Mirko Drotschmann
Mirko Drotschmann alias MrWissen2go Bildrechte: dpa

MrWissen2go zum EU-Urheberrecht YouTuber Drotschmann: Artikel 13 macht das Internet nicht kaputt

Viele YouTuber haben derzeit Angst, dass es ihre Plattform 2019 nicht mehr gibt. Grund dafür ist die EU-Urheberrechtsrichtlinie, speziell Artikel 13. YouTuber Mirko Drotschmann alias MrWissen2go erklärt, was es mit der EU-Richtline auf sich hat und wie die Panik darum entstanden ist.

Mirko Drotschmann
Mirko Drotschmann alias MrWissen2go Bildrechte: dpa

Über die EU-Richtlinie und Artikel 13: Nutzer laden eine große Fülle von Inhalten auf Onlineplattformen hoch, bei denen nicht klar ist, ob diese das Urheberrecht verletzen. Nach der Umsetzung der EU-Richtlinie wären die Onlineplattformen dann verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es keine urheberrechtsverletzenden Inhalte gibt. Bisher waren die Nutzer selbst dafür zuständig. Die Kontrolle könne durch so genannte Upload-Filter erreicht werden. Diese scannen alle Bilder, Videos und Musik, bevor sie online gehen. Problem: Diese Filter sollen nicht unterscheiden können zwischen urheberrechtsverletzenden Inhalten und legalen Inhalten. Im Zweifel würde dann eher zuviel als zuwenig gelöscht, die Hintertür für einen großen Zensurapparat wäre geöffnet. Aber: Die EU-Richtlinie wird derzeit bearbeitet.

Mirko Drotschmann 6 min
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YouTuber Drotschmann: Artikel 13 macht das Internet nicht kaputt Youtube macht Welle gegen die EU

YouTuber Drotschmann: Artikel 13 macht das Internet nicht kaputt

Gibt es wegen der EU-Richtlinie zum Urheberrecht bald kein YouTube mehr? Es kursiert ein Video, das diese Angst schürt. YouTuber MrWissen2go, Mirko Drotschmann, erklärt: Nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch.

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.11.2018 07:10Uhr 06:10 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mirko Drotschmann 6 min
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YouTuber Drotschmann: Artikel 13 macht das Internet nicht kaputt Youtube macht Welle gegen die EU

YouTuber Drotschmann: Artikel 13 macht das Internet nicht kaputt

Gibt es wegen der EU-Richtlinie zum Urheberrecht bald kein YouTube mehr? Es kursiert ein Video, das diese Angst schürt. YouTuber MrWissen2go, Mirko Drotschmann, erklärt: Nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch.

MDR KULTUR - Das Radio Do 08.11.2018 07:10Uhr 06:10 min

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MDR KULTUR: Mirko Drotschmann, was läuft da gerade auf YouTube?

Mirko Drotschmann: Da läuft eine riesige Panikwelle, weil es ein Video gab, das alle in Unsicherheit versetzt hat. Es hat inzwischen weit mehr als drei Millionen Klicks. Ein Video, das besagt: Im kommenden Jahr wird es YouTube nicht mehr geben, zumindest nicht in der Form, in der man es bisher kennt. Es hat viele geschockt, zum Einen die Leute, die Videos machen, zum Andere, die Leute, die Videos schauen. Als Begründung gibt dieses Video eine Urheberrechtsrichtlinie der EU an, insbesondere Artikel 13.

Alle sind geschockt, aber Sie klingen überhaupt nicht aufgeregt?

Ich bin da gar nicht schockiert. Eher bin ich schockiert darüber, wie viele das glauben, was da in einem Video erzählt wird und unhinterfragt hinnehmen, und sich selber gar nicht informieren. Das zeigt mir, dass da Einiges im Argen liegt was Medienpädagogik in Deutschland angeht. Es ist ganz klar, dass die geplante Richtlinie der EU kritikwürdig ist, da gibt es einige Punkte, die sicher noch bearbeitenswert sind, aber das YouTube zum großen Teil abgeschaltet wird im nächsten Jahr, ist vollkommener Blödsinn.

Es heißt, es würde sich direkt um eine Kampagne von YouTube handeln, dass YouTube einzelne YouTuber angesprochen hätte?

Da ist durchaus was dran. Google ist schon seit einer ganzen Weile hinter den Kulissen aktiv, genau wie andere Internetkonzerne wie Facebook, Amazon. Sie versuchen, diese Richtlinie zu kippen, weil das natürlich eine Menge Geld kostet, wenn das so umgesetzt wird. Weil die Konzerne dann so genannte Upload-Filter entwickeln müssen, um das Urheberrecht zu gewährleisten oder weil sie Defence-Vereinbarungen treffen müssen mit den Urheberrechtsinhabern, das kann natürlich teuer werden. Und Klagen wären dann auch eventuell möglich, da versucht Google natürlich alles Mögliche zu unternehmen. Google hat eine große Macht, das ist die Community bei YouTube, Millionen von Menschen, die man mobilisieren kann. Da wird über Agenturen gearbeitet, ganz professionell aufgezogen. Auch ich hab mal Post bekommen von einem dubiosen Absender, der mich gebeten hat, doch ein Video zu machen. Der Inhalt dieser Mail ließ Rückschlüsse zu, dass da Google indirekt dahinter stecken könnte.

Es spricht also viel dafür, dass es PR ist, von Google angezettelt?

Ich würde jetzt nicht sagen, dass das aktuelle Video von Google angezettelt wurde, aber grundsätzlich die Stimmungsmache, die geht schon von einem großen Teil von Google aus. Der Ursprung dieser Meldung und dieses Videos ist ein offener Brief, den die YouTube-Chefin Susan Wojcicki vor ungefähr zwei Wochen veröffentlicht hat. In dem schreibt sie sinngemäß: Wenn dieser Artikel 13 kommt, dann kann es auf YouTube nicht so weitergehen wie bisher. Dann macht sie vage Andeutungen, die viel Spielraum für Interpretationen lassen. Und dieser Brief, der macht jetzt gerade die Runde und verunsichert viele, und ich würde ihr jetzt mal unterstellen: Genau das war auch beabsichtigt.

Wenn Sie das durchschauen, warum sind denn da so viele Influencer dabei und teilen die Google-Position?

Weil es ganz gut ins Weltbild passt vieler junger Menschen: Da sind irgendwelche alten Politiker, die haben keine Ahnung vom Internet und beschließen etwas, das den jungen Menschen schadet. Ich glaub, das ist so ein Klischee, das viele haben, und das vielleicht nicht ganz unbegründet ist. Ich glaube, da sind viele Emotionen im Spiel, da wird wenig rational gedacht. Da wird EIN Video und seine Botschaft als Tatsache gesehen und nicht hinterfragt. Das ist das, was ich eingangs meinte: Da fehlt es wirklich an Medienpädagogik an den Schulen. Jungen Menschen muss beigebracht werden: Nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch.

Das Gespräch für MDR KULTUR führte Moderator Carsten Tesch.

Hier geht es zum Erklärvideo von MrWissen2go zur EU-Richtlinie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. November 2018 | 07:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 13:31 Uhr