Albumcover von "Les Nations".
Bildrechte: Aparte Music

Ensemble "Les Talens Lyriques" "Les Nations": Ein Album, wie ein 6-Gänge-Menü

Französische Barockmusik – da denkt man an Lully oder Rameau, aber es gab jenseits dieser beiden Brennpunkte der Ellipse noch etliche weitere herausragende Musiker. Francois Couperin war am Hof in Versailles sehr gefragt und zwar in der Zeit zwischen dem Tod von Lully und den Erfolgen von Rameau. Das französische Ensemble "Les Talens Lyrique" hat nun Couperins Zyklus "Les Nations" eingespielt. Er umfasst vier große Suiten für eine kammermusikalische Besetzung.

von Claus Fischer, MDR KULTUR-Musikkritiker

Albumcover von "Les Nations".
Bildrechte: Aparte Music

Wie hat man den Sonnenkönig Ludwig XIV vor Augen? Als jugendlichen Tänzer zu virtuoser Ballettmusik von Jean-Baptiste Lully. Doch als François Couperin in Versailles tätig war, war der Herrscher bereits über 70 und litt an diversen Krankheiten. So verlangte er nach einer angenehmen Beschallung für seine Gemächer. Und die lieferte Couperin in Vollendung, betont der Cembalist und Leiter des Ensemble "Les Talens Lyriques", Christophe Rousset.

Rousset sagt, dass es eine Musik sei, die die Seele auf ganz direkte Weise anspreche. Durch sie werde "das Intime im Menschen" zum Klingen gebracht – und zum Schweigen. "Das Publikum wird ergriffen."

Musik, die keine Landesgrenzen kennt

François Couperins Kompositionen für die nachmittäglichen "Concerts Royaux", die königlichen Kammerkonzerte in Versailles, sind trotz ihres eher intimen Charakters farbig und klangsinnlich. Und es liegt ihnen oft ein Programm zugrunde. In den vier Suiten des Zyklus "Les Nations" beschreibt er vier Regionen des damaligen Europa: Frankreich, Spanien, das Heilige Römische Reich deutscher Nation und Piemont. Der Komponist verbindet also französische, deutsche und italienische Stilmittel, sagt Christophe Rousset.

Rousset erzählt, wie sie die Musik in den unterschiedlichsten Ländern aufgeführt hätten – in Mexiko, in den USA und in Kanada. In allen drei Ländern unterscheide sich das Publikum. "Aber überall hat es wunderbar funktioniert."

Ein Couperin-Experte

Christophe Rousset begann seine Laufbahn als Cembalist und Dirigent in den 1990er Jahren. Couperins Kompositionen gehörten von Anfang an zu seinem Repertoire. Er schätze ihn außerordentlich, erzählt Rousset. "Er hat ja nicht nur wunderbare Orchesterwerke und Kammermusik geschrieben, sondern auch großartige Kirchenmusik."

Die 'Leçons de tenèbre' sind vielleicht die schönste Kirchenkomposition des 18. Jahrhunderts.

Christophe Rousset, Leiter von "Les Talens Lyriques"

Und all diese Erfahrungen mit den Werken Couperins sei in die Produktion dieser Platte eingeflossen.

Ein Franzose durch und durch

Christophe Rousset
Dirigent Christophe Rousset. (2014) Bildrechte: imago/SKATA

Feinsinnig, farbig und perfekt austariert – so musizieren die neun Mitglieder des Ensembles "Les Talens Lyriques", so dass man sich gut vorstellen kann, wie der alternde Sonnenkönig und seine Mätresse, der Madame de Maintenon, austernschlürfend an der Tafel sitzen. Christophe Rousset kreiert eine wahrhaft königliche Lounge-Atmosphäre, was wahrscheinlich nur einem Franzosen so gut gelingen kann.

Rousset liebe den französischen Stil, wie er selbst zugibt. "Den französischen Geschmack, den französischen Esprit." Er selbst sei "französisch durch und durch." Und dass erlebe er jeden Tag, wie er berichtet. Denn seine größte Versuchung seien die Mahlzeiten. "Da wird man ja jeden Tag immer neu auf die Probe gestellt."

Das "Menu" der Doppel-CD besteht aus 36 höchst unterschiedlichen Sonaten und Tanzsätze und es mundet vorzüglich. Das liegt, meint Christophe Rousset mit Augenzwinkern, an der "Grundzutat".

Alles was man für Couperin braucht, ist Liebe!

Christophe Rousset, Leiter von "Les Talens Lyriques"

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Februar 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 04:00 Uhr

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