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Die Altenberger Pinge in der Unesco-Welterbe Montanregion Erzgebirge Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Bergbau erwandern

Wanderwege in Sachsen: Vom Tagebau zum Naturparadies

Stand: 13. Oktober 2021, 16:06 Uhr

Dort, wo einst Hochbetrieb im Tagebau herrschte, führen heute grüne Wanderwege durch die vom Bergbau geprägte Landschaft Sachsens. Schächte, Stollen und geflutete Tagebaurestlöcher zeugen insbesondere in der Unesco-Welterbe Montanregion Erzgebirge und im Leipziger Umland von der jahrhundertealten Bergbau-Tradition im Freistaat. MDR KULTUR hat für Sie eine Auswahl an Wanderwegen und Bergbaulehrpfaden durch renaturierte ehemalige Tagebau- und Bergbau-Gebiete in Sachsen zusammengestellt. In diesem Sinne: Glück auf!

Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří

Der Erzreichtum und der daraus resultierende Bergbau gaben dem Erzgebirge einst seinen Namen. Seit 2019 zählt die Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří zum UNESCO-Welterbe. Die traditionsreiche Bergbaugeschichte der Region lässt sich auf zahlreichen landschaftlich abwechslungsreichen Bergbaulehrpfaden mit geologischen und kulturellen Highlights erkunden. Der Frohnauer Weg etwa ist ein 8,3 Kilometer langer Wanderweg, der durch die Geschichte des mittelalterlichen Bergbaus führt. Folgt man den Markierungen von Schlägel und Eisen auf gelbem Grund passiert man alte Bergarbeiterwohnhäuser und die Himmelfahrt Fundgrube bis man schließlich zur Grube Krönung mit dem Malwine-Schacht gelangt. Besonders lohnenswert ist außerdem ein Abstecher zur Schreckenberg-Ruine, von wo aus sich eine wundervoller Ausblick über Annaberg bietet.

Altes Mundloch von 1451 am Zechenplatz in Oberschlema im Erzgebirge. Bildrechte: IMAGO / Hanke

Bergbaulehrpfade in Olbernhau und Ehrenfriedersdorf

Ein etwas anspruchsvollerer Bergbaulehrpfad startet am Markt Olbernhau. Auf der 17,9 Kilometer langen Wanderroute geben Informationstafeln Aufschluss über die Geschichte des Altbergbaus im Raum Olbernhau. Höhepunkte dieser Wanderung sind der Gnade Gottes Erbstollen, der Glück auf Schacht und die Gabriela Zeche mit Halde in Brandov, die Saigerhütte Olbernhau-Grünthal mit dem Kupferhammer sowie die Antrazithabraumhalde im Olbernhauer Stadtteil Dörfel.

Das Schaubergwerk Ehrenfriedersdorf ist einen Besuch wert. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Der Bergbaulehrpfad Silberstraße Ehrenfriedersdorf hingegen führt tief ins das schöne Greifensteingebiet hinein. 25 Stationen auf 13,5 Kilometern bringen zahlreiche Zeugnisse des alten Bergbaus zum Vorschein, darunter Stollenmundlöcher und Pochwerksruinen. Aussichtsfelsen, Naturtheater und ein Erlebniskletterwald an den Greifensteinen machen diese Wanderung zu einem ganz besonders abwechslungsreichen Kulturerlebnis.

Außerdem empfehlenswerte Wanderrouten in der Montanregion Erzgebirge sind der Bergbau- und Sanierungslehrpfad rund um Schlema und der Grüne Graben in Pobershau.

Das Besucherbergwerk Ehrenfriedersdorf Bildrechte: imago images / Rainer Weisflog

Mehr Informationen zu Wanderungen in der Montanregion ErzgebirgeBergbaulehrpfad Frohnauer Weg
Ausgangspunkt: Am Frohnauer Hammer
Sehmatalstraße 3 I 09456 Annaberg-Buchholz

Strecke: 8,3 km
Dauer: 2:20 h
Schwierigkeit: mittel

Bergbaulehrpfad Olbernhau - Brandau
Ausgangspunkt: Markt Olbernhau I 09526 Olbernhau

Strecke: 17,9 km
Dauer: 5:05 h
Schwierigkeit: leicht

Bergbaulehrpfad Silberstraße Ehrenfriedersdorf
Ausgangspunkt: Besucherbergwerk Zinngrube Ehrenfriedersdorf
Am Sauberg I 109427 Ehrenfriedersdorf

Strecke: 13,7 km
Dauer: 3:45 h
Höhe: 708 m

Anreise:
Mit der Bahn bis zum Hauptbahnhof Chemnitz und von dort aus weiter mit der Erzgebirgsbahn nach Annaberg-Buchholz. Oder mit dem Bus von Chemnitz oder Dresden.

