Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie
Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie von Paul Grabow nach einem Aquarell von Eduard Hildebrandt, 1848. "Ein treues Bild meines Arbeitszimmers, als ich den Kosmos schrieb", sagte Humboldt über das Aquarell. Bildrechte: Lindenau-Museum

250. Geburtstag Alexander von Humboldt – vier Ausstellungen und ein runder Geburtstag

Alexander von Humboldt gilt als einer der bekanntesten Deutschen und letzter Universalgelehrter. Eine Schau beleuchtet anlässlich dessen 250. Geburtstages sein Wirken – und das gleichzeitig in vier Museen: drei in Altenburg und eins in Burg Posterstein. Ulrike Thielmann hat das Herzstück der Gemeinschaftsschau im Altenburger Lindenau-Museum besucht.

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR-Kunstkritikerin

Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie
Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Farblithografie von Paul Grabow nach einem Aquarell von Eduard Hildebrandt, 1848. "Ein treues Bild meines Arbeitszimmers, als ich den Kosmos schrieb", sagte Humboldt über das Aquarell. Bildrechte: Lindenau-Museum

Wo ein Berg Rauch ausstieß, war Alexander von Humboldt nicht weit, so die Legende. Humboldt war glühender Anhänger des "Vulkanismus", einer Geistesbewegung des 19. Jahrhunderts, die unter dem Einfluss der französischen Revolution von der Vulkantätigkeit der Welt u. a. auf politische Entwicklungen schloss. Und so bestieg der Naturforscher alle ihm möglichen Vulkane: den Vesuv, den Teide, den Chimborazo in Ecuador. Und er fertigte davon Zeichnungen an, in perfektem Französisch untertitelt, so dass Zeitgenossen Humboldt, den Preußen, zunächst für einen Franzosen hielten.

So zeigt ein Grafik-Blatt in der neuen Humboldt-Ausstellung des Lindenau-Museums eine vegetationsgeografische Tafel des Chimborazo, in der sich viel über Humboldts Arbeitsweise entdecken lässt. In der heutigen Art der Infografik hatte Humboldt die verschiedenen Namen der Gesteine, die er auf dem Chimborazo fand, einfach mit ins Bild hineingeschrieben. Sabine Hofmann, Kuratorin der Ausstellung "Humboldt hoch vier"  beschreibt dies so: "Hier stellt er nicht einfach nur die Höhe des Chimborazo und die Schneegrenze in ein Diagramm, sondern gleich noch in diesem Schnitt die Gesteinsschichten dar. Humboldt hat ja Montanwissenschaften studiert, es war sein Metier. Er hat einfach die Schichten, die Steine, die Mineralien, die da zu erwarten sind, hereingeschrieben, in den Berg."

Ein Gemälde eines Berges in einem Buch.
Le Chimborazo vu depuis le Plateau de Tapia, kolorierter Kupferstich von Jean-Thomas Thibaut nach einer Skizze von Alexander von Humboldt, vor 1810 Bildrechte: Lindenau-Museum, Foto - Lutz Ebhardt

In Konkurrenz mit Goethe

Ein gewisser Goethe hatte übrigens gerade seine Italienreise hinter sich, aber noch nicht veröffentlicht, da tauchte mit Humboldt Konkurrenz in Sachen Welterkundung auf. 1799 brach Humboldt zu seiner berühmten Amerikanischen Forschungsreise auf und schickte in die Alte Welt Briefe, Reisebeschreibungen, die man dort begierig las und, vom großen Erzähltalent Humboldts getragen, als Offenbarung empfand. In einer Zeit, in der die Deutschen gerade begannen, sich auf Italien und Arkadien zu fixieren, nicht zuletzt durch das Wirken Goethes! Der geriet sich generell mit Humboldt etwas in die Wolle, auch seine Position als erklärter "Neptunist" trug dazu bei.

