Arno Rink
Arno Rink (26. September 1940, Schlotheim/Thüringen - 5. September 2017 Leipzig). Bildrechte: dpa

Biografie Arno Rink – Wegbereiter der Leipziger Schule

Arno Rink gehört zu den bedeutendsten Malern der DDR. In seinen Bildern beschäftigte er sich mit Mythologie, Erotik und seinen inneren Kämpfen. In seiner Rolle als Professor und Rektor an der berühmten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig wurde er zum Wegbereiter der Neuen Leipziger Schule und verhalf ihr zu internationalem Erfolg.

von Nicola Graef, MDR KULTUR

Arno Rink
Arno Rink (26. September 1940, Schlotheim/Thüringen - 5. September 2017 Leipzig). Bildrechte: dpa

Arno Rink galt als einer der wichtigsten Künstler figürlicher Malerei der DDR. Als Wegbereiter der Neuen Leipziger Schule, strenger Professor, engagierter Rektor. Ein wechselhaftes Leben.

Was lösen seine Bilder aus? Ich bin der Meinung, sie lösen Emotionen aus, weil sie auch Emotionen ansprechen. Sie sind nie glatt, sie sind nie nur schön. Es ist immer etwas drin, wo man darüber nachdenken möchte [...] Ich glaube, dass er Bilder gemalt hat, die unter die Haut gehen.

Christine Rink, Witwe

Oskar Rink (l-r), Tochter des Malers Arno Rink, seine Witwe Christine und der Maler Neo Rauch gehen während Beisetzung Rinks am 04.10.2017 über den Südfriedhof in Leipzig (Sachsen).
Marie-Thérèse Rink (l-r), Tochter des Malers Arno Rink, seine Witwe Christine und der Maler Neo Rauch gehen während Beisetzung Rinks am 4. Oktober 2017 über den Südfriedhof in Leipzig. Bildrechte: dpa

Im Oktober 2017 wird Arno Rink auf dem Leipziger Südfriedhof begraben. Nach langer Krankheit hat er mit knapp 77 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren. Es ist ein langer Zug der Abschiednehmenden, darunter seine Witwe Christine, die beiden Kinder Marie-Thérèse und Daniel, sowie sein ehemaliger Schüler Neo Rauch. Vielen ist er ein wichtiger Begleiter gewesen. Ein starker und vor allem ein nachdenklicher Mensch. Arno Rink hat sein Leben lang gerungen mit der Kunst, mit sich selbst, mit dem Leben und dem Sterben.

In seinem Haus im Süden Leipzigs arbeitete Rink knapp 40 Jahre. Hier lebte er mit seiner Frau, den Kindern und den Hunden. Jeder Raum ist ein Spiegel seines Schaffens. Überall hängen seine Bilder. Ein Archiv von Erinnerungen an ein Malerleben. Es ist ein Haus, das viel erzählt. Über die Liebe zur Malerei, wie Bilder ein Leben begleiten und sich mit dem Leben verändern.

Rinks Tochter Marie-Thérèse Rink
Rinks Tochter Marie-Thérèse Rink Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Papa hat früher immer gesagt, die Arbeit im Atelier ist zu 80 Prozent Schauen und die Bilder angucken und dann harte Arbeit. Er hat Frühstück gegessen und dann ist er ins Atelier, dann gab's Mittag und dann ist er ins Atelier. […] Er hat viel gearbeitet, aber er brauchte das auch, das war lebenserhaltend.

Marie-Thérèse Rink, Tochter

In Rinks Haus hängen überall seine Bilder.
Überall in Rinks Haus hängen Bilder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Arno Rink gehört zum Kreis der Maler der sogenannten ersten Leipziger Schule, einer Gruppe von Künstlern, die in den 60er-Jahren in der DDR zu malen begann - konsequent figürlich: Werner Tübke, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, später dann der etwas jüngere Arno Rink. Sie machten die figurative Malerei der DDR auch über die Mauer hinweg bekannt und bereiteten die Zukunft für die nachfolgende Generation. Arno Rink gilt als der Vater der Neuen Leipziger Schule. Ein Mann, der sich auf seinem künstlerischen Weg nie beirren ließ, trotz vieler innerer und äußerer Widrigkeiten.

