Neues Album Kristofer Aströms "Hard Times" – eine Hommage an den Alltag

Gleich zwei runde Jubiläen kann der schwedische Singer-Songwriter Kristofer Aström in diesem Jahr feiern: seine 20-jährige Karriere als Musiker und sein zehntes Studioalbum, das gerade erschienen ist. Melancholischer Folk, Country und Americana-Einflüsse – Aström scheint für "Hard Times" eine Reise zurück zu seinen musikalischen Anfängen gemacht zu haben, dennoch hat er sich deutlich hörbar weiterentwickelt, meint unsere Kritikerin.

Mit dem Liebeskummer ist es so eine Sache. Unzählige Male schon wurde in emotional melancholischen Songs gelitten, getrauert, geschimpft. Aber genauso wie es weiterhin Liebeskummer gibt, werden auch weiterhin Lieder darüber geschrieben – selten allerdings so überzeugend wie vom schwedischen Musiker Kristofer Aström. Er wolle nicht der Notnagel sein, der einfach nur bis zur nächsten richtigen Beziehung gut genug ist, singt Aström im Lied "Inbetweener". Vor allem das Schlagzeug verleiht dem Song den nötigen Nachdruck.

Mal akustisch, mal mit Band

Cover "Hard Times" von Kristofer Aström
"Hard Times" ist bereits das zehnte Studioalbum von Kristofer Aström Bildrechte: Startracks

Nachdem Aström zuletzt meist allein mit Akustikgitarre zu hören war, hat er für sein neues und zehntes Studioalbum "Hard Times" wieder für einige Songs seine Band ins Studio geholt. So wechseln sich rein akustische und bandbegleitete Songs ab. Das Ergebnis sind acht Lieder die trotz der unterschiedlichen Dynamik immer berühren.

Er fand, die Songs bräuchten eine Band, wie der Singer-Songwriter MDR KULTUR erzählte. Diese Band habe er mit ein paar Freunde zusammengestellt, seitdem tourten und spielten sie zusammen. Aström: "Wir haben auch das vorherige Album "The Story of a Heart's Decay" zusammen aufgenommen. Deshalb wollte ich unbedingt, dass die ganze Band auch diesmal dabei ist. Aber es gibt ein paar Songs auf dem Album nur mit mir und einer Akustikgitarre."

Unterstützung hat sich Kristofer Aström auf diesem Album nicht nur von seiner Band geholt, sondern auch von Britta Persson, eine der bekanntesten Pop-Musikerinnen Schwedens aktuell. Schon auf Aströms Album "So Much For Staying Alive" aus dem Jahr 2005 war sie zu hören. Diesmal singen die beiden von der Hilflosigkeit, wenn sich der Partner in jemand anderes verliebt. Den Schmerz in ihren Stimmen kann man dabei fast spüren.

Zurück zu den musikalischen Anfängen

Auf seinem zehnten Album scheint Aström eine Reise zurück zu seinen musikalischen Anfängen gemacht zu haben. Melancholischer Folk, Country und Americana Einflüsse – damit ist ihm 2001 mit seinem Album "Northern Blues" der internationale Durchbruch gelungen. Ein musikalisches Erfolgsrezept, das auch 2020 aufgeht, ohne wie ein uninspirierter Abklatsch zu klingen. Aström hat sich deutlich hörbar weiterentwickelt.

Ein Mann mit langen blonden Haaren und Bart sitzt zwischen lilafarbenen Blumen
Aström besinnt sich auf "Hard Times" auf seine musikalischen Anfänge. Bildrechte: Ellika Henrikson

Der Albumtitel "Hard Times" klingt dabei wie die Kurzzusammenfassung der vergangenen neun Monate. Doch Kristofer Aström versichert, der Titel stand schon weit vor Corona fest. Viel mehr hat sich Aström von dem amerikanischen Folksong "Hard Times Come Again No More" inspirieren lassen. "Zuerst wollte ich das Album 'Hard Times Come Again No More' nennen. Als eine Art Anspielung auf den tagtäglichen Kampf, den jeder von uns durchmacht", erklärt der Musiker. "Und wenn ich mich umsehe und mit Freunden und auch anderen Menschen spreche, die ich treffe, merke ich: Jeder kämpft jeden Tag. Dieses Album ist also eine Art Hommage an den Alltag."

Fakt ist, die Zeit gerade ist hart. Deshalb sind da Alben wie "Hard Times" von Kristofer Aström eine willkommene Fluchtmöglichkeit.

MDR KULTUR-Studiosession

Kristofer Aström,  Fireside, Sänger, im Berliner Lido 24 min
Bildrechte: imago images/BRIGANI-ART

Nach einer Solophase mit reduzierten Akkustikgitarren-Sounds ist er jetzt wieder mit seiner Band zu hören: "Hard Times" heißt das neue Album des schwedischen Songwriters Kristofer Aström.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 24.10.2020 16:00Uhr 24:28 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. November 2020 | 07:40 Uhr