Andrea Camilleri
Andrea Camilleri Bildrechte: imago images / Independent Photo Agency Int.

Literatur Bestseller-Autor Andrea Camilleri ist tot

Andrea Camilleri
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Der italienische Bestseller-Autor Andrea Camilleri ist tot. Wie die römische Gesundheitsbehörde mitteilte, ist der 93-Jährige am Mittwoch in einem Krankenhaus gestorben. Bekannt wurde er vor allem für die Krimis um den kauzigen Kommissar Salvo Montalbano; der Erfolg war mit dem ersten Band "Die Form des Wassers" 1995 fast über Nacht gekommen. Vor wenigen Tagen war Camilleri in kritischem Zustand ins Krankenhaus gekommen, Grund war ein Kreislauf- und Atemstillstand.

Kritische Stimme Italiens

"Er hat sich einen Ideenschmuggler genannt. Er wollte durch die Krimis seine politischen, moralischen Überzeugungen verbreiten", sagt die Literaturkritikerin Maike Albath. In seinen Geschichten thematisierte der Sizilianer immer wieder heikle Themen wie das organisierte Verbrechen und Korruption. "Er hat in seinen Krimis immer Stellung genommen zu großen politischen Fragen. Er hat sehr früh über die Früchtlingsproblematik geschrieben oder den G8-Gipfel in Genua", so Albath. Insgesamt schrieb er mehr als 100 Bücher, darunter neben den Krimis auch historische Romane.

Aber Camilleri sei nicht nur eine große Erzählerstimme gewesen, sondern auch eine wichtige Stimme der italienischen Öffentlichkeit. Er habe dafür gestanden, wie Demokratie gepflegt werden muss, so die Literaturkritikerin. "Er war jetzt zuletzt auch eine ganz entscheidende moralische Institution für Italien. Dass er jetzt gestorben ist, ist ein unendlicher Verlust." Erst kürzlich hatte Camilleri etwa den italienischen Innenminister Matteo Salvini kritisiert: Diesen mit einem Rosenkranz in der Hand zu sehen, rufe Brechreiz in ihm hervor, hatte er gesagt.

Durchbruch erst im Alter

Seinen Durchbruch hatte Camilleri erst im Alter von fast 70 Jahren mit seinen "Montalbano"-Krimis. Sie machten ihn zu einem der beliebtesten Schriftstellern Italiens und verschafften Camilleri internationale Bekanntheit. Die Bücher wurden in dutzende Sprachen übersetzt und mehr als 30 Millionen Mal verkauft. Das ZDF strahlte einige Verfilmungen der Krimis aus. Das Ende der Romanserie hat Camilleri vor seinem Tod noch vorbereitet – seine letzten drei Romane musste er jedoch diktieren, da er erblindet war. Wie er vor einigen Tagen ankündigte, wird sein Verlag das Manuskript des letzten "Montalbano"-Krimis nach seinem Tod veröffentlichen. Sein Romanheld werde darin nicht einfach sterben – so viel hatte er schon verraten: "Er wird gehen, verschwinden, aber ohne zu sterben."

Camilleri-Lesetipps von Literaturkritikerin Maike Albath: – Montalbano-Krimis (Reihenfolge egal; möglichst auf Italienisch lesen)
– "Die Revolution des Mondes" (historischer Roman über eine spanische Vizekönigin)
– "Der unschickliche Antrag" (über den Versuch in Sizilien ein Telefon zu bekommen)

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 17. Juli 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 13:28 Uhr

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