Der israelische Schriftsteller Amos Oz.
Der israelische Schriftsteller Amos Oz Bildrechte: dpa

Trauer Schriftsteller Amos Oz gestorben

Der israelische Schriftsteller Amos Oz.
Der israelische Schriftsteller Amos Oz Bildrechte: dpa

Der israelische Schriftsteller und Journalist Amos Oz ist tot. Wie seine Tochter Fania Oz-Salzberger am Freitag auf Twitter mitteilte, starb er an einem Krebsleiden. Er wurde 79 Jahre alt. Oz veröffentlichte zahlreiche Erzählungen und Romane, Essays und Kinderbücher. Zu seinen Werken zählen "Ein anderer Ort", "Allein das Meer", "Verse auf Leben und Tod" und "Judas".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte nach Angaben des Bundespräsidialamts der Witwe Nily Oz mit den Worten "Er lehnte das Entweder-Oder, Sieg oder Untergang ab und drang auf den Dialog zwischen Feinden." Auch bemerkte Steinmeier, dass er mit Oz' Tod einen Freund verliere.
Das Internationale Auschwitz Komitee würdigte Oz durch seinen Exekutiv Vizepräsident Christoph Heubner mit den Worten "Gerade in der lauten und hasserfüllten Welt dieser Tage wird uns die kluge, differenzierende und beharrliche Stimme von Amos Oz bitter fehlen."

Die israelische Botschaft in Deutschland bezeichnete Oz auf Twitter als "einen der größten Schriftsteller Israels und bekanntesten Stimmen des Landes." Der deutsch-israelische Autor und Psychologe Ahmad Mansour lobte Oz als "ein Vorbild und eine Stimme der Vernunft".

Er hat uns immer wieder mit seinen klugen, mahnenden Worten zum Nachdenken gebracht und uns daran erinnert, dass der Frieden nur kommt, wenn wir dafür kämpfen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD)

Schriftsteller und Friedensaktivist

Für sein Wirken wurde Oz mehrfach ausgezeichnet, so 1992 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 1997 mit dem Ritterkreuz der französischen Ehrenlegion sowie 2005 mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main. Außerdem hatte er verschiedene Ehrendoktorate inne und war Ehrenmitglied am St. Anne's College Oxford.

Oz wuchs in einer rechts-zionistischen Gelehrtenfamilie auf, die 1917 von Odessa nach Wilna geflüchtet war und von dort 1933 nach Jerusalem auswanderte. Dort wurde er als Amos Klausner am 4. Mai 1939 geboren. In Jersusalem studierte er Literatur und Philosophie an der Hebräischen Universität.

Schriftsteller Amos Oz
Amos Oz gehört zu den bekanntesten israelischen Schriftstellern Bildrechte: IMAGO

Als Zwölfjähriger erlebte er den Selbstmord seiner Mutter mit, ein Ereignis, das sein Leben prägte und das er in dem autobiografischen Roman "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" beschrieb. 1954 kehrte er seiner Geburtsstadt Jerusalem den Rücken und ging in einen Kibbuz. Dort nahm er den Namen Oz an, der im Hebräischen "Kraft" bedeutet. Das Leben und die Arbeit in der Siedlung ließen ihn zum Schriftsteller reifen, aber auch der Wehrdienst und seine Kampfeinsätze, während des Sechs-Tage-Krieges und des Jom-Kippur-Krieges, prägten ihn maßgeblich. Nach dem Sechs-Tage-Krieg setze sich Oz für die israelischen Friedensbewegung ein, befürwortete im israelisch-palästinensischen Konflikt eine Zwei-Staaten-Lösung.

Die Palästinenser werden nirgendwohin gehen, und auch die Israelis bleiben hier.

Amos Oz

Oz war Mitbegründer und herausragender Vertreter der seit 1977 bestehenden Friedensbewegung "Schalom achschaw" ("Peace now"). Von 1987 bis 2005 war er Professor für hebräische Literatur an der israelischen Ben-Gurion-Universität. 1993 erhielt er dort den Agnon-Lehrstuhl für moderne hebräische Literatur.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Dezember 2018 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2018, 15:48 Uhr