Inselbewohner und Monumentalstatuen der Osterinsel, Kupferstich von John Godefroy
Inselbewohner und Monumentalstatuen der Osterinsel, Kupferstich von John Godefroy nach einer Zeichnung von Gaspard Duché de Vancy, Tafel 11 in: Atlas du Voyage de La Pérouse, 1785-1788 Bildrechte: Lindenau-Museum, Foto - Lutz Ebhardt

Verschwörungstheorien wurden im Zeitalter der Aufklärung viele geboren, meint der Direktor des Lindenau-Museums, Roland Krischke und erläutert: "Man hat sich damals viel Gedanken gemacht, wie ist die Welt entstanden. Die Kosmogonie war das Thema und da gab es gerade unter den Größen der deutschen Geisteswelt unterschiedliche Meinungen. Goethe gehörte eher zu den Neptunisten, das heißt, man hat den Ursprung im Wasser vermutet, während es eine Bewegung gab, die in den Vulkanausbrüchen, im Feuer, das eigentliche bewegende Element gesehen haben und da gehörte Humboldt dazu – und da haben die beiden sich natürlich darüber freundschaftlich gestritten."

Lindenau – der Kunstmäzen aus Altenburg

In Humboldts exotischen Träumen vom Leben in fernen Welten schwelgte zu jener Zeit in Thüringen auch Altenburgs berühmter Kunstmäzen Bernhard August von Lindenau, dem die Stadt ihr schönes Museum verdankt. Lindenau korrespondierte mit Humboldt, traf ihn persönlich und kaufte fünf der insgesamt 30 Bände der großen Dokumentation von Humboldts Amerika-Reise an. Es sind Erstausgaben und Raritäten, von denen die neue Ausstellung im Lindenau-Museum zehrt.

Der Tod Cooks, Kupferstich
Der Tod Cooks, Kupferstich von Robert Bénard, Tafel 1 in: Troisième voyage de Cook, 1785 Bildrechte: Lindenau-Museum, Foto - Lutz Ebhardt

Viele Werke, die sich mit Südamerika beschäftigen, wurden ausgewählt. Humboldts Expeditionen wurden indessen zur Blaupause für Forschungsreisen, so sammelte der Freiherr von Lindenau auch die Reiseberichte von Humboldts Nachfolgern. Auch hier kann das Lindenau-Museum Kostbares aus seinen Beständen zeigen, originell präsentiert im repräsentativen, historischen Bibliothekssaal in Tischvitrinen. Kuratorin Sabine Hofmann führt aus: "Zum Beispiel die Ausgabe von Käptn Wallis, der erste, der Australien vermessen hat und dessen Publikationen gibt es weltweit nur noch in drei öffentlichen Bibliotheken – und eine davon ist das Lindenau-Museum. Das hier ist von einem Forscher, der Langssdorf hieß und da gibt es zum Beispiel die erste Ansicht von San Francisco, auch das ist wirklich ganz selten." Schließlich zieht ein Raum gar Parallelen zu Humboldts Lehrer Georg Forster, dessen berühmte Zeichnungen aus der Forschungsbibliothek in Gotha leider nur per Bildschirm gezeigt werden.

Vegetationsgeografische Tafel Teneriffas, Kupferstich von L. Coutant nach einer Zeichnung von Pierre Antoine-Marchais, Tafel 2 in: Alexander von Humboldt: Atlas géographique et physique des regions équinoxiales du Nouveau Continent, Paris 1817
Vegetationsgeografische Tafel Teneriffas, Kupferstich von L. Coutant nach einer Zeichnung von Pierre Antoine-Marchais, Tafel 2 in: Alexander von Humboldt: Atlas géographique et physique des regions équinoxiales du Nouveau Continent, Paris 1817 Bildrechte: Lindenau-Museum, Foto - Lutz Ebhardt

So bezeugt die Schau vor allem das immense Aufsehen, das die Weltreisen Humboldts in Altenburg und Thüringen erregten. Wer Humboldts Wirkungen in Thüringen nachspüren will, sollte auch die drei anderen Ausstellungen des Museumsprojektes "Humboldt hoch 4" besuchen.

Die Schau humboldt⁴ Vier Ausstellungen in vier Museen des Altenburger Landes
- Lindenau-Museum Altenburg: Altenburg und die Welt (ab 22. August)
- Museum Burg Posterstein
- Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg
- Residenzschloss Altenburg

bis 1. Januar 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. August 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2019, 04:00 Uhr

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