Sehenswert Diese Architektur-Highlights in Thüringen sollten Sie gesehen haben

Am 26. und 27. Juni 2021 lädt die Architekturkammer zum bundesweiten "Tag der Architektur". Aber auch abseits dieser beiden Tage, lohnt sich ein Ausflug nach Thüringen, um besondere Bauwerke, wie den Eiermann-Bau in Apolda, das Bauhaus-Musterhaus "Haus am Horn" in Weimar oder das KuK in Gera zu bestaunen. Wir haben eine Übersicht von zehn imposanten Bauwerken in Erfurt, Weimar und Jena über Gera bis Eisenach zusammengestellt, die Sie das ganze Jahr über besuchen können und die an die Zeit erinnern, in der sie entstanden sind.

Eisenberg 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

72 Bauten sind am 26. und 27. Juni in Thüringen zu erkunden. Blanka Weber stellt im Gespäch mit Machern und Architekten Projekte jüngeren Datums vor.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 25.06.2021 06:00Uhr 03:49 min

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Mikro-Architektur "BUTZE!" in Kaltennordheim

Mikro-Architektur BUTZE Sommertal
Mikro-Architektur BUTZE Sommertal Bildrechte: TAKTAK Architektur+Szenografie Schwallungen/Gretel/Foto: Robert Ilgen

Mithilfe der Mikro-Architektur will das Thüringer Architkturbüro TAKTAK mit minimalen Interventionen einen Beitrag zur nachhaltigen Aufwertung ländlicher Regionen leisten. An abgeschiedenen Orten finden Naturliebhaber "Butzen", in denen sie übernachten können. Die ersten beiden Wandererherbergen stehen mitten im Biosphärenreservat Rhön. Die abstrakte Gebäudeform ist ein Kontrast zum natürlichen Umfeld und gleichzeitig angelehnt an die Forst- und Jagdarchitektur.

Mehr Informationen Adresse:
Im Spring 1
36452 Kaltennordheim OT Fischbach/Rhön

Öffnungszeiten:
jederzeit auf einer Wanderung von außen zu besichtigen

Am Tag der Architektur 2021:
Samstag, 26.06.2021 – geöffnet 10-18 Uhr, Führungen 15-18 Uhr
Sonntag, 27.06.2021 – geöffnet 9-18 Uhr, Führungen 9-12 Uhr


Schmales Haus in Eisenach

Das wahrscheinlich schmalste bewohnte Fachwerkhaus Deutschlands, 2015
Das wahrscheinlich schmalste bewohnte Fachwerkhaus Deutschlands Bildrechte: dpa

Ein Haus, das von Einheimischen gerne als Handtuch bezeichnet wird, ist das schmale Haus in Eisenach. Es ist das schmalste bewohnte Haus Deutschlands, gerade einmal 2,05 Meter breit, umfasst 20 Quadratmeter und verläuft über zwei Stockwerke.

Gebaut wurde es schätzungsweise vor 250 Jahren. 1974 rettete ein privater Besitzer es vor dem Verfall und sanierte es in den folgenden Jahren.

Mehr Informationen Adresse:
Johannisplatz 9
99817 Eisenach

Öffnungszeiten:
jederzeit von außen zu besichtigen


Krämerbrücke in Erfurt

Wer Erfurt besucht, kommt nicht am Wahrzeichen der Stadt vorbei: Die historische Krämerbrücke ist die längste mit Häusern bebaute sowie bewohnte Brücke Europas! Malerisch kuscheln sich die Fachwerkhäuser auf der Brücke aneinander, die erst 1325 aus Stein erbaut wurde und davor aus Holz bestand. Auf der Brücke stehen statt ursprünglich 120 Häusern heute noch 32. Dort laden kleine Lädchen zum Schlemmen und Verweilen ein.

Menschen genießen den Sommerabend an der Gera und der Krämerbrücke in Erfurt.
An der Krämerbrücke können Sie warme Sommerabende ausklingen lassen oder über die Brücke flanieren und durch kleine Geschäfte stöbern. Bildrechte: imago images/Christoph Worsch

Mehr Informationen Adresse:
Krämerbrücke, 99084 Erfurt


Haus am Horn in Weimar

Das Haus Am Horn von 1923 ist das erste Bauhaus-Musterhaus überhaupt – es gilt als Inbegriff des modernen Wohnens. Entworfen wurde es von Georg Muche. Auf einer Grundfläche von zwölf mal zwölf Metern konstruierte er die Zimmer rund um einen zentralen Wohnbereich. Speise- oder Kinderzimmer fielen zu Gunsten des großen Gemeinschaftsraum kleiner aus. Besonders fortschrittlich zeigte sich das Haus auch im Bezug auf neue Technologien – ausgestattet mit Gasherd, Telefonanlage und Zentralheizung. Erst kürzlich hat das Haus am Horn den Europäischen Kulturerbepreis erhalten.

