabei nie kitschig, jammerig oder klischeehaft. Die Texte sind persönlich, kurze Liebesgeschichten oder vielmehr Anti-Liebesgeschichten. Wie in "Phone Call from my Lover" wenn der Musiker davon singt, dass seine Freundin ihn zwar noch lieben würde, aber erstmal alleine reisen will, um sich selbst zu finden. Dazu zupft oder schlägt er sanft die Gitarrensaiten. Liebeskummer kann so schön klingen, wenn es einen nicht selbst betrifft.

"Marigold" ist kein deprimierendes Album, das einen beim Hören runterzieht. Im Gegenteil. Lieder wie "The loudest Voice" haben viel mehr eine positive und motivierende Strahlkraft. Gerade in der aktuellen Zeit, in der die Corona-Pandemie unser gesamtes Leben dominiert, sind es Alben wie dieses, die das Herz erwärmen. Stu Larsen emphiehlt gerade jetzt, das Handy öfter mal in den Flugmodus zu schalten und mehr Musik zu hören. Er würde das auch tun, sagt er, mit seiner neuen alten Freundin. Genau: Die, die ihn verlassen hatte und über die er dieses Album geschrieben hat. Und das ist das Happy End!

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2020 | 07:40 Uhr

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