Projekt "Klimaanpassung und Modernisierung" Klimawandel, Baumsterben und Robotergärtner: Der Große Garten in Dresden blickt in die Zukunft

Parks und Gärten gehören in Corona-Zeiten zu hochfrequentierten Orten – noch dazu, wenn sie mitten in der Stadt liegen, wie der Große Garten in Dresden mit rund 147 Hektar Fläche. Das Schlösserland Sachsen bewirtschaftet den Park und hat sich erfolgreich um ein vom Bund gefördertes Pilotprojekt im Rahmen des Programms "Klimaanpassung und Modernisierung" beworben. Höchste Zeit, denn viele alte Baumbestände haben mit der Trockenheit zu kämpfen.

Der Große Garten in Dresden ist ein Park barocken Ursprungs. Die heutige größte Parkanlage der Stadt wurde ab 1676 auf Geheiß des Kurfürsten Johann Georg III. angelegt. Carolasee.
Der Große Garten in Dresden ist denkmalgeschützt. Der barocke Park entstand bereits im 17. Jahrhundert. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Auch an einem trüben Tag ist der Park gut besucht. Die letzten Schneereste tauen, es regnet, aber allenfalls die oberen Bodenschichten sind durchfeuchtet, am Wasserdefizit ändert der Winter nichts. "Wir sehen das Jahr für Jahr im Großen Garten, dass wir fast eine exponentiell zunehmende Zahl an Baumfällungen haben, an Bäumen, die einfach tot waren", erzählt Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen, und rechnet vor: "Vor drei bis vier Jahren waren es noch 20, 26, dann 60, 65, 120 und jetzt in 2020 waren es über 400 Bäume, die wir fällen mussten."

Wir mussten 2020 über 400 Bäume fällen.

Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH

Zahlreiche Bäume sind nicht mehr zu retten

Die Trockenheit macht Christian Striefler und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur im Großen Garten zu schaffen, auch andere unter der Obhut der Schlösserverwaltung stehende Parks und Gärten sind betroffen, vor allem auch der in Pillnitz. Die große Blutbuche am Ende des Lustgartens, ein Blickfang, ist wohl nicht mehr zu retten. Der Schlösserchef befürchtet, dass sie noch in diesem Jahr gefällt werden muss. Meistens beginne das Baumsterben in den Kronen, erklärt Striefler: "Die Kronen werden beschnitten in der Hoffnung, dass es der Baum dann schafft. Meistens ist der Baum aber so geschädigt, dass die Wurzeln befallen sind. Und dann lässt die Kraft, Flüssigkeit von unten zu saugen, nach."

Die ehemalige Sommerresidenz des sächsischen Königshauses ist die größte chinoise Schlossanlage Europas. Der Schlosspark mit mehr als 2.000 Gehölzen und über 600 Kübelpflanzen lädt zu jeder Jahreszeit zu erlebnisreichen Spaziergängen ein.
Auch der Schlosspark in Pillnitz kann als ehemalige Sommerresidenz des sächsischen Königshauses auf hunderte Jahre Geschichte mit teilweise ebenso alten Bäumen zurückblicken. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Bei der Beseitigung einer Baumruine fallen Kosten bis zu 1.000 Euro pro Fall an. Viele sind verpilzt, ihnen muss in Schutzausrüstung zu Leibe gerückt werden. Vordergründig sind die instabil gewordenen Bäume zunächst eine Frage der Sicherheit. Immerhin wird die Anzahl der Besucherinnen und Besucher im Jahr auf 4 bis 5 Millionen geschätzt, gezählt wird nicht, der Park ist frei zugänglich. 18.000 Bäume kontrolliert die Sächsische Schlösserverwaltung jedes Jahr.

Baumsterben: Mehr als eine Frage der Sicherheit

Aber der Große Garten ist nicht nur das Grüne Herz der Stadt, er ist auch eine bedeutende denkmalgeschützte Anlage. Unter Kurfürst Johann Georg III. wurde 1676 nach französischem Vorbild geplant und mit dem Bau begonnen, das Palais im Schnittpunkt der beiden Hauptachsen ist ein Juwel frühbarocker Baukunst. Der Garten, damals noch vor den Toren der Stadt, war eingehegtes Gelände für die Fasanenjagd und Schauplatz höfischer Feste. Nur um das Palais herum wurde der regelmäßig gestaltete barocke Gartenteil erhalten, zeitgeistgemäß die übrigen Partien im 19. Jahrhundert zu einem Landschaftspark umgestaltet und dem "allgemeinen Ergehen" gewidmet.

Ein Park mit verschlungenen Wegen, kleinen Wäldern, markanten Baumgruppen, Wiesenarealen. Diesen Charakter gilt es zu erhalten. "Wenn beispielsweise diese Buche wegfiele, da würde etwas fehlen", findet Striefler. "Das ist wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich. Sie sehen eine Waldlandschaft und dann kommt jemand und retuschiert einfach mit einem Pinsel einen Baum weg. Das geht nicht! Ein Frevel! So ist es hier auch."

Herbststimmung im Großen Garten in Dresden
Als historischer Park erfreut sich der Große Garten in Dresden eines beeindruckenden Baumbestands. Doch selbst Baumriesen können Trockenheit und anderen klimatischen Veränderungen nicht immer standhalten. Bildrechte: imago stock&people

Wenn diese Buche jetzt wegfiele, das ist wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich: Sie sehen eine Waldlandschaft und dann kommt jemand und retuschiert einfach mit einem Pinsel einen Baum weg. Das geht nicht! Ein Frevel!

Christian Striefler, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH

Lösungen für die Zukunft gesucht

In der Zukunft wird sich das Problem der Trockenheit eher noch verschärfen, sieht man sich die Hochrechnungen der Klimaexperten an. Kurzfristige Schadensbegrenzung reicht nicht, mittel- und langfristig muss man sich nicht nur im Großen Garten und in Pillnitz etwas einfallen lassen. Deshalb hat sich das Schlösserland Sachsen um die Teilnahme am vom Bund geförderten Programm "Klimaanpassung und Modernisierung in urbanen Räumen" beworben, war erfolgreich und kann jetzt mit 3 Millionen Euro verteilt auf drei Jahre rechnen. Man wolle nun mit der TU Tharandt zusammenarbeiten, um herauszufinden, welche Bäume in den Parks noch angepflanzt werden können, berichtet Striefler und hat außerdem technische Visionen: "Wir werden auch, um uns arbeitskräftemäßig zu entlasten, mittelfristig Roboter entwickeln für die Wegepflege, für die Heckenpflege, vielleicht auch für die Bewässerung der Kübelpflanzen."

Roboter im Großen Garten – an diese Vorstellung muss man sich erstmal gewöhnen! Mittelfristig heißt in den nächsten fünf bis zehn Jahren. Denn die Roboter, die in Zukunft durch den großen Garten rollen könnten, gibt es noch gar nicht. Entwickeln will die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH sie zusammen mit dem Barkhausen-Institut der TU Dresden, das am Internet der Dinge forscht.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Februar 2021 | 08:15 Uhr