DDR-Mode-Legende Sammlung zum "Roten Dior" unterm Hammer

Es war DIE Modemarke der DDR: Bormann aus Magdeburg. Geführt von Heinz Bormann, auch "der rote Dior" genannt. Jetzt sind bisher unbekannte Schriftstücke, Modefotos, Privataufnahmen und Prospekte der Firma, die Anfang der 70er Jahre verstaatlicht wurde, aufgetaucht. Am Samstag kommen sie in Magdeburg unter den Hammer.

Nadja Gröschner, Kulturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin Alte Feuerwache Magdeburg und Veranstalterin von Modenschauen mit Heinz Bormann Kleidern in der alten Feuerwache.
Nadja Gröschner veranstaltet Modenschauen mit Heinz-Bormann-Kleidern Bildrechte: Pia Uffelmann

Am Samstag wird die Sammlung Bormann in Magdeburg versteigert. Bormann war DIE Modemarke der DDR. Gegründet Anfang der 1950er-Jahre in Schönebeck, später in Magdeburg, kreierte die Firma von Heinz Bormann Mode mit einem gewissen Luxus für die Frau, abseits der sozialistischen Einheits-Bekleidung.

Das Versteigerungs-Konvolut besteht aus einem Sammelsurium an Dokumenten, Fotos, Magazinen, Firmenschreiben. Lose geordnet in Klarsichtfolien und Fotoalben, die Kellergeruch verströmen. Die Auktion wird pandemiebedingt "still" stattfinden, also ohne Saalpublikum. Übertragen wird die Auktion aber ins Internet, dort kann man live mitbieten oder aber vorab schon ein schriftliches Gebot einreichen. Der Verkäufer fordert ein Mindestgebot von 800 Euro.

Bilder zu Heinz Bormann

Skizzen von Bormann
Skizzen von Modeschöpfer Heinz Bormann, genannt "Der rote Dior" Bildrechte: Pia Uffelmann
Skizzen von Bormann
Skizzen von Modeschöpfer Heinz Bormann, genannt "Der rote Dior" Bildrechte: Pia Uffelmann
Foto aus Fotoalbum. Rechts auf dem Bild Heinz Bormann zu sehen Datum unbekannt
Rechts im Bild: Heinz Bormann "Der rote Dior" Bildrechte: Pia Uffelmann
Nadja Gröschner, Kulturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin Alte Feuerwache Magdeburg und Veranstalterin von Modenschauen mit Heinz Bormann Kleidern in der alten Feuerwache.
Nadja Gröschner, Kulturwissenschaftlerin, Geschäftsführerin Alte Feuerwache Magdeburg und Veranstalterin von Modenschauen mit Heinz Bormann Kleidern in der alten Feuerwache. Alle Kleider auf dem Kleiderständer sind Bormann Kleider. Sie hält ein typisches Kleid hoch, aus Wollgeorgette aus dem Jahr 1967. Bildrechte: Pia Uffelmann
Peter Bieberle von dem familiengeführten Auktionshaus Bieberle in MD schaut sich Negative an.
Peter Bieberle von dem familiengeführten Auktionshaus Bieberle in Magdeburg schaut sich Negative an. Bildrechte: Pia Uffelmann
Models mit Bormann-Mode
Models mit Bormann-Mode Bildrechte: Pia Uffelmann
Bormann
Die Marke Heinz Bormann Bildrechte: Pia Uffelmann
Unterlagen aus dem Nachlass
Aus dem Nachlass von Heinz Bormann Bildrechte: Pia Uffelmann
Fotos der Models mit Bormann-Mode
Aus dem Nachlass von Heinz Bormann Bildrechte: Pia Uffelmann
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Magdeburger Modewelten

Die Kulturwissenschaftlerin Nadja Gröschner sieht in dem Konvolut ein wichtiges Puzzlestück in der Bormann-Forschung. Sie würde sich wünschen, dass es eine Einrichtung der Stadt Magdeburg kauft, also das Museum oder das Stadtarchiv. Es müsse unbedingt bewahrt werden. Der Modezar Bormann habe genau gewusst, was Frauen mögen und wollen – und ihnen auch mal für einen Moment einen Luxus gegeben, sagt Gröschner.

Bormann-Kleider waren sehr, sehr teuer. Ein Luxus. Aber ich glaube, jede Frau aus Magdeburg wollte unbedingt ein Bormann-Kleid haben.

Nadja Gröschner

Die Geschäftsführerin des Kulturzentrums Feuerwache in Magdeburg veranstaltet drei Mal im Jahr Bormann-Modenschauen. Zu sehen sind dann kurze Etuikleider aus Wollgeorgette, feuerrot mit schwarzen Knöpfen, schick aber durchaus alltagstauglich. Oder aber aufwändig gearbeitete Abendgarderobe: Beispielsweise aus rosafarbener Plauener Spitze, bodenlang, mit einzeln aufgenähten Steinen oder aber kurze Kleider mit hunderten einzeln aufgenähten schillernden Pailletten.

Spitzname "Der rote Dior"

Es sind diese Kleider, wegen der der Unternehmer in den 60er-Jahren seinen Spitznamen "Der rote Dior" bekam. Den Begriff, so Gröschner, habe ein westdeutscher Journalist geprägt.

Bormann sei schon in den 50er-Jahren mit seinen Modellen in die Bundesrepublik gefahren und habe dort große Modenschauen veranstaltet. Ende der 50er-Jahre hätten dann Quelle und Neckermann ihr Interesse bekundet. "Die wollten unbedingt seine Mode mit in den Katalog aufnehmen. Also er hat für die westdeutsche Frau ganz viel genäht.", so Gröschner. Die Kulturwissenschaftlerin beschäftigt sich schon über ein Jahrzehnt mit dem Modezar Heinz Bormann.

Modedesigner Heinz Bormann mit Models auf DDR-Tournee in Oberhof
Modedesigner Heinz Bormann mit Models auf DDR-Tournee in Oberhof Bildrechte: imago/Harald Lange

Millionen-Umsätze

Gröschner zufolge sind die jetzt aufgetauchten Dokumente ziemlich interessant und auch als Zeitdokumente ganz wichtig. Darunter sind auch bisher unbekannte Negative und Privataufnahmen sowie aufschlussreiche Firmen-Dokumente, erklärt Peter Bieberle vom Auktionshaus Bierberle. Sie geben auch Aufschluss über die Größenordnung der Firma. Wenn man in den Dokumenten von einem Jahresumsatz von 5 Million DM Ende der 50er-Jahre lese, bekäme man eine Idee, welche Bedeutung die Firma hatte. Nicht nur regional, sondern überregional. Die Firma präsentierte ihre Modelle in zwölf Ländern.

Plötzliches Ende

Anfang der 70er-Jahre war dann abrupt Schluss: Die Heinz-Bormann-Bekleidungswerkstätten wurden verstaatlicht.

Umso überraschender, dass jetzt, knapp 50 Jahre später plötzlich diese Dokumente auftauchen. Sie stammen, so vermutet das Auktionshaus, aus dem Nachlass des Grafikers Günter Hilmer, der für die Modefirma arbeitete. Ein Privatmann hat sie dem Auktionshaus angeboten. Der habe nicht verraten, wo er diese her habe. Er habe sie geschenkt bekommen, in einer losen Blattsammlung, lieblos übereinander geschmissen und habe sich dann die Mühe gemacht, alles einzeln in Klarsichtfolien zu stecken und zu sortieren.

Vor der Auktion am Samstag konnte man die Dokumente schon in Augenschein nehmen – was auch vier bis fünf Interessierte genutzt haben.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. August 2020 | 07:45 Uhr