Wovon leben Musiker im Alter? Neue Regelung soll Musikern bei Altersvorsorge helfen

Die Künstlersozialkasse (KSK) schätzt, dass es in Deutschland rund 54.000 freischaffende Musikerinnen und Musiker gibt. Wie alle anderen müssen auch sie für das Alter vorsorgen. Viele haben mehrere Standbeine, trotzdem sieht die Rentenprognose oft düster aus. Seit dem 1. Januar 2020 können sich Musikerinnen und Musiker freier Ensembles in der Zusatzversorgung der Berufsmusiker für das Alter absichern. Aber reicht das?

von Felicitas Förster, MDR KULTUR

eine Violine liegt in ihrem offenen Kasten auf einer Transportbox
Orchestermusiker haben eine neue Option bei der Altersvorsorge. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es oft die Vorstellung, dass Musiker ein schönes Leben führen, da sie ja ihrem Hobby nachgehen können. Übersehen wird dabei, dass auch das Musizieren ein Beruf ist, oft mit zehnstündigen Arbeitstagen und Wochenendtätigkeiten. Und für viele Aktive sieht es – gerade im Alter – finanziell düster aus.

Stempel mit der Aufschrift Rente
Wieviel Rente können Musiker erwarten? Häufig sieht es eher mager aus. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Zum Beispiel die 36-jährige Dirigentin Eva Meitner: Sie arbeitet unter anderem als Hochschuldozentin, Ensemblemusikerin und Leiterin des Freien Orchesters Leipzig, ein Symphonieorchester, das nur aus Frauen besteht. Als freischaffende Musikerin ist Eva Meitner über die Künstlersozialkasse versichert (KSK), diese bezahlt die Hälfte ihrer Rentenversicherung. Das ist der Anteil, den bei Angestellten sonst der Arbeitgeber übernimmt.

Ich hatte halt dieses Trugbild, dass ich dachte, man ist in der KSK drin, und dann ist man im Alter abgesichert. Und dann kam mein Rentenbescheid, und ich dachte so: das ist nicht wahr, das gibt's doch gar nicht.

Eva Meitner, freischaffende Musikerin

Auf Eva Meitners Rentenbescheid stand als Prognose rund 370 Euro Rentenanspruch – sollte sie weiter so verdienen wie bisher. Für die Dirigentin bedeutet das, sich auf einen Lebensabend mit Grundsicherung einzustellen. Diese beträgt zurzeit knapp 400 Euro im Monat.

Wenn ich mir vorstelle, ich habe mein Leben lang hart gearbeitet … man kann sich ja dann keinen Kinobesuch leisten! Darauf läuft es ja hinaus. Man spart dann jeden Groschen, damit man einfach etwas essen kann. Das ist irgendwie nicht richtig.

Eva Meitner, freischaffende Musikerin

Neue freiwillige Regelung für Orchestermusiker

Die Deutsche Orchestervereinigung kämpft dafür, dass Musiker von ihrem Einkommen leben können. Ihr jüngster Coup: Die Zusatzversorgung der Berufsorchester, eine staatliche Rentenversicherung, die bislang vor allem angestellte Orchestermusiker aufgenommen hat, wurde für freischaffende Orchestermusiker geöffnet:

Gerlad Mertens, Geschäftsführer der Deuschen Orchestervereinigung – Lachender Mann an Betonsäule in Büro
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung Bildrechte: Maren Strehlau

Und das sieht jetzt wie folgt aus, dass also jeder freischaffende Musiker, der beispielsweise in einem freien Ensemble tätig ist, sich monatlich freiwillig versichern kann. Der Mindestbeitrag beträgt nur 12,50 Euro. Das ist also wirklich auch für den Geringverdiener noch zu stemmen.

Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung

Etwa 10.000 bis 15.000 Musikerinnen und Musiker können sich so nun versichern, schätzt Gerald Mertens. Das klingt nach einer ganzen Menge – ist es aber nicht. Denn in Deutschland gibt es rund 54.000 freischaffende Musiker, zählt zumindest die Künstlersozialkasse. Es sind eben nicht nur die Musizierenden im klassischen Orchesterbereich, es sind beispielsweise auch Jazz- oder Popmusiker oder Kirchenmusiker, wenn sie selbständig sind.

Bis ein Freischaffender wirklich sorgenfrei in den Lebensabend gehen kann, da werden noch einige Jahre vergehen, gewiss.

Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung

Weitere Förderung ist nötig

Eine weitere Hürde ist die Einkommensgrenze. In die Zusatzversorgung kommt nur, wer mehr als 3.900 Euro im Jahr verdient – und zwar allein mit Orchestern. Dabei haben viele Musiker verschiedene Standbeine.

Und auch wenn man es in die Zusatzversorgung schafft, bedeutet das noch lange keinen sicheren Schutz vor Altersarmut. Gerald Mertens fordert darum weitere Schritte: "Die Frage, was einem Kulturland Deutschland am Ende des Tages auch die Arbeitsleistung von Freischaffenden wert sein sollte, beantwortet sich dann auch in der Frage der öffentlichen Förderung von solchen Ensembles. Und auch die Frage des Umsetzens von Mindesthonorarstandards. Und das ist eine Forderung, die auch bundesweit von uns in der Politik erhoben wird."

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Januar 2020 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 04:00 Uhr

Abonnieren