"Kinderbuch-Nobelpreis" Astrid-Lindgren-Preis für Südkoreanerin Baek Hee Na

Baek Hee Na
Die Gewinnerin Baek Hee Na Bildrechte: Astrid Lindgren Memorial Award

Der renommierte Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis geht in diesem Jahr an die südkoreanische Kinderbuch-Illustratorin Baek Hee Na. Sie erhalte den Preis für ihr außerordentliches Gefühl für Materialien, Gesichtsausdrücke und Gestiken, mit denen sie Geschichten über die Einsamkeit, Begegnungen und Gemeinschaft von Kindern in Szene setze, teilte die Preisjury am Dienstag in Stockholm mit.

"Ihre Arbeit ist eine Tür zum Wunderbaren: sinnlich, scharf und schwindelerregend", sagte die Jury-Vorsitzende Boel Westin bei der Bekanntgabe in der früheren Wohnung von Lindgren in der Stockholmer Dalagatan. "Die Bilder sind wie kleine Kunstwerke, die Kinder in jedem Alter und selbst Erwachsene genießen können."

Von der CD-Rom zum Kinderbuch

Baek ist in Europa eher unbekannt, zählt in Südkorea aber zu den berühmtesten Bilderbuch-Künstlerinnen des Landes. Dort hat sie bisher 13 Bilderbücher veröffentlicht. Ihr Debüt feierte sie 2004 mit "Cloud Bread" (deutsch: Wolkenbrot), einer Erzählung über einen regnerischen Morgen, an dem zwei Kätzchen eine Wolke finden und diese mit nach Hause nehmen. Ihre Mutter backt später magisches Brot aus dieser Wolke, das ihnen das Fliegen ermöglicht. Das Werk galt später als Vorlage für eine Fernsehserie, ein Musical und Spielzeug.

Baek Hee Na, geboren 1971 in Seoul, studierte Pädagogik an der Ehwa Frauenuniversität und produzierte zunächst CD-Roms für Kinder. Sie lebte längere Zeit in den Vereinigten Staaten und absolvierte dort zusätzlich ein Animations-Studium. Heute illustriert sie schwerpunktmäßig Kinderbücher.

"Ich bin die Gewinnerin?"

Als sie per Telefon von Westin über ihre Wahl informiert wurde, war Baek hörbar irritiert. "Ich bin die Gewinnerin? Oh, danke!", sagte die Südkoreanerin. Später fand sie im Gespräch mit schwedischen Medien ihre Worte wieder. Sie habe die frohe Botschaft am Telefon zunächst kaum verstehen können, sagte sie der Zeitung "Dagens Nyheter": "Ich kann kaum glauben, dass das wahr ist."

"Nobelpreis für Jugendliteratur"

Astrid Lindgren (Schriftstellerin) im März 1988
Astrid Lindgren Bildrechte: imago images / teutopress

Der Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis gilt mit einem Preisgeld von fünf Millionen schwedischen Kronen (rund 450.000 Euro) als die wichtigste Ehrung für Kinder- und Jugendliteratur weltweit. Manche betrachten die Auszeichnung als eine Art Nobelpreis für Jugendliteratur. Im vergangenen Jahr war der belgische Autor Bart Moeyaert damit ausgezeichnet worden. Unter den 240 Nominierten aus 67 Ländern waren diesmal neben dem Schriftsteller Janosch noch sechs weitere deutsche Kandidaten.

Benannt ist der Preis nach der 2002 verstorbenen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren, deren Werke wie "Pippi Langstrumpf", "Michel aus Lönneberga" und "Karlsson vom Dach" von Millionen Kindern in aller Welt gelesen worden sind.

Diesmal fand die Bekanntgabe der Jury wegen der Corona-Krise ohne Publikum statt. Verliehen wird der Preis für gewöhnlich Ende Mai in Stockholm – ob sich daran wegen der anhaltenden Coronavirus-Pandemie etwas ändert, ist noch unklar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 31. März 2020 | 14:30 Uhr