Buga-Außenstandort Darum ist der Landschaftspark Ebersdorf einen Besuch wert

Ebersdorf ist ein kleiner 900-Seelen-Ort im Saale-Orla-Kreis. Dass sich in dem Ort nahe der Bleilochtalsperre ein Schloss nebst Schlosspark befinden, ist ein Beispiel Thüringischer Erbteilung. Der weitläufige Landschaftspark misst heute gut 55 Hektar, wurde in seiner jetzigen Form vom sächsischen Oberlandbaumeister Christian Friedrich Schuricht entworfen – und ist in diesem Jahr einer der Außenstandort der Buga 2021 in Erfurt.

Teehäuschen Park Ebersdorf, Saalburg Ebersdorf
Im Teehäusschen können Paare sich trauen lassen. Bildrechte: imago/imagebroker

Der Schlosspark Ebersdorf ist ein geradezu idealtypischer Landschaftspark nach englischem Vorbild mit Wiesenzügen, Sichtachsen, Wasser und Wald, Baumgruppen und Parkarchitektur. Das Grabmal der Reusschen Herrscherfamilie wurde von keinem Geringeren als Ernst Barlach gestaltet.

Nach 1946, als die letzten Reussen enteignet worden waren, hatten sich die Ebersdorfer den Park zu Eigen gemacht. In der geräumigen, barocken Orangerie hatten sie damals eine Gaststätte installiert und es fanden Dorffeste wie die Kirmes statt. Noch heute kann man sich im Teehäuschen am Pfotenteich trauen lassen und es entstand eine Freilichtbühne. 

Das wohl ungewöhnlichste Bauwerk steht seit 1952 mitten im Park – ein ganzes Schulgebäude. Was sich befremdlich anhört, war doch ein Glücksfall, denn der Erfurter Architekt Günther Hack entwarf ein Gebäude, das heute zu Recht unter Denkmalschutz steht, wie Marianne Graf vom Schlossparkverein erzählt: "Das ist ein Flachbau mit drei Achsen, so dass jede Klasse Aussicht in den Park hat und jede Klasse auch jederzeit in den Park gehen könnte. Der Unterricht findet praktisch im Grünen statt."

Vom Geheimtipp zum Buga-Außenstandort

Die Gemeinde hat den Park über die Jahrzehnte recht und schlecht in Ordnung gehalten. Mit dem Zuschlag als Buga-Außenstandort kam Bewegung in die Sache. Ebersdorf gehört heute zur Stadt Saalburg und der dortige Bauamtsleiter setzte durch, dass der Park erstmals als Gartendenkmal erfasst und bewertet wurde. Seit zwei Jahren ist wieder ein Parkgärtner in der Stadtverwaltung angestellt.

Der Schlossparkverein wurde vor allem mit der Idee gegründet, dass im Buga-Jahr spezielle Parkführungen angeboten werden und auch ein Kulturprogramm: "Wir haben jeden Monat eine größere Musikveranstaltung, auch Buchlesungen von Schriftstellern werden stattfinden und einiges anderes", erzählt Marianne Graf vom Verein.

Spazieren entlang des Kunstpfades

Die Mitglieder haben einige Kunstprojekte angeschoben, gemeinsam mit der Schule und der hier ansässigen Herrnhuter Brüdergemeine. Man kann sie auf dem Ebersdorfer Kunstpfad ablaufen. Eine Station ist eine gewaltige Buche nahe der Parkschule, der hiesige Zuckertütenbaum. "Diese Zuckertüten, natürlich von den Kindern geschmückt, bleiben bis zum Herbst hängen und die Leute finden es sehr interessant, weil Auswärtige ja nicht wissen, was ein Zuckertütenbaum ist", sagt Graf. Es sei üblich, das Kindergartenkinder diese kleinen Tüten an den Baum hängen, klärt sie auf. So würden sie wachsen und zur Einschulung könnten sie dort ihre großen Zuckertüten pflücken.

Gewissermaßen als Gegenstück zum Zuckertütenbaum haben die Herrnhuter in eine gewaltige Blutbuche zwei Dutzend Herrnhuter Sterne gehängt. Diese Buche steht auf dem Zinzendorfplatz, der in seiner barocken Struktur eine hoch interessante Ergänzung bildet zum Ebersdorfer Park und der gemeinsam mit dem Henrrnhuter Gottesacker natürlich auch Bestandteil dieses sehr besonderen BugaStandortes ist.

Weitere Informationen Der Eintritt in den Park ist frei.
Eine Ausstellung zur Parkgeschichte ist in der Orangerie zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 16. Juni 2021 | 06:15 Uhr

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