Rink entdeckt sein Talent

Arno Rink wird 1940 in der Kleinstadt Schlotheim in Thüringen geboren. Dort wächst er mit seinen Geschwistern auf. Kunst spielt zu Hause keine Rolle. Der Vater ist Seemann, die Mutter Hausfrau. Seine Eltern sind überzeugte Kommunisten. Auch Arno Rink tritt als 17-Jähriger in die Staatspartei SED ein.

Arno Rink (links), seine Mutter und seine Geschwister
Arno Rink (links) mit seiner Mutter und seinen Geschwistern. Bildrechte: Günter Rink

Bereits in der Oberschule entdeckt der junge Rink sein Talent fürs Zeichnen. Er möchte Maler werden. Doch so einfach ist das in der DDR nicht. Nicht jeder darf studieren. Zunächst macht er ein künstlerisches Abitur an der Arbeiter- und Bauernfakultät in Dresden, an der Arbeiterkinder gefördert werden. Danach möchte er unbedingt an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, die auch heute noch zu den renommiertesten Kunsthochschulen in Deutschland zählt. Doch zunächst wird er abgelehnt. Schließlich hat er Glück und ergattert den frei gewordenen Platz einer schwangeren Studentin. Er beginnt sein Studium 1962.

Rink und der sozialistische Realismus

Kunst in der DDR hatte einen festen Auftrag. Sie sollte dem System dienen, das Arbeiterleben im Sozialismus positiv darstellen. Arno Rink fühlt sich in den ersten Jahren dem sozialistischen Realismus verpflichtet. Er malt Motive aus der Lebens- und Arbeitswelt. Doch schon damals lotet er als Künstler die Grenzen aus. Unterwirft sich nicht völlig der Staatsdoktrin, sondern arbeitet an deren Rändern.

Der eine reagiert auf die Blumen und der andere reagiert auf das Drama und er ist auf jeden Fall keiner, der auf Blumen reagiert.

Bernhard Heisig, Lehrer Rinks und ehemaliger Rektor der HGB Leipzig

Der Einfluss der Moderne ist in der DDR sehr präsent und packt auch den jungen Rink. Seine frühen Bilder ähneln unübersehbar seinem Vorbild Max Beckmann. Als Arno Rink 1968 sein Diplom macht, ist er noch verpflichtet, eine Arbeit abzuliefern, auf dem eine Gruppensituation abgebildet sein muss und eine Szenerie, die dem Sozialismus huldigt. Das "Lied vom Oktober" handelt von der russischen Revolution. Es ist jedoch alles andere als eindeutig lesbar. "Sein Diplombild, das 'Lied vom Oktober' ist ja ein großartiges Konglomerat von Versatzstücken des politischen Diskurses und darum ging es: Einfach ein Stück Malerei geschehen zu lassen auf dem Schmierfilm der ideologischen Indoktrination", so Neo Rauch.

Arno Rink emanzipiert sich zunehmend von der Doktrin des sozialistischen Realismus. Kunstbücher über den Surrealismus und Dalí inspirieren ihn, und die weltpolitische Lage gewinnt mehr Raum. "Canto Libre", eines seiner Hauptwerke, reflektiert den Kampf gegen den Putsch in Chile: "'Canto Libre' ist ein Titel einer Schallplatte von Victor Jara von 1970. Victor Jara war ein chilenischer Liedermacher und Filmregisseur, der 1973 nach dem Putsch von Pinochet ermordet wurde. Die Ermordung löste weltweit große Bestürzung aus auch bei Künstlern der DDR", erinnert sich Galerist Karl Schwind. In seinem Werk "Terror II" wird Rink noch deutlicher. Schnörkellos malt er die Brutalität der Pinochet-Diktatur in Chile. Freiheit ist ein zentrales Thema, das Rink als Bürger eines totalitären Systems massiv beschäftigt.

Arno Rink und die Frauen

Anfang der 60er-Jahre lernt Arno Rink in Leipzig Christine Mengering kennen. 1967 heiraten die beiden. Das Paar bekommt zwei Kinder: Sohn Daniel und Tochter Marie-Thérèse. Zur Tochter entwickelt Arno Rink ein besonders inniges Verhältnis. Bereits als kleines Mädchen verbringt sie viele Stunden im Atelier ihres Vaters. Unter dem Namen Oskar Rink arbeitet sie heute selbst als Künstlerin.

