Literaturauszeichnung Amartya Sen bekommt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020

Amartya Sen
Der indische Wirtschaftsphilosoph Amartya Sen Bildrechte: imago/Hindustan Times

Der indische Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2020. Das teilte der Stiftungsrat am Mittwoch in Frankfurt am Main mit.

Die Jury begründete, Sen setze sich seit Jahrzehnten mit Fragen der globalen Gerechtigkeit auseinander. Seine Arbeiten zur Bekämpfung sozialer Ungleichheit in Bezug auf Bildung und Gesundheit seien heute so relevant wie nie zuvor.

In eindringlichen Darstellungen zeige Sen, wie Armut, Hunger und Krankheit mit fehlenden freiheitlichen Strukturen zusammenhängen, hieß es weiter. Mit dem "Human Development Index", dem "Capabilities Approach" und den "Missing Women" hat Sen früh Konzepte vorgelegt, "die bis heute hohe Maßstäbe für die Ermöglichung, Gewährleistung und Bewertung gleicher Chancen und menschenwürdiger Lebensbedingungen setzen", erklärte die Jury und hob Sen als einen der wichtigsten Denker unserer Zeit hervor.

Sen wurde 1933 in Shantiniketan in Westbengalen geboren und lebt heute in Cambridge in den USA, wo er als Professor für Wirtschaftswissenschaften und Philosophie an der Havard University lehrt. 1998 hatte er den Wirtschaftsnobelpreis erhalten.

Höhepunkt der Frankfurter Buchmesse

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Der Preis soll dem Frieden, der Menschlichkeit und der Verständigung der Völker dienen. Er geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben. In den vergangenen Jahren haben der brasilianische Naturschützer Sebastião Salgado (2019), das Wissenschafts-Ehepaar Aleida und Jan Assmann (2018), die kanadische Schriftstellerin Margaret Atwood (2017), und die deutsche Publizistin Carolin Emcke (2016) die Auszeichnung erhalten. Der Friedenspreises wird traditionell zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche verliehen und soll in diesem Jahr am 18. Oktober überreicht werden.

Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre
2019 Sebastião Salgado (brasilianischer Fotograf und Naturschützer)  
2018 Aleida und Jan Assmann (deutsches Kulturwissenschafts-Ehepaar)  
2017 Margaret Atwood (kanadische Schriftstellerin)  
2016 Carolin Emcke (deutsche Publizistin)  
2015 Navid Kermani (deutscher Schriftsteller und Orientalist)  
2014 Jaron Lanier (US-Digitalpionier und Schriftsteller)  
2013 Swetlana Alexijewitsch (weißrussische Schriftstellerin)  
2012 Liao Yiwu (chinesischer Schriftsteller)  
2011 Boualem Sansal (algerischer Schriftsteller)  
2010 David Grossman (israelischer Schriftsteller)  

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Juni 2020 | 10:30 Uhr