Brel Cover
53 Jahre später: Das Album-Cover von Jaques Brels "Ces gens-là" wurde für die Neuauflage mit den Sängern nachgestellt. Bildrechte: Universal Music

Albumkritik Hommage-Album: Die unvergesslichen Chansons von Jacques Brel

Der Chansonnier Jacques Brel wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Seine berühmten Lieder haben David Bowie, Ray Charles oder Nirvana gesungen. Jetzt sind es Künstler wie Melody Gardot, Marianne Faithfull, Carla Bruni oder Thomas Dutronc, die dem berühmten belgischen Sänger ihre Hochachtung erweisen – mit insgesamt 13 Brel-Chansons auf dem Album "Brel – Ces gens-là".

von Petra Rieß, MDR KULTUR-Musikkritikerin

Brel Cover
53 Jahre später: Das Album-Cover von Jaques Brels "Ces gens-là" wurde für die Neuauflage mit den Sängern nachgestellt. Bildrechte: Universal Music

Bis auf Zwei sind alle gekommen und posieren für das CD-Cover an hölzernen Bistrotischen in gedämpften Farben. Dafür wurde eigens die Bar nachgebildet, in der 1966 das Bild von Brels gleichnamigem Album "Ces gens-là" entstanden war. Ein Arrangement, das an ein Da Vinci Gemälde oder Claude Monet erinnert, nur dass Jacques Brel kein Künstler für die Reichen und Schönen war. In "Vesoul", gesungen von Thomas Dutronc, wird auch sein Vater, ein Schauspieler und Sänger, erwähnt.

Brel Cover 8 min
Bildrechte: Universal Music

MDR KULTUR - Das Radio Mo 15.07.2019 08:10Uhr 08:27 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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MDR KULTUR - Das Radio Mo 15.07.2019 08:10Uhr 08:27 min

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Audio

Brels Musik wirkt nach

Jacques Brel habe ihn beeindruckt, seit er ein Kind war und den Belgier zum ersten Mal im Fernsehen sah, sagt Dutronc. Seine sinnliche Darbietung, die Leidenschaft seiner Interpretationen, sein Spiel, und dass man nicht wusste, ist das Gesang oder Comédie. Ein sehr intelligenter und sehr sensibler Typ sei Brel gewesen, sagt Thomas Dutronc, den Vieles umgetrieben habe, vor allem soziale Ungerechtigkeiten, und natürlich, die Liebe.

Der aus Belgien stammende Chansonnier Jacques Brel raucht 1960 hemdsärmelig und mit gelockerter Krawatte in seiner Garderobe im Theatre de Verdure in Grenoble eine Zigarette
Der aus Belgien stammende Chansonnier Jacques Brel – eine Aufnahme von 1960. Bildrechte: dpa

"Ne me quitte pas – Geh nicht fort von mir" war eines der anspruchsvollsten Chansons des Belgiers. Jacques Brel war 30 Jahre alt, als er es veröffentlichte. Slimane, bekannt aus Gesangswettbewerben im französischen Fernsehen, ist 26, und den Mut, dieses Chanson zu singen kann man bewundern. Slimane ist in prominenter Gesellschaft: Zaz singt "Brussels", Carla Bruni "Quand on a que l’amour" und Melody Gardot hat sich "La chanson des vieux amants" ausgesucht. Die Sängerin sagt, Brel habe ihr verdeutlicht, welches Potential sie als Interpreten, Sänger und Performer hätten, welch starkes und klares Bild sie auf der Bühne abgeben können: 

And what he was singing he was so deep into the music that it made me realize the potential that we have as interpreters, as singers, as performers, to give someone a clear and total picture, just alone on the stage.

Melody Gardot
Carla Bruni
Carla Bruni singt Jaques Brel Bildrechte: IMAGO

Diese Bühnenpräsenz, die Schauspielkunst, das Expressive waren typisch für Jacques Brel. Er verkörperte neben Brassens und Trenet jene Sänger, die ihre eigenen Stücke, die selbst geschriebenen Chansons vortrugen. Auch die mittlerweile 72-jährige Marianne Faithfull singt Brel, und es fällt kaum auf, dass sie die englische Variante wählte. Ihre ungeschminkte Fassung zählt zu den stärksten des Albums. Sie wagt sich schutzlos hinaus –  wie Brel.

Neue Interpretationen – auch als Rap

Sieben Männer und sechs Frauen ehren Jacques Brel, der 1978 mit nur 49 Jahren in Paris gestorben ist. Dass man Brel auch überzeugend rappen kann zeigt Oxmo Puccino. Der französische Rapper stammt aus Mali und lebt seit 1975 mit seiner Familie in Paris im 19. Arrondissement. Für ihn ist Brel Teil des francophonen Erbes und wie im Hip Hop geht es auch bei Brel um sozialikritische Themen.

Weitere männliche Chansonstimmen sind, neben den schon genannten die von Michel Jonazs und Bernard Lavillier, beide französisches Urgestein. Die Idee zu diesem Projekt hatte Larry Klein, Produzent und vierfacher Grammy-Preisträger. Der Mann mit dem Händchen für besondere Themen. Brels "Ces gens-là" ist ein stilistisch äußerst vielseitiges Album, und es ist gut möglich, dass man am Ende dieser Reise durch das Brel-Universum zum Fan dieses so trotzig zärtlichen Belgiers und seiner Lieder geworden ist.

Angaben zum Album "Brel – Ces gens là"
Melody Gardot, Zaz, Marianne Faithfull, Carla Bruni,Thomas Dutronc u.a.
Label: Universal Music
Bestellnummer / EAN: 774147-1 / 0602577414718

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 15. Juli 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juli 2019, 04:00 Uhr

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