Arno Rink mit seiner Tochter Marie-Thérèse Rink alias Oskar Rink
Arno Rink mit seiner Tochter Marie-Thérèse Rink alias Oskar Rink (Künstlername). Bildrechte: dpa

Seine Frau Christine Rink ist eine selbstbewusste und mondäne Persönlichkeit. Zunächst arbeitet sie als Antiquitätenhändlerin. Später leitet sie die Galerie der Hochschule. Sie darf nach mehreren Anläufen in den Westen reisen. Allerdings immer nur ohne Familie. Dort knüpft sie Kontakte zu Museen und Galeristen. Engagiert und couragiert bringt sie aktuelle Positionen der westlichen Kunstszene nach Leipzig. Die amerikanische Popart, Beuys. Nicht immer einfach für den Ehemann, der sich aufs Figürliche konzentriert. In der wechselvollen Beziehung zwischen Mann und Frau hat Arno Rink sein Lebensthema gefunden.

Rosa Loy, Künstlerin und Weggefährtin Rinks
Rosa Loy, Künstlerin und Weggefährtin Rinks Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er ist ein Meister darin, die Frau zu erfassen. Egal, ob sie jetzt schön, oder nicht so schön, dick oder dünn ist, sie hat immer die erotische Seite einer Frau aufgezeigt.

Rosa Loy, Künstlerin und ehemalige Schülerin

"Die Versuchung", das ist ein Titel, der immer wiederkehrt und ein Thema, das sein Gesamtwerk dominiert. Immer wieder der weibliche Körper. In allen Facetten. Die Obsession des Künstlers ist sein Hauptmotiv.

Er liebte Schönheit in jeder Form, in wirklich jeder Form. Der nackte Körper war für ihn schon ein Faszinosum.

Christine Rink, Witwe

Doch Rink hadert mit der Erotik, zeigt sich zutiefst verletzlich."Wunschlos unglücklich" beschreibt er sich in seinem Tagebuch. Das Gefühlsleben des Malers ist ein wechselhaftes. Selbstzweifel und Ängste sind prägende Erfahrungen. Seine inneren Kämpfe höhlen ihn bisweilen aus. Immer wieder leidet er unter Depressionen und zieht sich zurück.

Die Figur des Ikarus taucht im Werk Rinks immer wieder auf. Der Waghalsige, der fliegen will, der ewig nach Freiheit Strebende, der sich am Ende die Flügel verbrennt und abstürzt. Die griechische Mythologie ist für viele Maler der DDR eine wichtige Vorlage. Sie dienen den Künstlern in der DDR als politisch unverfängliche Symbole. Es geht um Freiheit, das menschliche Scheitern. "Man konnte dagegen schwer was sagen, weil es ein antiker Stoff war, man konnte ihn bearbeiten und man konnte ihn so oder so lesen", ordnet Galerist Judy Lybke ein.

Rink wird Rektor der HGB Leipzig

Darüber, die DDR zu verlassen, hat Rink oft nachgedacht. Doch Arno Rink bleibt und macht an der Hochschule Karriere. Er wird Professor und ab 1987 Rektor der HGB Leipzig. "Wir konnten da alle arbeiten, wie wir wollten, ohne uns politisch verbiegen zu müssen", erinnert sich Künstlerin Rosa Loy. Neo Rauch sollte wenige Jahre später sein erfolgreichster Schüler und für einige Zeit sein Nachfolger als Professor werden. Die beiden Maler sind sich bis zum Tod Arno Rinks sehr nah. Die unbeirrbare Hingabe ans Bild und eine große selbstzweiflerische Sensitivität verbindet sie.

Neo Rauch, Künstler und Freund Rinks
Neo Rauch, Künstler und Freund Rinks Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wobei sein Inneres wahrscheinlich eine Art Vorhölle gewesen sein muss, denn ich habe nie jemanden erlebt, der so zerrissen und selbstzweiflerisch war wie Arno Rink. Nur konnte er das […] nach außen […] ganz gut kaschieren.