Zur Geschichte des Gebäudes wurde 2019 eine neue Dauerausstellung eingerichtet. In Weimar kann außerdem weitere Bauhaus-Architektur, u.a. der Van-de-Velde-Bau der Bauhaus Universität, besucht werden. Die App "Wo ist Walter?" lädt zu einem selbstständigen Hörspaziergang auf den Spuren des Bauhauses durch Weimar ein – entwickelt wurde sie von Bauhaus-Universität.

Das Musterhaus "Am Horn" in Weimar
Das Musterhaus "Am Horn" in Weimar Bildrechte: dpa

Mehr Informationen Adresse:
Am Horn 61, 99425 Weimar

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Monntag, 10 bis 18 Uhr,
ansonsten jederzeit von außen zu besichtigen

Rundgang zu Bauhaus-Orten in Weimar per App "Wo ist Walter?" selbstständig möglich. Die App gibt es für Android und iOS.


Ökumenischer Kirchenpavillon in Erfurt

Anlässlich der Bundesgartenschau in Erfurt wurde südlich der Peterskirche der ökumenische Kirchenpavillon gebaut. Der Entwurf stammt von den Siegern eines Studierendenwettbewerbs an der Fachhochschule Erfurt. In abgewandelter Form wurde die Arbeit von Lisa Nikolaus und Sanja Freihube im Auftrag der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands und des katholischen Bistums Erfurt vom funken Architekturbüro umgesetzt. Besonders ist die nachhaltige, ökologische Bauweise des Pavillons aus regionalem Holz. Er wurde bewusst offen angelegt, um so als Andachts-, Veranstaltungs- und Begegnungsort genutzt werden zu können.

Oekumenischer Kirchenpavillon Erfurt
Ökumenischer Kirchenpavillon Erfurt Bildrechte: funken architekten Erfurt/Foto: Matthias Funken

Mehr Informationen Adresse:
Petersbergplateau
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
im Rahmen der Bundesgartenschau mit BUGA-Ticket, Einlass: 9 bis 20 Uhr bis zum 10. Oktober 2021

am Tag der Architektur 2021:
Sonntag, 27.06.2021 – Führungen 11 Uhr (Treffpunkt: Kasse Petersbergplateau), Eintritt: BUGA-Ticket erforderlich


Kultur- und Kongresszentrum (KuK) in Gera

Das KuK in Gera ist ein herausragendes Beispiel der DDR-Moderne. 1981 wurde es als Haus der Kultur eröffnet. Eine Untertreibung, denn der großzügige Bau gleicht dem Ost-Berliner Palast der Republik. Was das KuK am meisten unterscheidet, ist bekanntlich der Fakt, dass es anders als "Erichs Lampenladen" (wie der Palast der Republik auch genannt wurde) noch steht.

Sogar als Gesamtkunstwerk stuften die Thüringer Denkmalschützer das Haus inzwischen ein. Beeindruckend ist u.a. die Reliefwand im Foyer mit dem Titel "Lied des Lebens", die von mehreren Bildhauern gestaltet wurde. Von hier aus wurde zu DDR-Zeiten übrigens die Weihnachtssendung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" ausgestrahlt.

Außenansicht des Kultur- und Kongresszentrums in Gera, vor dem Eingang steht ein lilafarbenes MDR KLASSIK-Zelt.
Außenansicht des Kultur- und Kongresszentrums in Gera Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Weitere Informationen Adresse:
Schloßstraße 1, 07545 Gera

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 9 bis 19 Uhr
Samstag 9 bis 16 Uhr


Ehemaliges Gauforum in Weimar

Dieser Gebäudekomplex mit einer Gesamtfläche von ca. 40.000 Quadratmetern erinnert noch heute an die Größenordnungen, in denen zu Zeiten des Nationalsozialismus gedacht wurde. Es war das einzige Gauforum dieser Art, das tatsächlich gebaut wurde. Die heutige Grünfläche war für Aufmärsche vorgesehen. Dafür wurde der Vimaria Brunnen von 1875 und der kleine Park vor dem Neuen Museum abgerissen. Umfasst werden sollte die Fläche von vier Gebäudekomplexen, von denen drei gebaut wurden.

Architekt war Hermann Giesler, für den sich Hitler 1936 entschied. Hitler ließ aber auch eigene Ideen einfließen. Heute befindet sich in den Gebäuden u.a. das Thüringer Landesverwaltungsamt.

Luftfoto Landesverwaltungsamt, Einkaufscenter Atrium Weimar, 2013
Luftfoto:Landesverwaltungsamt, Einkaufscenter Atrium Weimar, 2013 Bildrechte: IMAGO / Thomas Müller

Mehr Informationen Adresse:
Jorge-Semprún-Platz, 99423 Weimar

Öffnungszeiten:
Jederzeit von außen zu besichtigen


Schaudenkmal "Gradierwerk Louise" in Bad Sulza

In Bad Sulza standen einst drei große Gradierwerke, das größte war mehr als 224 Meter lang. Heute ist noch das Gradierwerk Louise erhalten, das durch seine Architektur nicht nur an die beachtliche Baukunst erinnert, sondern auch an die Handwerkskunst, die zur Errichtung nötig war.

