Von Klassik bis Hip-Hop Dreamstage: Virtueller Konzertsaal soll Zuhause für alle Musik-Genres sein

Viele Musikerinnen und Musiker konnten in den vergangenen Monaten wegen der Corona-Krise keine Konzerte geben. Viele versuchten mit Konzert-Mitschnitten und Streams aus dem Probenraum einen Ausgleich zu schaffen. Auch Jan Vogler ist mit einem 24-stündigen Livestream mit New Yorker Kunstschaffenden und einem Online-Angebot der Dresdener Musikfestspiele diesen Weg gegangen. Nun hat der Cellist eine Plattform für digitale Konzerte initiiert.

Jan Vogler, Cellist, fotografiert auf der Bühne beim Sommerprogramm der Stiftung Schloss Neuhardenberg.
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MDR KULTUR: Worin unterscheidet sich Dreamstage von anderen Plattformen?

Jan Vogler: Dreamstage kombiniert moderne Technik, sehr hohe Qualität und leichte Handhabung. Vor allem der Ticketerwerb funktioniert über ein verspieltes Design. Es war mir wichtig, dass das keine kalte Website wird, sondern ein Ort, an dem man das Gefühl hat, man geht in einen virtuellen Konzertsaal. Das darf ein bisschen Spaß machen. Insofern gibt es bei Dreamstage auch ein bisschen Augenzwinkern. Wir wollen den Menschen zeigen, dass der virtuelle Raum Spaß machen und Wärme ausstrahlen kann.

Welchen Mehrwert bietet Dreamsstage den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern?

Für Künstler bietet Dreamstage die Möglichkeit, überhaupt aufzutreten. Das ist nicht immer ganz leicht, denn der Künstler muss seine Fans ansprechen und sie darüber informieren, dass das Konzert stattfindet. Das kann die Streaming-Plattform nicht alleine. Aber viele selbständige Musiker sind es gewohnt, aktiv an ihr Publikum heranzutreten. Da in diesem Jahr so wenig Musik stattfindet – in New York sind alle großen Kulturinstitutionen geschlossen: die Carnegie Hall, das Lincoln Center, der Broadway –, haben viele Musiker gar keine berufliche Perspektive. Dreamstage kann helfen, damit Künstler für ihr Publikum live spielen können. Sie können sowohl dem Publikum zeigen, dass die Musik weiterlebt, als auch selbst aktiv bleiben und ihren Lebensunterhalt verdienen.

Dreamstage
Screenshot der Dreamstage Bildrechte: Dreamstage

Auf Dreamstage binden Sie Musiker verschiedener Genres ein. Wen wollen Sie alles erreichen?

Eine Streaming-Plattform, die Konzerte live überträgt, muss alle Genres bedienen. Nur Klassik wäre zu schmal, weil wir auch Künstlern helfen möchten, die andere Musik spielen. Wir wollen dem Publikum eine Freude machen, das zum Beispiel Jazz, Hip-Hop, Rock oder Pop hört. Ich habe die Vision, dass sich all diese Genres unter dem Dach von Dreamstage treffen. Vielleicht ist es der erste Ort überhaupt, an dem die Musik einvernehmlich zusammenlebt, an dem sich Hip-Hop mit Klassik trifft und sich möglicherweise gegenseitig inspirieren.

Die Konzerte gehen live über die digitale Bühne und können nicht im Nachhinein angehört werden. Warum haben Sie sich für diese Variante entschieden?

Wir möchten keine aufgenommenen Konzerte auf Dreamstage anbieten, weil die Lücke im Live-Konzert liegt. Man hat im Internet natürlich die Möglichkeit, durch die Kameras einige Details zu sehen, die man bei einem Live-Konzert im Saal nicht sieht. Gleichzeitig glaube ich, dass der Künstler das Adrenalin genauso spürt wie im Konzertsaal. Als ich ein Konzert live gestreamt habe, war ich genauso aufgeregt, wie vor einem Publikum im Saal. Ich weiß, dass es da ist, auch wenn es teilweise Tausende von Kilometern entfernt sitzt.

Das Gespräch führte Moderator Stefan Blattner für MDR KULTUR.

Die Konzerte sind auf Dreamstage geplant 23. August: James Ehnes & Inon Barnatan – Sonaten für Violine und Klavier
24. August: Gil Shaham & Adele Anthony – Konzerte für Violine und Klavier
25. August: Lise de la Salle – Romantische Musik für Klavier
27. August: Horszowski Trio – Klavier-Trios von W.A. Mozart und Bedřich Smetana
27. August: Pape Diouf and Band – Weltmusik aus dem Senegal
Die Konzerte beginnen jeweils 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit

Konzerte während Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. August 2020 | 15:15 Uhr