Neo Rauch, Kümnstler und ehemaliger Schüler Rinks

Arno Rink schont sich nicht. Die inneren Zerwürfnisse schwächen ihn und geben ihm zugleich die künstlerische Kraft zu malen. Der Windhund, der Porsche, die Waffensammlung. Rink hat viele Rüstungen. Doch schützen können sie ihn am Ende nicht. Die Selbstbildnisse sind Zeugen seiner Seelenzustände. Schmerzhaft direkt, das Gesicht von groben Strichen verwüstet.

Ich misstraue den strahlenden Helden, die unbeirrt durch unsere Welt gehen, ohne jede Anfechtung, ohne jeden Zweifel.

Arno Rink

Die Wende und Rinks innerer Kampf

Das Atelier ist Zufluchtsort und Rettungsanker. Aber auch eine Trutzburg gegen die sich dramatisch verändernde politische Lage im Land. Arno Rink ist zutiefst verunsichert von der politischen Entwicklung in der DDR. "Die Nacht" entsteht in der Zeit des Umbruchs. "Diese Angst, die hat er wirklich auf seiner bloßen Haut gespürt. Das war auch der Grund, warum er sich so dargestellt hat: Nackt ohne Schutz, den Billen der Menschheit, den zeitpolitischen Ereignissen vollkommen ausgesetzt", sagt Alfred Weidinger, Direktor des Museums der Bildenden Künste Leipzig.

Die Weltlage ändert sich: Die Menschen gehen auf die Straße und kämpfen für Freiheit. Rink selbst demonstriert nicht, steht aber öffentlich auf der Seite der Demonstranten. 1989 dann der Mauerfall. Das System der DDR findet auch symbolisch sein endgültiges Ende. Bei aller Euphorie kommt auch eine große Unsicherheit auf. Die Mauer muss weg, aber was kommt dann?

Arno Rink, fotografiert von seiner Frau Christine Rink
Arno Rink, fotografiert von seiner Frau Christine Rink Bildrechte: Christine Rink

Die Künstler der Leipziger Schule sehen sich mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Die Zukunft der Professoren der ehemaligen DDR steht auf dem Prüfstand. Kommissionen ziehen durchs Land und entscheiden, wer im Osten an einer Hochschule seinen Job behalten darf. Es folgen politische Anfeindungen aus dem Westen.

Das weiß ich, dass es ihm sehr weh getan hat, diese Zeit, in der er nach der Wende auch einfach mal in diese Propaganda-Schublade gesteckt wurde.

Marie-Thérèse Rink, Tochter

Eine neue Zeitrechnung beginnt: Rinks Schüler werden zu Superstars

Rink malt das brennende Atelier, lodernde Flammen. Er befindet sich in der schwersten Krise seines Lebens. Die Realität ist bitter: Von den Künstlern der DDR hält sich der Westen fern. Man will sich politisch "nicht die Finger schmutzig machen". Figürliche Malerei sei tot, heißt es. Videokunst, Fotografie und Abstraktion sind jetzt angesagt. Zwischen der Ost- und Westkunst gibt es keine friedliche Wiedervereinigung. Rink fragt sich, ob er noch Maler sein kann in dieser neuen Zeit. "Aber weil auf ihn Verlass war und viele ihm vertraut haben, vor allem auch die jungen Künstler, deswegen ist er konsequent seinen Weg weitergegangen", so Museumsdirektor Weidinger.

Rink lässt sich durch kommerziellen Misserfolg nicht aus der Ruhe bringen. Und seine Treue zur figürlichen Malerei zahlt sich aus: Zur Jahrtausendwende beginnt für die Kunstszene in Leipzig eine neue Zeitrechnung. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst wird völlig unerwartet zum neuen Hotspot der internationalen Kunstszene. Eine junge Malergeneration, die bei Arno Rink studiert hat, wird plötzlich als Neue Leipziger Schule gefeiert.