Leipziger Neuseenland: Rundwanderweg zur Halde Trages

Der Bergbau-Technik-Park zwischen dem Markkleeberger und Störmthaler See hält die Industriegeschichte der Region um Leipzig wach. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Eines der vielen Wanderziele in der Bergbaufolgelandschaft Leipziger Neuseenland ist der künstlich aufgeschüttete Hügel Halde Trages. Südöstlich von Leipzig gelegen enstand das Plateau um 1940 aus Aufschlussmassen des Tagebaus Espenhain. Informationstafeln entlang des etwa zehn Kilometer langen Rundwegs geben Aufschluss über die vielfältige Flora und Fauna im einstigen Tagebau, der heute bedrohten Arten idealen Lebensraum bietet. Auf dem 228 Meter hohen Hügel ragt ein Aussichtsturm in den Himmel. Erklimmt man die Stufen des 33 Meter hohen Turms bietet sich ein einzigartiger Panoramablick auf ehemalige Tagebaurestlöcher, die seit ihrer Flutung die grüne Landschaft des Leipziger Neuseenlands prägen.

Für Langstreckenwanderer und all jene, die eine größere Herausforderung suchen, empfiehlt sich eine vollverpflegte zweitägige Sieben-Seen-Wanderung zu buchen. Der Name verrät es: Die insgesamt knapp über 100 Kilometer lange Strecke führt vorbei durch eine abwechslungsreiche Landschaft entlang von sieben ehemaligen Tagebaurestlöchern wie dem Zwenkauer See, dem Störmthaler See und dem Cospudener See. Das jährlich am ersten Maiwochenende stattfindende Wander-Großereignis startet am Rathausplatz Markkleeberg. Tickets können online gebucht werden.

Blick auf den Störmthaler See, der durch die Flutung des ehemaligen Braunkohletagebaus Espenhain entstanden ist. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Mehr Informationen zum Rundwanderweg zur Halde TragesAusgangspunkt:
Orangerie von Mölbis I 04571 Rötha OT Espenhain

Strecke: 10 km
Dauer: 2:15 h
Schwierigkeit: mittel

Ausgangspunkt der Sieben-Seen-Wanderung:
Rathausplatz I 04416 Markkleeberg

Strecke: 100 Kilometer
Dauer: 2 Tage

Nächster Termin: 8. bis 10. Oktober 2021
Parkmöglichkeiten vorhanden. Anreise per Busshuttle möglich.

Naturlehrpfad Grabschützer See

Der Naturlehrpfad Grabschützer See ist ein eindrucksvoller Beweis dessen, wie sich die Natur das ehemalige Braunkohle-Tagebaugebiet Delitzsch-Südwest/Breitenfeld zurückerobert hat. Auf dem etwa sieben Kilometer langen Rundweg informieren 17 Tafeln über die Besonderheiten der rehabilitierten Landschaft, die heute zahlreichen geschützten Arten Lebensraum bietet. Entlang des Pfades gibt es fest installierte Fernrohre zur Beobachtung der dort ansässigen Tiere, darunter vor allem seltene Vogelarten wie Rothalstauscher und Seeadler. Unweit des Grabschützer Sees befindet sich der 450 Hektar große Werbeliner See, der zum nördlichen Leipziger Neuseenland zählt und aus dem 1993 stillgelegten Tagebau Delitzsch-Südwest entstanden ist. Wer über ausreichend Energiereserven verfügt, kann im Anschluss die einzigartige Naturlandschaft, die nach der Flutung der Neuen Luppe entstanden ist, erwandern.

Mehr Informationen zum Naturlehrpfad Grabschützer SeeAusgangspunkt:
Hallesche Straße I 04509 Zwochau

Strecke: 7 km
Dauer: 1:45 h
Schwierigkeit: leicht

Rundwanderung um den Werberliner See
Ausgangspunkt: Parkplatz im Osten des Sees, am Ende der Kattersnaundorfer Straße I 04509 Wiedemar

Parkmöglichkeiten sind vorhanden.

Anreise:
Mit der Bahn über Bahnhöfe in Rackwitz oder Delitzsch.
Mit dem Bus: Linie 190 oder Linie 206 bis zur Haltestelle Leipziger Straße, Zwochau.

