Orte der Kreativität Wo Kunst entsteht – so einzigartig sind Ateliers

Von der kleinen Dunkelkammer bis zum großen Malsaal der Theatermalerei: So unterschiedlich wie Kunstwerke sein können, so verschieden sind auch ihre Entstehungsorte. Und während sich viele Kunstschaffende allein in ihr Atelier zurückziehen, arbeiten vor allem Studierende an Kunsthochschulen in gemeinsamen Räumlichkeiten, soweit es in Zeiten der Corona-Pandemie möglich ist. Einblicke in Orte der Kreativität: An der Hochschule für Bildende Künste Dresden, in einer alten Nudelfabrik in Zeitz und mit den Arbeiten der Weimarer Fotografin Sibylle Mania.

Das Atelier von Martin Neubert, Weimar, November 2019
Die Weimarer Fotografin Sibylle Mania hat Blicke in unterschiedliche Ateliers mit der Kamera festgehalten. Bildrechte: Arnoldsche Verlag

Teamarbeit im Großformat: Theatermalerei und Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden

Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden 5 min
Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Beim Studiengang für Theatermalerei an der Kunstakademie Dresden lernen die Studierenden, Illusionen von Stein, Metall oder Marmor zu schaffen. Pia Uffelmann berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 27.11.2020 18:00Uhr 04:44 min

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Bei den Studierenden der Theatermalerei wird im Großformat gearbeitet. Der mit Farbflecken übersäte Boden ist mit einer Folie abgedeckt, auf der große Stoffbahnen liegen. An den Wänden hängen 3-Meter-Lineale und Pinsel, die in ihrer Dimension wie Besen aussehen. Bis zu 70 Quadratmeter groß sind die Prospekte, wie die Bilder der Theatermalerei genannt werden, damit sie im Theater später auch aus der Ferne wirken. Auf dem dünnen Nesselstoff werden verschiedenste Materialien imitiert. Für das Theaterpublikum entstehen hier Illusionen von Stein, Holz, Metall oder eines Waldes. Vor allem wird hier zusammengearbeitet, die großformatigen Bühnenbilder sind Teamarbeit. "Im Malsaal wird eigentlich immer zusammengearbeitet", erklärt Lea, eine der Studentinnen. "Vor allem, wenn man großen Prospekte malt, die zehn mal sieben Meter sind. Das schafft man alleine nicht gut."

Platz wird auch im Atelier der Kostümbild-Studierenden an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden benötigt. Mannequins tragen unfertige Anzüge und Kleider, mehrere Nähtische stehen bereit, Maßbänder hängen an den Wänden. Studierende haben in ihren Ateliers Kostüme zum Thema "Blühen und vergehen, blühen und zerfallen" entworfen. Kaktus, Artischoke und Birnblüte werden durch ihre Arbeiten menschlich und brauchen Raum, um ihre Pracht entfalten zu können – im Atelier wie auf der Bühne.

Ein Besuch an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden

Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Fünf bis sechs Studierende gibt es pro Jahr bei den Theatermalerinnen und -malern in Dresden. Hier bereitet das zweite Studienjahr Prospekte vor, so heißen Bilder bei den Theatermalern. Sie sollen im Laufe des Semesters eine Häuserfassade imitieren. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Fünf bis sechs Studierende gibt es pro Jahr bei den Theatermalerinnen und -malern in Dresden. Hier bereitet das zweite Studienjahr Prospekte vor, so heißen Bilder bei den Theatermalern. Sie sollen im Laufe des Semesters eine Häuserfassade imitieren. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Studentin Lea legt die großen Stoffbahnen zurecht. Entsprechend viel Platz muss auch das Atelier der Theatermalerei-Klasse bieten. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Im Lager der Theatermalerei befinden sich über 400 Arbeiten aus den letzten 50 Jahren. Da die Prospekte einrollbar sind und dabei auch die Farben und Plastiken nicht kaputt gehen, sind sie platzsparend zu verstauen. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Die großen Bürsten an der Wand sind keine Besen, sondern mit ihnen werden die Prospekte grundiert. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Einblick in das Studium der Theatermalerei an der Hochschule für bildende Künste in Dresden
Farbpigmente der unterschiedlichen Farben im Materiallager. Sie können so selbst angemischt werden. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Ein Blick in das Atelier der Kostümbild-Studierenden an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Sie haben Kostüme zum Thema "Blühen und vergehen, blühen und zerfallen" entworfen. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Auch im Atelier der Kostümbild-Studierenden wird Platz benötigt. Anja Gast hat eine Birnbaumblüte erschaffen, die sich auch entfalten können muss. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Sine Rieder hat eine blühende Artischocke entworfen. Der Kranz um den Hals ist aus Schaumstoff, die lila Blüte aus Kabelbinder. Für Sina Rieder war es vor allem interessant, weil man eine Artischocke selten bis nie blühend kennt.

Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Marlene von Dieken hat in Kleinstarbeit einen Kaktus erschaffen. Die Stacheln sind aus Besenborsten, ansonsten bestehen große Teile des Kaktus aus Schaumstoff und sind maßgeschneidert für Sina Rieder, die das Kostüm trägt. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Die Birnbaumblüte wird angezogen. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Da die Kostüme wegen Corona nicht wie sonst bei dem Sommerfest gezeigt werden konnten, zeigen die Studierenden sie im Herbst das erste Mal. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
Sie zeigen Arbeiten von Studierenden in Kostümbild an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden.
Damit sie besser wirken auch im Innenhof der Hochschule. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
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Virtuelle Kunst in der Industrieruine: "Authentic Spaces" in Zeitz

Die Wände sind weiß gefliest, davor zwei Computer, ein 3D-Drucker und um einen Tisch samtene Stühle. Industriestrahler, die gegen die Wände leuchten, sorgen für indirektes Licht, Kopfhörer baumeln an provisorisch zusammengeschraubten Stahlrohren. Alles strahlt eine hip-industrielle Atmosphäre aus in dem roten Backsteinbau mit morbidem Industriecharme, in der es nur wenige beheizte Räume, aber viele zerbrochene Fenster gibt. Einen Monat lang haben junge Künstlerinnen und Künstler hier in Zeitz in einer alten verlassenen Nudelfabrik gearbeitet.

alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende 5 min
Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Einen Monat lang haben Medienkünstler der Leipziger Kunsthochschule gemeinsam mit anderen Stipendiaten in einer alten verlassenen Nudelfabrik in Zeitz gearbeitet.

MDR KULTUR - Das Radio Do 26.11.2020 06:00Uhr 05:02 min

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"Das ist halt nicht so ein konventioneller Pinsel, dreckige Leinwand-Ateliers, sondern ein bisschen mehr Computer und Technik", sagt Fabian Lehmann. Mit Yannick Harter aus der Gruppe "This is Fake" arbeitet er hier zu virtueller Kunst. So surreal wie ihr Atelier sind auch ihre Kunstwerke, die eine Abschlussausstellung in der Fabrik zeigt. Motive aus der stillgelegten Nudelfabrik blitzen in allen Arbeiten auf, wie ein einbetoniertes Smartphone, ein Fundstück von hier. Beeindruckend sind vor allem die von ihnen geschaffenen virtuellen Welten, die mit der VR-Brille erlebbar werden. In der alten Fabrik treffen so Überreste einer vergangenen Zeit auf moderne Kunst.

Hypermoderne Kunst im alten Industriebau

alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Das Gebäude der alten Nudelfabrik in Zeitz ist zum großen Teil verlassen und nicht bewohnbar. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Das Gebäude der alten Nudelfabrik in Zeitz ist zum großen Teil verlassen und nicht bewohnbar. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Einen Monat lang beherbergte das Gebäude die Atelierräume des Gemeinschaftsateliers. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Fabian Lehmann und Yannick Harter gehören zu dem Kollektiv "This Is Fake". Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Im Atelier arbeitet Yannick Harter viel an Konstruktionen am Computer. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Die Arbeit im Atelier ist auch haptisch, wie Fabian Lehmann demonstriert. Er überlegt, wie er das Objekt besser positioniert. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
In der Ausstellung sind die Ergebnisse des gemeinsamen Atelieraufenthalts zu sehen. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
An den Wänden der ehemaligen Fabrik blättert die Farbe ab ... Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
... von den Decken hängen VR-Brillen. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
alte verlassene Nudelfabrik in Zeitz als Atelier für Kunstschaffende
Die virtuelle Kunst fügt sich so in die Industrieruine ein. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann
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"Blicke in 19 Ateliers": Fotoprojekt zu kreativen Arbeitsorten