Als Professor hat Rink seinen Schülern nichts geschenkt. "Die allererste Frage war zumeist, was gefällt Ihnen denn an dem Bild am allerwenigsten? Oder: Was, glauben Sie, könnte das Problem sein? Das war in 99,9% der Fälle seine allererste Frage. Lob kam in sehr subtiler Form, und wenn, dann nur mit einem kurzen Nicken", erinnert sich seine ehemalige Schülerin Katrin Heichel. "Er war einfach entfesselnd ehrlich und deshalb war er ein so kostbarer Lehrer für uns, denn als Student weißt du gar nicht, wo du hinwillst", so Miriam Vlaming. "Der Vorteil von ihm als Lehrer war ja, dass er nicht lauter kleine Arno Rinks produzieren wollte, sondern dass er versuchte, zu erspüren, was macht das Gegenüber als Persönlichkeit oder als Künstlerpersönlichkeit aus?", erzählt Michael Triegel. Die Lehre fruchtet. Weit mehr als Arno Rink sich das je hätte vorstellen können. Nach Jahren der Missachtung werden seine Schüler zu Superstars.

Ihm ist es zu verdanken, dass die Neue Leipziger Schule entstehen konnte, weil er junge Menschen gefördert und gefordert hat.

Rosa Loy, Künstlerin und ehemalige Schülerin Rinks

Rosa Loy und Neo Rauch
Rosa Loy und Neo Rauch - ehemalige Schüler Rinks und Stars der Neuen Leipziger Schule. Bildrechte: IMAGO

Neo Rauch wird zum Vorreiter der neuen Malergeneration. Seine Bildwelten faszinieren und elektrisieren den hungrigen Kunstmarkt. Plötzlich spricht man von einem Malerstar. Jets aus den USA fliegen nach Leipzig ein, Käufer reißen sich um die Werke. Die Neue Leipziger Schule ist die neue Nummer Eins. Aber der Erfolg der Schüler färbt nicht auf den Lehrer ab. Arno Rink zieht sich aus dem kommerziellen Kunstbetrieb völlig zurück in sein Atelier.

Der Krebs und Rinks letztes Bild

Im Alter von 57 Jahren wir bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert. Eine Operation und Chemotherapien folgen. Doch als engagierter Professor unterrichtet er weiter. Die Krankheit scheint überwunden, kommt wieder. 2005 wird Rink emeritiert. In diesen Jahren des persönlichen Umbruchs entstehen Landschaften von ungewohnter Weite, Farbflächen von poetischer Schönheit.

Was ihn am meisten belastet hat, war diese Müdigkeit, die durch die Chemotherapien zustande kam. […] Müde sein, heißt ja auch, müde im Kopf sein, und nicht wandern zu können im Kopf und in seinen Phantasiewelten zu leben, das war für ihn, glaube ich, die größte Belastung.

Marie-Thérèse Rink, Tochter

Arno Rink kämpft, geht jeden Tag ins Atelier und malt. Wie er es immer getan hat: gegenständlich, akribisch dem Körper zugewandt und mit sehr viel Ruhe und Bedacht.

Es war schon so etwas wie eine überaus große Angst, […] die nicht die Angst vor dem Tod war, sondern die Angst, nicht mehr arbeiten zu können.

Christine Rink, Witwe

Werner Hein, Sammler und Freund Rinks
Rinks Freund Werner Hein mit dem letzten Bild des Künstlers: 'Judith'. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ein Monat oder sechs Wochen vor seinem Tod, saß er verzweifelt auf seinem Sofa und dachte über den Tod nach", erzählt Rinks Freund Werner Hein. "Da habe ich gesagt, du musst etwas tun, male irgendetwas. Ich würde gerne von dir die 'Judith' haben. Da guckte er mich mit großen Augen an: 'Das schaffe ich nicht mehr.' Da sagte ich: 'Die muss ja nicht groß sein, kann kleiner sein.' Und dann hat er sofort angefangen, die Leinwand vorzubereiten und hat dann gemalt und hat dieses Bild dann zustande gebracht, was natürlich nicht fertig ist, sondern er ist über dem Bild gestorben. Aber ich glaube, für seine Seele war es gut."

Die Farben sind vertrocknet, die Pinsel unberührt. Zurück bleiben die Bilder und Erinnerungen. "Nichtsdestotrotz lebe ich ja mit seinen Bildern, und das lässt mich eigentlich manchmal ein bisschen fröhlicher sein", sagt seine Witwe. Im Atelier überkomme sie dennoch regelmäßig die Einsamkeit.

Rinks Atelier in Leipzig
Rinks verlassenes Atelier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 26. April 2018 | 23:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2018, 00:00 Uhr

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