Rundwanderweg Hohburg mit Bergbaupfad

Die Hohburger Berge in Nordsachsen entstanden vor circa 280 Millionen Jahren durch Vulkanexplosionen. Während der Eiszeit wurden die Felsen sodann von Eismassen zu Hügeln umgeformt. Davon zeugen auf dem ehemaligen Kaolintagebau am "Kleinen Berg" die noch immer gut sichtbaren Gletscherschliffe. Durch jahrzehntelangen intensiven Steinbaubetrieb entstanden über die Jahrhunderte steile Porphyr-Felswände, die Wanderern die Illusion bescheren, in den Alpen zu sein. Noch bis 1965 wurde bei Hohburg Kaolin abgebaut. Durch Flutung des Tagebaus entstand der Kaolinsee. Ein etwa fünf Kilometer langer Rundwanderweg führt auf gut begehbaren und beschilderten Waldpfaden vorbei am stillgelegten Steinbruch am Löbenberg und am teilaktiven Zinkenberg. Nach der Wanderung lohnt ein Besuch im Museum Steinarbeiterhaus in Hohburg, das über die Geschichte des Bergbaus in der Region informiert und praktischerweise den Start- und Zielort des Rundwanderwegs Hohburg markiert.

Eine mehr als 100 Jahre alte fahrbare Anlage zum Zerkleinern von Steinen, auch Knackmaschine genannt, gehört zu den Attraktionen im Steinarbeiter-Museum in Hohburg. Bildrechte: dpa

Mehr Informationen zum Rundwanderweg HohburgAusgangspunkt:
Museum Steinarbeiterhaus Hohburg
Martin-Luther-Straße 5 I 04808 Lossatal

Strecke: 5 km
Dauer: 2,5 h mit Pausen
Schwierigkeit: leicht

Anfahrt mit dem Bus: Linie 672: Wurzen in Richtung Hohburg bis Station Linde

Eine geführte Wanderung ist möglich über Anmeldung im Museum Steinarbeiterhaus unter der Telefonnummer 034263 / 41344.

Parkmöglichkeiten in der Kirchgasse in Hohburg.

Tagebaulehrpfad am Olbersdorfer See

Der Lehrpfad am Tagebaurestsee Olbersdorf führt durch eine vom Braunkohlenbergbau veränderte Landschaft im Landkreis Görlitz. Entlang des Lehrpfades informieren 13 Informationstafeln über die Bergbaugeschichte und die landschaftlichen Besonderheiten, die durch den Bergbau entstanden sind. Der Olbersdorfer See ist mit 60 Hektar die größte Wasserfläche in der Umgebung von Zittau.

Der Oberolsdorfer See wurde renaturisiert und bietet ein wunderschönes Ausflugsziel für Wanderer am Fuße des Zittauer Gebirges. Bildrechte: dpa

Mehr Informationen zum Tagebaulehrpfad am Olbersdorfer SeeAdresse:
02785 Olbersdorf

Strecke: 10,5 km
Dauer: 2:40 h
Schwierigkeit: leicht

Anreise vom Bahnhof Zittau mit der Buslinie A

Parkmöglichkeiten am Olbersdorfer See

Ehemaliger Braunkohletagebau Berzdorf im Lausitzer Seenland

Kaum eine andere ehemalige Kraftwerklandschaft hat sich in ein derartiges renaturiertes Erholungsgebiet verwandelt wie das Lausitzer Seenland. Am südöstlichen Eckpunkt des künstlich angelegten Seengebiets, unweit von Görlitz, befindet sich der Berzdorfer See: Entstanden aus dem gefluteten Restloch des ehemahligen Braunkohletagebaus Berzdorf, zählt der 960 Hektar große See heute zu den größten in ganz Sachsen. Auf einem etwa 17 Kilometer langen Wanderweg lässt sich der Berzdorfer See umrunden. Die Rundwanderung führt vorbei an der Blauen Lagune, einem der schönsten Strände ganz Sachsens. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten entlang des Wanderweges zählt ein 1961 erbauter 75 Meter langer Schaufelradbagger, der bis 2001 im Einsatz im Braunkohleabbau war und heute für Besucherinnen und Besucher begehbar ist.

Durch den ehemaligen Tagebau Berzdorf unweit von Görlitz führen abwechslungsreiche Wanderwege. Bildrechte: dpa

Mehr Informationen zum Rundwanderweg Berzdorfer SeeAdresse:
02899 Schönau-Berzdorf

Strecke: 15,7 km
Dauer 3:44 h
Schwierigkeit: leicht

Parkmöglichkeiten am Nordstrand des Berzdorfer Sees.

Anreise mit der Görlitzer Bus Linie E aus der Stadt über Innenstadt und Weinhübel.

Übersicht: Bergbaugeschichte erwandern in Mitteldeutschland