Dresden Angela Davis – Bürgerrechtsikone wird zum Ausstellungsobjekt

Vor 50 Jahren gab es eine internationale Solidaritätsaktion für die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Angela Davis. Auch die DDR beteiligte sich daran, manche werden sich an beispielsweise Postkartenaktionen für die Frau mit der auffälligen Afrohaarpracht erinnern. Die Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler u.a. von Basquiat geht der Frage nach Engagement und Hoffnung aus vielen Perspektiven nach.

Menschen vor Monitoren und Bücherregal
Blick in die Ausstellung in der Kunsthalle Lipsiusbau Bildrechte: Laura Fiorio/SKD

Die Ausstellung "Eine Million Rosen für Angela Davis" ist in der Kunsthalle Lipsiusbau auf der Brühlschen Terrasse Dresden zu sehen. Erzählt wird die Geschichte der afroamerikanischen Bürgerrechtlerin, für die sich vor 50 Jahren eine internationale Solidaritätsaktion einsetzte.

Engagement und Propaganda

Empfangen wird der Ausstellungsbesucher von einer stilisierten Offsetdruckmaschine, in der historisches Filmmaterial läuft: Die Propagandamaschine der DDR. An der Rückwand führt ein Zeitstrahl durch das Leben der berühmten Afroamerikanerin, an die sich wohl jeder Ostdeutsche über Fünfzig erinnern könne, meint Marion Ackermann, die Generaldirektorin der ausstellenden Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD).

Viele haben als Kinder oder junge Erwachsene daran teilgenommen. Es ist eine Geschichte von hier, die aber bis heute einen großen Bogen spannt. Und ganz bedeutend ist, das gerade jetzt, in diesem Jahr zu erzählen, wo wir ja die Black Lives Matter Bewegung haben. Wir zunehmend mit neuen Formen von Rassismus konfrontiert sind.

Marion Ackermann, SKD-Generaldirektorin

"Liebe Angela! Alles Gute zum Geburtstag und deine baldige Freilassung" heißt es auf einer Rosenkarte. "Dear Angela! You aren’t alone" auf einer anderen. Und als Davis dann in Berlin eintraf, wurde sie mit Jubel empfangen.

Briefe
Postkarten für Angela Davis Bildrechte: Laura Fiorio/SKD

US-Ikone in der DDR

Eine Million Rosen für Angela Davis - Ausstellung in Dresden
Angela-Davis-Gemälde von Willi Sitte Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Die Schau "Eine Million Rosen für Angela David" zeigt, wie Künstler vor 50 Jahren an der Ikonsierung der jungen Frau mit der Afrofrisur beigetragen haben. So malte Willi Sitte 1971 das Bild "Angela Davis und ihre Richter. Das Bild vom anderen Amerika". Ackermann beschreibt es: "Da sieht man im unteren Bereich das Bild des Amerika, das mit dem Faschismus in Verbindung gebracht wurde. Und auf der anderen Seite, über allem schwebend, die Ikone von Angela Davis. Für das gute, das andere Amerika."

Im Foyer des Lipsiusbaus liegt ein Stapel Plakate, die Angela Davis in der Berliner Humboldtuni zeigen. Ahmet Ögüt setze sich mit der aktuellen Debatte auseinander, warum in der Humboldt-Universität nur Männer in den Gängen hängen, "… die geehrt werden mit ihren Konterfeis, und Angela Davis hat aber ihre Promotion auch an der Uni erfahren, in Philosophie. Und hat eine Plakataktion geschaffen, dass Besucher sie mitnehmen können und in Berlin einschleusen."

Davis' Verbindungen zu Deutschland

Davis spricht deutsch, hatte sie doch von 1965 bis 1967 in Frankfurt am Main studiert, am Institut für Sozialforschung von Horkheimer und Adorno. Bei den Weltfestspielen 1973 in Ostberlin sagte sie vor Tausenden jungen Leuten: "Wenn ich bei euch bin, fühle ich mich so, als wenn ich zu Hause wäre."

Die Berliner Künstlerin Elske Rosenfeld, Jahrgang 1974, hat für ihre Collage ein Bild verarbeitet, das zeigt, wie sich Davis und Erika Havemann spontan umarmen, die Schwiegertochter von Robert Havemann. Dissidenten wie sie hätten ja nicht auf die Abschaffung des Sozialismus hingearbeitet, sondern auch auf seine Reformierung, so Rosenfeld.

Menschen vor Bilder an einer Wand
Künstler wie Basquiat ließen sich von Angela Davos inspirieren Bildrechte: Laura Fiorio/SKD

Gabriele Stötzer hingegen verarbeitet in einer Video-Performance ihre eigene Inhaftierung und schlägt von ihrer Zelle aus den Bogen zur Befreiung der amerikanischen Freiheitsikone. Davis hat sich nie für politische Gefangene in der DDR eingesetzt.

Sie wurde natürlich benutzt. Hat aber selbst zu nutzen gewusst, möchte ich mal sagen. Es ist wichtig, das geschichtlich ins Verhältnis zusetzen, aber auch in ein Verhältnis der schwarzen Geschichte, des schwarzen Widerstandes in den USA.

Kathleen Reinhardt, Kuratorin

Und so ist dieses Ausstellungsexperiment mit historisch/ zeitgenössischen Dokumenten und Kunstwerken eben auch Anlass, sich mit Kolonialgeschichte und Alltags-Rassismus auseinanderzusetzten. Anknüpfend als die Black-Lives-Matter-Bewegung gibt es während der Ausstellung Workshops gegen Rassismus. Schüler, die daran teilnehmen, hören wahrscheinlich zum ersten Mal von Davis, die noch heute als Professorin in den USA lehrt.

Wer ist Angela Davis?

Angela Davis
Angela Davis Bildrechte: dpa

Die amerikanische Philosophie-Professorin, wurde vor 50 Jahren weltweit bewundert und unterstützt. "Eine Heldin des anderen Amerika", wie es damals hieß, eine Ikone der Revolution. Der Black-Power-Bewegung nahe stehend, setzte sie sich gegen Gewalt und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA ein, auch gegen den Vietnamkrieg. Unter Terrorismusverdacht geraten, wurde sie inhaftiert, ihr drohte wegen eines angeblichen Mordes die Todesstrafe. Nachdem sie – auch mit Hilfe einer internationalen Postkarten-Kampagne – freikam, besuchte sie im September 1972 die DDR.

Die Ausstellung 1 Million Rosen für Angela Davis
Kunsthalle im Lipsiusbau Dresden

10. Oktober 2020 bis 24. Januar 2021

Öffnungszeiten
täglich 11-17 Uhr, Montag geschlossen

Kultur in Dresden

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Oktober 2020 | 07:45 Uhr