Das Gradierwerk diente der Salzgewinnung. Darin wurde salzhaltiges Wasser, die sogenannte Sole, angereichert (gradiert) und gereinigt. Heute wird es für Kur-Zwecke genutzt – Salzluft kann inhaliert werden. Dafür wurde das 140 Meter lange Gebäude saniert und Bauholz von etwa 6,5 Kilometern Länge verarbeitet. Viele Teile des Gradierwerks sind aber noch im Originalzustand.

Luftbild Gradierwerk
Luftbild des Gradierwerks Louise in Bad Sulza Bildrechte: Nils Havermann Architekt Kapellendorf/Foto: Alexander Burzik

Mehr Informationen Adresse:
Am Gradierwerk 3
99518 Bad Sulza

Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag, Mittwoch, Donnerstag: 10 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr
Montag, 13 bis 16 Uhr
Dienstag, 13 bis 18 Uhr
Freitags: geschlossen

Am Tag der Architektur 2021:
Samstag, 26.06.2021 – geöffnet 10-12, 13-16 Uhr, Führungen 14 Uhr, Eintritt: 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
Sonntag, 27.06.2021 – geöffnet 10-12, 13-16 Uhr, Eintritt: 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro

Die Zerstäuberhalle bleibt wegen Bauarbeiten geschlossen.


Eiermann-Bau in Apolda

Der Architekt und Möbeldesigner Egon Eiermann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine moderne Architektur bewegt sich in der minimalistischen, geradlinigen Tradition des Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ Egon Eiermann die ersten Serienmöbel anfertigen. Von ihm stammen einige bekannte Stuhl-Modelle, die noch heute hergestellt werden. Und er entwarf u.a. ein umstrittenes Einkaufszentrum in Stuttgart, das später architektonisches Vorbild der Kaufhausarchitektur wurde.

In Apolda steht einer seiner Industriebauten, der sogenannte Eiermann-Bau – ursprünglich eine Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Textilfabrik, die Eiermann 1938/39 im Auftrag der Total AG Feuerlöschgerätewerke umbaute. 2018 zog die Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen ein, jetzt befindet sich darin die "Open Factory", die Platz für Werkstattarbeit, soziale und kulturelle Projekte, für Ausstellungen und Ateliers, für Coworking und Einzelbüros bieten soll.

Ein vierstöckiges Industriegebäude mit großen Fenstern
Eiermann-Bau in Apolda Bildrechte: IBA Thüringen/Thomas Müller

Mehr Informationen Adresse:
Auenstraße 11, 99510 Apolda

Öffnungszeiten:
von außen jederzeit


Leuchtenburg in Seitenroda

Eine Frau wirft einen Porzellanteller über eine Brüstung.
Ausblick vom 20 Meter langen Stahlsteg, von dem Porzellan geworfen werden kann - was Wünsche erfüllen soll Bildrechte: Pressestelle Leuchtenburg

Erbaut wurde die Leuchtenburg in Seitenroda Ende des 12. Jahrhunderts hoch über dem Saaletal. Wenn die Sonne über dem markanten Berg scheint, bringt sie den Muschelkalk zum Leuchten, diesem Naturschauspiel verdankt die Burganlage ihren Namen: Leuchtenburg. Sie gilt als eine der schönsten Burgen Thüringens, die idyllischen Weinberge zählen zu den höchstgelegenen nördlich der Alpen.

Nachdem die Leuchtenburg 2007 vor dem Verkauf stand, wird sie heute von einer Stiftung getragen. Dank der Initiative lässt sich heute das restaurierte Bauwerk mit seiner wechselvollen Geschichte in reizvoller Landschaft erkunden: Ein frei schwebender Stahlsteg ragt 20 Meter ins Saaletal und ermöglicht eine spektakuläre Rundumsicht. Viele Besucherinnen und Besucher kommen auch wegen der imposant inszenierten Porzellanausstellung.

Der Sonnenuntergang färbt den Himmel über der Leuchtenburg in bunte Farben
Sonnenuntergang über der Leuchtenburg Bildrechte: Pressestelle Leuchtenburg

Weitere Informationen Adresse:
Leuchtenburg
Dorfstraße 100
07768 Seitenroda

Öffnungszeiten:
April bis Oktober
Täglich 9 - 18 Uhr

November bis März
Täglich 10 - 17 Uhr
24.12. nur bis 14 Uhr

Gastronomie: Burgschänke, täglich ab 11:30 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Juni 2021 | 12:10 Uhr

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MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei