Surfer in den 60er Jahren
Der Surfsound der Siebziger Jahre vermittelte erstmals dieses spezielle Lebensgefühl aus Sonne, Surfen, Kalifornien - nun gibt es ihn in einer modernisierten Variante. Bildrechte: IMAGO

Young Gun Silver Fox: "AM Waves" So modern kann Retro klingen

Die Musik der Young Gun Silver Fox ist inspiriert vom US-Sound der späten Siebziger. Doch die Musik einfach nur als "Retro" zu bezeichnen, ist schlicht zu einfach. Sie schaffen es, das musikalische Lebensgefühl produktionstechnisch in die aktuelle Zeit herüberzuholen. Nun ist ihr neues Album "AM Waves" erschienen.

von Kerstin Poppendieck, MDR KULTUR-Autorin

Surfer in den 60er Jahren
Der Surfsound der Siebziger Jahre vermittelte erstmals dieses spezielle Lebensgefühl aus Sonne, Surfen, Kalifornien - nun gibt es ihn in einer modernisierten Variante. Bildrechte: IMAGO

Als Young Gun Silver Fox vor anderthalb Jahren ihr Debütalbum veröffentlichten, überschlugen sich Kritiker mit Lob. Als perfekter, zeitloser Southern-California-Pop wurde ihre Musik bezeichnet und Andy Platts alias Young Gun und Shawn Lee alias Silver Fox als zwei der produktivsten und vielseitigsten Pop-Linguisten aktuell.

Sänger Andy Platts der Band «Mamas Gun» auf der Bühne.
Andy Platts Bildrechte: dpa

Diese enorme Begeisterung wie beim Debütalbum wird es diesmal wohl nicht geben, dafür ist das, was Young Gun Silver Fox auf dem Nachfolger "AM Waves" hören lassen nicht überraschend genug oder gravierend anders. Vielmehr ist es eine gelungene Fortsetzung, bei der auch diesmal die musikalische Inspiration nicht zu überhören ist.

Zu seinen Inspirationen bemerkt Shawn Lee: "Die Musik der späten Siebziger in Amerika, das ist unsere Hauptinspiration. Damals war fast jeder Song, der im Radio lief, Hip, geschmeidig und anspruchsvoll. Man denke nur an die Doobies mit Michael McDonald, Steely Dan, Hall & Oates und The Alan Parsons Project. Das war eine ganz besondere Zeit in der Popmusik."

Wie eine musikalische Weinverkostung

Dieses Album hat etwas von einer musikalischen Weinverkostung, bei der man ja auch immer auf der Suche nach Geschmacksnoten und Einflüssen ist. Bei Young Gun Silver Fox hört man mal atmosphärische Rockklänge, die an Fleetwood Mac erinnern oder an ELO, dann Disco Sounds à la Gloria Gaynor und manchmal hört man sogar Michael Jackson durch. Und obwohl alle diese Sounds so bekannt vorkommen, hat man nie das Gefühl, dass da jemand kopiert oder covert.

COver: Young Gun Silver Fox - AM Waves
Young Gun Silver Fox: "AM Waves"
Label: Légère Recordings
Bildrechte: Légère Recordings

Und genau das macht das Besondere an Young Gun Silver Fox aus: Musik, die bei den Meisten positive Erinnerungen wachruft, perfekt in Szene gesetzt mit heutiger Produktionstechnik. Ganz neu diesmal ist die Bläsersektion, die z. B. den Titel "Underdog" zu einem entspannten Soul- und Funk-Song macht, auf den Earth, Wind & Fire zurecht neidisch sein könnten.

Dazu kommen Texte, die von persönlichen Erlebnissen inspiriert sind, manchmal aktuell relevant, manchmal aber auch skurril. Andy Platts beschreibt die Entstehung des Songs "Just A Man" als ein Tribut an alle Frauen: "Die Idee zu diesem Lied kam, als ich darüber nachdachte, welche Last und gleichzeitig welches Privileg es für Frauen ist, schwanger zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. In diesem Lied geht es um die Macht und Bedeutung, die Frauen in dieser Welt haben. - Wir sind einfach nur Männer."

Zehn wundervoll zeitlose Songs zwischen Blue-Eyed-Soul, Funk und Middle-of-the-Road-Rock mit großen Melodien und Harmonien, die die Popmusik Ende der Sieziger ausmachten. Ein Sound, der das Klischee des unbeschwerten kalifornischen Lebensgefühls transportiert, mit Meer, Sonne, Surfbrettern und Cabrios. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass es dieses Leben heute noch irgendwo in Kalifornien gibt. Dieses erstrebenswerte Lebensgefühl hat dafür überlebt - auf dem neuen Album von Young Gun Silver Fox.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 22. Mai 2018 | 08:40 Uhr

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