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ThüringenWas wird aus der Erfurter Defensionskaserne?

Thüringen

Kaserne auf Erfurter Petersberg: Bald ein Ort für Kunst und Kultur?

von Blanka Weber, MDR KULTUR

Stand: 15. Februar 2021, 11:26 Uhr

Das sieben Hektar große Areal des Petersbergs in Erfurt beherbergt neben der größten romanischen Basilika Thüringens auch eine 200 Jahre alte Kaserne. Ende April will die Bundesgartenschau (BUGA) hier ihre Pforten öffnen. Bis dahin gibt es jedoch noch Einiges zu tun: Auch eine erste Nutzung der ehemaligen militärischen Anlage ist geplant – doch was geschieht danach mit der Kaserne?

Auf dem Erfurter Petersberg sind die Bauarbeiten anlässlich der Bundesgartenschau 2021 bereits in vollem Gange. Die zuständige Bauingenieurin Birgit Gräfenhahn kennt das Areal rund um die verfallene Defensionskaserne in- und auswendig. Nach jahrelangem Leerstand wird die Kaserne nun also endlich wiederbelebt. Geplant sei neben einer gastronomischen Bewirtschaftung unter anderem ein Ausstellungsbereich mit Schwerpunkt Tourismus und Archäologie. Auch Künstlerinnen und Künstler sollen in zwei weiteren Räumen der ehemaligen Kaserne Einzug halten, erklärt Gräfenhahn, die sich eines ganz gewiss ist: "Wenn man das Gebäude für die Dauerhaftigkeit herstellt, wird auch noch viel zu tun sein."

Die zündende Idee: Ein Kulturort im Militärgebäude

Die Bauarbeiten auf dem Erfurter Petersberg laufen auf Hochtouren Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mindestens 20 Jahre lang wurde das 200 Jahre alte Gemäuer auf dem Petersberg dem Verfall überlassen, bis man schließlich die zündende Idee hatte: Warum nicht das ehemalige Militärgelände zum Kulturort machen? Das Budget zur Instandsetzung der Kaserne beträgt zum jetzigen Zeitpunkt 1,2 Millionen Euro. Allein die Staatskanzlei gab 760.000 Euro Fördermittel dazu, gibt Birgit Gräfenhahn preis. Ob dieses Budget reicht, um das verfallene Gebäude dauerhaft auf Vordermann zu bringen und in einen Kulturort zu verwandeln, ist jedoch fraglich.

Neue Perspektive für altes Gebäude

Doch wie steht es um eine längerfristige Nutzung des Gebäudes, wenn die BUGA 2023 nach Mannheim weiterzieht? Zuletzt wurde die Idee eines großflächigen Museums favorisiert. Bereits 2017 hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet und im September 2019 noch einmal mündlich bekräftigt, aus der Kaserne einen Kulturort machen zu wollen. Seitdem steht die Idee eines Landesmuseums im Raum: Kulturminister Benjamin Hoff nennt das eine "charmante Idee", die nicht nur der Defensionskaserne zu neuer Funktion verhelfe, sondern auch dem Bedürfnis nach einer Repräsentation Thüringens Rechnung trage.

Rudert die Landesregierung zurück?

Doch die Umsetzung der "charmanten Idee" von einst liegt noch in weiter Ferne. Das zähe Voranschreiten der Pläne hat zweierlei Ursache: Zum einen ist es der dürftigen Finanzlage des Landes geschuldet. Zum anderen wird der Prozess durch eine hitzige Debatte rund um eine Frage gebremst: Wie soll so ein Landesmuseum eigentlich aussehen? Viele Museen im Freistaat fürchten, ihre wichtigsten Exponate an Erfurt abtreten zu müssen.

Nichtsdestotrotz bleibe das Ziel, der Defensionskaserne eine Perspektive zu geben und sie zum Kulturstandort zu entwickeln, bekräftigt Kulturminister Hoff. Privates Kapital schließe man dabei nicht aus, auch darüber sei man bereits mit der Stadt im Gespräch. Dort habe man die Absichtserklärung sehr ernst genommen, bestätigt Kulturdezernent Tobias Knoblich:

Tobias Knoblich, Kulturdezernent der Stadt Erfurt Bildrechte: imago images/VIADATA

Die Stadt Erfurt ist im Augenblick auch damit beschäftigt, Fördermittel zu akquirieren, die eine Investition erlauben – das werden wir vorantreiben und dem Freistaat Vorschläge auf den Tisch legen.

Tobias Knoblich, Kulturdezernent der Stadt Erfurt

Unterdessen gehen die Arbeiten auf der Baustelle Petersberg weiter, und Birgit Gräfenhahn eilt zur nächsten Bauberatung – wohl wissend, dass hier nur der erste Schritt getan ist.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 15. Februar 2021 | 13:10 Uhr