Ausflugstipp Wie Gotha als Außenstandort der Buga 2021 punktet

Auch die Residenzstadt Gotha ist ein Außenstandort der Bundesgartenschau Erfurt 2021 und wurde aus 53 Bewerbungen von Kommunen ausgewählt. Gotha? Ja, die Stadt mit dem barocken Erbe, dem englischen Park und der Orangerie. Vieles hier steht manchmal im Schatten anderer Städte – und das ist schade, meinen die BUGA-Mitstreiter der Stadt. Sie setzen auf Tulpen, Astern und ihre historische Wasserkunst mitten in der Stadt.

Auch wenn der Gothaer Hauptmarkt noch eine Baustelle ist, sprudelt am oberen Ende die Wasserkunst – frisch saniert, ein Bauwerk aus dem späten 19. Jahrhundert. Zwischen nachgeahmten Felsen fließt hier das Wasser, darum herum knallrote Tulpen und dekorative Kaiserkronen.

Es ist BUGA-Zeit, auch hier, und Maja Neumann von der KulTourStadt Gotha freut sich auf Gäste: "Im Zusammenhang mit der BUGA ist es vor allem die Nähe zum Hauptstandort Erfurt: Wir liegen maximal 15 Fahrminuten entfernt, das kann man wunderbar miteinander verbinden." Und da gibt es noch etwas, was Gästen entgegenkommen dürfte: Die Flächen sind öffentlich und ohne Eintrittskarten zugänglich.

Gothas reiches barockes Erbe

Das historische Rathaus von Gotha steht inmitten einer riesigen Baustelle
Die Baustelle auf dem Hauptmarkt in Gotha. Bildrechte: dpa

Auch das Schloss wird derzeit in Teilen saniert. Das barocke Erbe, die Gärten und Parks, die Schlossanlage aus dem 17. Jahrhundert mit all den vielen, manchmal auch versteckten Details sind das, was Gotha ausmacht, schwärmt Eleonore Voll, eine der Gästeführerinnen der Stadt: "Es geht weiter über das Schloss Friedrichsthal mit dem barocken Garten, von dem leider auch nicht mehr viel da ist, dann kommt die Orangerie und als letztes der Englische Park. Und die wunderbare Wasserkunst – die hat man erst Ende des 19. Jahrhunderts angelegt."

Und schon damals wurde überlegt, wie man Wasser transportieren könnte. In dem Fall mit dem Leina-Kanal, einem System mit Wasserpumpe, vermutlich schon im 15. Jahrhundert erdacht, um eben später auch den Schlossberg und die Brunnen, aber auch den Park zu bewässern. Den Kanal gibt es immer noch und gleich neben der heutigen Wasserkunst, im Lucas-Cranach-Haus, sind eine Ausstellung dazu und im Keller ein später entwickeltes Pumpensystem zu bewundern. 

Die Reste einer mächtigen Wehranlage

Wenn Eleonore Voll ihre Gäste durch Gotha führt, macht sie auch an einem kleinen Gedenkstein Halt. Er erinnert an Conrad Ekhof, der als Vater der deutschen Schauspielkunst gilt und seine letzten Lebensjahre in Gotha verbrachte, von 1774 bis 1778. Das Haus gibt es nicht mehr, aber ein nach Ekhof benanntes historisches Theater im Schloss. 

Schloss Friedenstein in Gotha, Südseite
Schloss Friedenstein in Gotha Bildrechte: Stiftung Schloss Friedenstein Gotha /Lutz Ebhardt

Der Weg führt am Fuße des Schlosses vorbei. Was in Erfurt der Petersberg mit seiner Zitadelle ist, gab es so ähnlich auch in Gotha: eine stattliche Wehranlage. Nur hat diese die Zeiten nicht überdauert, denn sie wurde um 1800 abgetragen. Zumindest an der Oberfläche ist deshalb fast nichts mehr zu sehen, bis auf einige der stattlichen Mauern. Sie gehörten zu einer der stärksten barocken Festungsanlagen Mitteldeutschlands. Einen Teil davon, die Kasematten, kann man heute besichtigen.

Gotha blüht auf

Doch was ist anders geworden in diesem Jahr, wenn man als Stadt BUGA-Außenstandort ist? Maja Neumann erklärt: "Wir arbeiten mit dem, was vorhanden ist. Das Besondere ist die Bepflanzung, die sich angepasst hat."

Herzogliche Museums Gotha
Das Herzogliche Museum Gotha Bildrechte: MDR/Heidje Beutel

Und das fällt wirklich auf: Viele Blumenarten – derzeit die leuchtenden Tulpen – ziehen sich vom BUGA-Hauptort in Erfurt eben auch hin zu den Außenstandorten. Auch die Orangerie und ihr Park werden in diesem Jahr etwas anders bepflanzt. Und eine Ausstellung soll es dort geben, ebenso wie im Herzoglichen Museum. Zudem Sonderführungen durch die Stadt zu den Themen Freimaurer und Illuminaten. Und im Gothaer Park werde eine ganz neue Perspektive in den Fokus genommen, erklärte Neumann: "Die Blickachsen im Park – das weiß teilweise keiner, dass da eine Sphinx auf dieser Begräbnisinsel steht."

Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer

Jahrelang lag so manches eher im Dornröschenschlaf, aber jetzt gebe es viel Bewegung, sagt auch Eleonore Voll, auch dank viel ehrenamtlichem Engagement. Zum Beispiel gebe es ein neues Kamelienhaus am historischen Standort, für das ein Verein lange gesammelt habe: "Kamelien waren ja früher das A und O in einer Orangerie, und wenn die blühten, das war ein besonderes Ereignis." 

Voll biegt ab in den Englischen Park, der auf das Jahr 1765 zurückgeht, und in dem noch heute Stieleichen von damals stehen. Wer weniger Barock möchte, sondern die anderen Blicke sucht, dem sei die Gartenstadtsiedlung "Am schmalen Rain" empfohlen. Vor genau 100 Jahren entstand dort eine hufeisenförmige Anlage im Sinne der Genossenschaften und der Gartenstadtbewegung. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Mai 2021 | 06:15 Uhr

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