Klimt-Biograf Alfred Weidinger im Gespräch Warum Gustav Klimt noch immer aktuell ist

Alfred Weidinger kennt Gustav Klimt ausgesprochen gut, er war Chef des Wiener Belvedere, das weltweit die meisten Gemälde des Künstlers beherbergt. Nun hat er gemeinsam mit Mona Horncastle eine Klimt-Biografie verfasst. Darin räumt er auf mit vermeintlichen Klischees und liefert neue Einsichten zu Leben und Werk des österreichischen Jahrhundertkünstlers.

Alfred Weidinger, Leiter des Museums der bildenden Künste (MdbK) Leipzig, hat eine neue Gustav-Klimt-Biografie verfasst und räumt darin auch mit einigen Vorurteilen auf. Er kennt den Künstler ausgesprochen gut, denn viele Jahre war Weidinger Vizedirektor des Wiener Museums Belvedere, das die weltweit größte Sammlung an Klimt-Gemälden beherbergt.

Alfred Weidinger, neuer Direktor am Leipziger Bildermuseum. 24 min
Bildrechte: MDR/Alexandra Fröb

MDR KULTUR - Das Radio Sa 13.10.2018 19:05Uhr 23:58 min

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Alfred Weidinger, neuer Direktor am Leipziger Bildermuseum. 24 min
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Familiäre Geborgenheit

Eines der Vorurteile lautet, dass Klimt es geliebt hätte, in Gesellschaft zu sein. Das Gegenteil war der Fall, und mit zunehmendem Alter zog sich der Künstler immer mehr zurück, so Weidinger bei MDR KULTUR. Selbst Kulturjournalisten seien demnach kaum noch an ihn herangekommen. Viele wollten zwar über den populären Künstler berichten, doch nur wenige erhielten tatsächlich Zugang zu ihm. Wichtiger war Klimt die weibliche Gesellschaft seiner Familie - und natürlich sein Atelier.

Am liebsten war er allein. Oder, wenn man so will, am liebsten war er in der Obhut seiner Mutter oder seiner Schwestern. Da hat er sich am wohlsten gefühlt. Oder eben dann in seinem Atelier, aber auch in seinem Atelier hatte ja - außer die Modelle - niemand Zutritt.

Alfred Weidinger über Gustav Klimt

Viel Geld durch Kunst - für die Kunst

Eine Eigenschaft, die Klimt mit anderen Künstlern der klassischen Wiener Moderne teilte, war die Reisefaulheit. Laut Weidinger hatte schon die Kaiserstadt Wien sich ausgedungen, lieber einzuladen. Und auch Klimt ließ sich das Schaffen der ihn interessierenden Künstler lieber vor Ort präsentieren.

Als Präsident der wirkungsmächtigen Wiener Künstlervereinigung Secession mit zugehöriger Galerie hatte er auch das dafür nötige Renommee, die Künstler aus anderen Teilen der Welt zu sich zu holen, denn hinter der Vereinigung steckte viel Geld. Die Secession war eine großartige Verkaufsmaschine, bemerkt der Klimt-Biograf Weidinger dazu. Und das Geld wurde nachhaltig angelegt, wie im heutigen Belvedere zu sehen ist:

Der ganze Stamm für die Moderne Galerie, so hieß das Belvedere damals, ist mit dem Geld der Secession gekommen. Weil, die haben so viel Geld gehabt, die wussten nicht mehr, was sie mit dem Geld machen sollen. Und dann haben sie einfach Kunst gekauft.

Alfred Weidinger

Dabei war Klimt laut Weidinger nicht einmal ein guter Geschäftsmann. Er gab das Geld aus und wenn jemand Sorgen hatte, erhielt er Unterstützung von dem Künstler. So auch die Kinder aus seinen Affären mit Modellen, denn "wenn er mit diesen Kinder hatte, hat er für diese bis zu einem gewissen Grad gesorgt", bemerkt Weidinger weiter.

Warum Klimt noch immer aktuell ist

Im Gespräch mit MDR KULTUR fand der Klimt-Biograf eine bestechend einfache Antwort auf die Frage, was am Werk des Künstlers noch heute aktuell sei:

Das aktuelle am Werk von Gustav Klimt ist einfach, dass er immer noch existiert. Diesen Kerl kann man einfach nicht umbringen.

Alfred Weidinger

Für Weidinger hängt diese Aktualität damit zusammen, dass Klimt "ganz speziell" sei, weil er "Kunstgewerbe malt". Dies resultiere für ihn aus der Prägung durch seinen Vater, der Graveur war. Dadurch kannte sich der materialaffine Gustav Klimt mit Gold aus und setzte es in seinen Werken ein.

Sein Ziel wäre gewesen: wirkliches Kunstgewerbe. Hochwertigst und mit den besten, teuersten Materialien. Und das konnte er sich nicht leisten, daher hat er das, was er machen wollte, gemalt.

Alfred Weidinger

Die Kunstachse Halle-Wien

In der aktuellen Ausstellung "Gustav Klimt - Der Zauberer aus Wien" des Kunstmuseums Moritzburg Halle kann man sich von der Aktualität des Künstlers überzeugen. Es ist die einzige Ausstellung in Deutschland zum 100. Todestag des Wiener Künstlers.

Klimt-Plakat an der Moritzburg Halle.
Bis 6. Januar im Kunstmuseum Moritzburg Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einen Anteil daran hat auch Alfred Weidinger, der seit 2017 Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig ist. Er erhielt als damaliger Vizedirektor des Belvedere 2014 eine Anfrage zu Klimt-Leihgaben. Und da die Moritzburg den Wienern das von Weidinger überaus geschätzte Gemälde "Bildnis Marie Henneberg" auch für wichtige Klimt-Ausstellungen lieh, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Hallenser Ausstellung ebenfalls mit Leihgaben zu unterstützen.

Die Ausstellung Gustav Klimt - Der Zauberer aus Wien

14. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019

Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Friedemann-Bach-Platz 5
06108 Halle (Saale)

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do-So: 10-18 Uhr
Mi geschlossen (außer am 2. Januar 2019)

Buchempfehlung Mona Horncastle und Alfred Weidinger: "Gustav Klimt - Die Biografie"

320 Seiten, Hardcover, 29,90 Euro
ISBN: 978-3-7106-0192-7
Brandstätter Verlag

Ausstellungstipps

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Diskurs | 13. Oktober 2018 | 19:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2018, 04:00 Uhr

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