Sängerin Annett Louisan
Bildrechte: MDR/Marie Isabel Mora

Neues Doppelalbum Annett Louisan besingt die Liebe im Großen und im Kleinen

Fünf Jahre ist es her, dass Annett Louisan ein Studioalbum veröffentlich hat. Inzwischen ist sie Mutter geworden und 40 Jahre alt - "Meilensteine", wie sie sagt. Auf ihrem neuen Doppelalbum lotet die Sängerin nun alle Formen von Liebe aus, im Kleinen wie im Großen. Aber es geht auch um Themen wie Alltagsrassismus, Egoismus, Engstirnigkeit und Intoleranz in der Familie. Musikalisch dominiert die Louisan-typische frankophile, dem Chanson verpflichtete musikalische Erzählweise, jedoch hat "Kleine Große Liebe" auch Pop und Groove zu bieten: eine Liebeserklärung der Sängerin an ihre Kindheit in den 80er-Jahren.

Jan Kubon, Musikredakteur bei MDR KULTUR.
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von Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur

Sängerin Annett Louisan
Bildrechte: MDR/Marie Isabel Mora

Natürlich ist da noch ganz viel da von mir. Aber es ist doch ganz viel passiert in den letzten Jahren. Vor fünf Jahren habe ich das letzte Studioalbum veröffentlicht, dann bin ich Mutter geworden und vierzig. Also, das sind schon ein paar Meilensteine.

Annett Louisan

Annett Louisan guckt sich auf dem neuen Album "Kleine Große Liebe" diese, wie sie es nennt, Meilensteine sehr genau an. Dreht jeden mehrfach um, um zu ergründen was sich dahinter verbergen könnte oder welche Abdrücke sie hinterlassen haben in ihrem Leben. Das tut sie mit großer Genauigkeit. Für dieses Album nimmt sie sich bewusst Zeit und dafür auch sich selbst raus aus dem Trubel - dem ewigen Kreis zwischen Livetourneen und Veröffentlichungszyklen.

Irgendwann muss man auch mal stehen bleiben, um zu schauen wo man steht, und wo man vielleicht noch hingehen will. Das war ein wichtiger Zeitpunkt. Ich hatte so ein großes Bedürfnis nach Veränderung und auch nach Popmusik. Und es ist ja auch ganz wichtig, dass man nicht nur die Erwartungen der anderen erfüllt.

Annett Louisan

Schöne Gefühle und unangenehme Wahrheiten

Und das ist es, worum das Album thematisch kreist: Echtheit, Wahrhaftigkeit im Großen und eben auch im Alltäglichen. Und das sind dann eben nicht nur die schönen Gefühle wie in in dem Song "Zweites erstes Mal", eine gesungene Liebeserklärung der Mutter an die vielen kleine ersten Schritte ihrer Tochter. Das sind dann auch die unangenehmen Wahrheiten wie Alltagsrassismus, Egoismus, Engstirnigkeit und Intoleranz in der Familie - ganz wunderbar bitterböse auf den Punkt gebracht im Song "Wir sind verwandt".

Das Album ist auch von der Form her Neuland für Louisan. Ein Doppelalbum ist es geworden. "Als ich letzten Sommer angefangen habe, Titel für das Album rauszusuchen, ist mir aufgefallen, dass mir das nicht so richtig gelingt", erzählt Louisan: "Erstens wollte ich kein Lied rausstreichen, und zweitens sind die musikalisch alle ganz unterschiedlich. Ich hätte die umbiegen müssen, und das wollte ich nicht."

Das Doppelalbum ist keine leichte Alltagskost

Eine Platte des Doppelalbums heißt "Kleine Liebe" und wagt den nahen Umfeldblick auf das Thema Liebe. Die zweite Platte mit dem Untertitel "Große Liebe" geht aus dem persönlichen Umfeld heraus. Beide Alben bilden eine Einheit, die in ihrer inhaltlichen Geschlossenheit alles andere als leichte Alltagskost ist. Da muss man in einer Zeit - in der sogenannter Wohlfühlpop á la Wincent Weis, Johannes Oerding oder Philipp Poisel die Begriffe Poesie und Pop ganz weit auseinander driften lässt - schon applaudieren und erleichtert aufatmen. Es gibt Hoffnung. Danke!

Chanson und grooviger Pop - gewohnte und neue Sounds

Musikalisch hat sich Annett Lousian für ihr neues Album trotz neuem Produzententeam, neuem Studio und neuen Partnern nicht unbedingt neu erfunden. Immer noch dominant ist die frankophile, dem Chanson verpflichtete musikalische Erzählweise. Aber sie hat sich auch anderen Sounds geöffnet wie im Titel "Ich tu nur weh, wenn ich liebe", da zirpen lustige Synthesizer und blubbern die Grooves. Die Musikerin sieht das so:

Die poppige Seite der Annett Louisan ist auch eine Hommage an die 80er-Jahre an meine Kindheit.

Annett Louisan

"Kleine Große Liebe" ist wie eine musikalische Kleinstadt. Wie eine gute Kurzgeschichtensammlung, bevölkert mit den schrillsten Typen, die unter den Wirrrungen der Zeit genauso leiden wie an ihren gebrochenen Herzen, den verrauchten Träumen und den klebrigen Enttäuschungen. Menschen, die aber auch genauso das Leben feiern und lieben können.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 01. April 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 04:00 Uhr