Für die Weimarer Künstlerin und Fotografin Sibylle Mania liegt Ateliers ein ganz besonderer Zauber inne. Und so hat sie vor ein paar Jahren angefangen, sie zu fotografieren. Daraus ist ein Bildband geworden, "Blicke in 19 Ateliers", erschienen vor kurzem im Arnoldsche Verlag. Zu sehen sind ruhige, etwas entrückte schwarz-weiß-Bilder, auf denen immer nur die Räumlichkeiten zu sehen sind – und nicht die normalerweise darin arbeitenden Menschen.

Beispielhaft lässt sich an der Künstlerfamilie Möhwald ablesen, wie komplett unterschiedlich Ateliers aussehen können: Das Atelier des Vaters Otto Möhwald (früher Malerei-Professor an der Burg Giebichenstein in Halle) wirkt hell, leer und in seiner Aufgeräumtheit geradezu streng. Ein paar Pinsel sind zu sehen, ein Spiegel, ein Stuhl, eine Staffelei. In Sohn Martin Möhwalds Keramikwerkstatt dagegen herrscht fürs ungeübte Auge heilloses Chaos, Materialien und fertige Objekte stapeln sich wild auf Tischen und in Regalen, teilweise bereits überzogen von Spinnenweben. Für Sibylle Mania eine umso spannendere Szenerie. Sie sagt, man könne aus solchen Arbeitsorten viel über die Kunst der jeweiligen Personen lernen. Ateliers können ausufernde Gesamtkunstwerke sein oder nüchterne Arbeitsorte – das merkt man beim Durchblättern des Buches.

Sybille Manias "Blicke in 19 Ateliers"

Der Blick in Martin Möhwalds Keramikwerkstatt, Halle-Kröllwitz, Juni 2008
Der Blick in Martin Möhwalds Keramikwerkstatt, Halle-Kröllwitz, Juni 2008 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Der Blick in Martin Möhwalds Keramikwerkstatt, Halle-Kröllwitz, Juni 2008
Der Blick in Martin Möhwalds Keramikwerkstatt, Halle-Kröllwitz, Juni 2008 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Der Blick in Martin Möhwalds Keramikwerkstatt, Halle-Kröllwitz, Juni 2008
Auch in der zweiten Perspektive mutet Martin Möhwalds Atelier recht chaotisch an. Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Die Werkstatt des Schmuckdesigners Vratislav Karel Novák im tschechischen Jablonec nad Nisou
Die Werkstatt des Schmuckdesigners Vratislav Karel Novák im tschechischen Jablonec nad Nisou Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Sibylle Manias Blick in Peter Zineckers Atelier, Halle (Saale), April 2018
Sibylle Manias Blick in Peter Zineckers Atelier, Halle (Saale), April 2018 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Das Atelier von Martin Neubert, Weimar, November 2019
Das Atelier von Martin Neubert, Weimar, November 2019 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Das Atelier von Tea Mäkipää, Berlin-Weißensee, Januar 2020
Das Atelier von Tea Mäkipää in Berlin-Weißensee, Januar 2020 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
Sibylle Manias Blick ins Atelier von Elisa Sorg, Wagenplatz bei Weimar, April 2013
Sibylle Manias Blick ins Atelier von Elisa Sorg, Wagenplatz bei Weimar, April 2013 Bildrechte: Arnoldsche Verlag
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Mehr Atelierbesuche

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Spezial "Genius loci - Wo Kunst entsteht" | 27. November 2020 | 18:05 Uhr