Museen in Zeiten der Pandemie Festung Königstein: Wiedereröffnung scheitert am Internet

Der Königstein gilt als eine der schönsten Bergfestungen Europas. 247 Meter thront die riesige Wehranlage über der Elbe. Bis zur Pandemie machten sich jährlich eine halbe Million Besucher auf den Weg nach oben. Wann die wieder kommen dürfen, ist unklar. Nicht etwa wegen hoher Corona-Inzidenz-Werte, sondern weil die Online-Buchung für den Museumsbesuch nicht funktioniert. Nicht das einzige Problem. Klar ist hingegen, dass in China bald mehr von der berühmten Festung zu sehen sein wird.

Festung Königstein (Luftbild)
Festung Königstein (Luftbild) mit Blick auf die Elbe Bildrechte: IMAGO

Eigentlich dürfen Museen in Sachsen ab 15. März wieder öffnen, wenn die Inzidenz es zulässt. Die Festung Königstein bleibt absehbar über den Termin hinaus geschlossen, wie Geschäftsführerin Taube am Dienstag mitteilte.

Geschlossen wegen Internet- und Personalengpass

Als Grund nannte sie die schwache Internet-Verbindung, die keine Terminbuchung erlaube: "Wir könnten Besucher nur mit gebuchtem Termin auf die Festung einlassen."

Ein gebuchter Termin, das hieße also die Buchung eines Online-Tickets mit Tag und Uhrzeit, was, wie wir leider feststellen müssen, unser Internet nicht zulässt. Wir haben auf der Festung eine viel zu schwache Leitung.

Angelika Taube Geschäftsführerin Festung Königstein

Nicht nur die schwache Leitung verhindert die baldige Öffnung, wie Taube weiter erklärte: "Hinzu kommt, dass wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem benachbarten Tschechien haben und - wie wir alle wissen - ist die Grenze zu Tschechien momentan dicht."

Wir wissen nicht, wann unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Nachbarland Tschechien wieder bei uns werden arbeiten können. Wir brauchen diese Leute dringend, um den Besucherservice absichern zu können.

Angelika Taube Geschäftsführerin Festung Königstein

Stichwort: Museen-Wiedereröffnung und Inzidenz

In Sachsen könnte es laut Verordnung ab 15. März unter bestimmten Bedingungen mit der Wiedereröffnung von Museen losgehen:

Vorausgesetzt die 7-Tage-Inzidenz liegt an fünf Tagen in Folge unter 100 im Freistaat, den Landkreisen bzw. Kreisfreien Städten, dann könnten die Museen für Personen öffnen, die einen Termin gebucht haben.

Läge diese Inzidenz sogar unter 50, dürften Museen normal öffnen – ohne Terminbuchung und unter Berücksichtigung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln.

Schau im chinesischen Nanjing für September geplant

Während noch unklar ist, wann die Zugbrücke auf dem Königstein wieder hochgeht, steht zumindest die Eröffnung einer Schau im chinesischen Nanjing fest. Wie Geschäftsführerin Taube ebenfalls am Dienstag mitteilte, sollen im Stadtmauermuseum ab 30. September unter anderem eine Kopie der ersten urkundlichen Erwähnung der Festung, ein Teller aus Meißner Porzellan sowie Objekte aus dem 19. Jahrhundert wie etwa ein Degen oder eine Pickelhaube zu sehen sein. Ein Drohnenfilm präsentiere Aufnahmen von der Festungsanlage im Wandel der Jahreszeiten. Die Schau werde bis zum Frühjahr 2022 laufen.

Auf Festung Königstein selbst sollte Ende März eine Ausstellung zur frühesten Geschichte der Festungsanlage unter dem Titel "Viel früher als gedacht! Der Königstein in der Bronzezeit" eröffnet werden. Coronabedingt wurde sie verschoben, ein neuer Termin steht noch nicht fest. 2016 waren auf dem Felsplateau Scherben aus der Spätbronzezeit (1300 bis 800 v. Chr.) entdeckt worden. Kurator Markus Bitterlich zufolge erbringen sie den Beweis, dass Menschen bereits in der Bronzezeit auf dem Königstein lebten. Demnach könnte der Beginn der Nutzungsgeschichte der Festung um mehr als 2.000 Jahre vordatiert werden. Bisher wurde das Jahr 1241 als urkundliche Erwähnung angegeben.

Pandemie: Besucherrückgang und Millionen-Einbuße

Die Festung liegt auf dem Tafelberg Königstein oberhalb des gleichnamigen Ortes in der Sächsischen Schweiz. Sie gilt als eine der schönsten Bergfestungen Europas und gehört zu den eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten in Sachsen. Eingebettet in die bizarre Felslandschaft des Elbsandsteingebirges thront die riesige Wehranlage 247 Meter über der Elbe. Über 50 Bauwerke aus verschiedenen Epochen bilden auf dem 9,5 Hektar großen Felsplateau ein einzigartiges Ensemble, das jährlich einen halbe Million Besucher anlockt.

Mehr zur Festung Königstein

Der Name geht auf den böhmischen König Wenzel I. zurück, in dessen Herrschaftsgebiet die Burg damals fiel.

200 Jahre später kam die Burg zur Markgrafschaft Meißen.

Seitdem von den sächsischen Fürsten und Kurfürsten militärisch genutzt, wurde die Burg weiter ausgebaut. Sie war Rückzugsort in Kriegszeiten, Jagd- und Lustschloss und Gefängnis.

Sechs Jahre betrieb die DDR dort einen Jugendwerkhof.

1955 wurde die Festung ein militärhistorisches Freilichtmuseum und ist seitdem beliebtes Ausflugsziel.

Die Pandemie hat den Angaben zufolge zu einem Besucherrückgang von gut einem Drittel geführt, mit Umsatzeinbußen von 1,8 Millionen Euro. Rund 333.000 Gäste besuchten die Festung 2020, 2019 waren es noch 507.000 Besucherinnen und Besucher.

In Leipzig dürfen von Montag an Museen und Galerien wieder für Besucher öffnen. Voraussetzung ist eine vorherige Terminvereinbarung und die Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung, wie die Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag mitteilte. Damit setze man Optionen um, die die neueste Corona-Schutzverordnung in Sachsen biete. Ebenso starten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab 15. März. In Sachsen-Anhalt haben die ersten Museen bereits wieder geöffnet.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. März 2021 | 12:30 Uhr

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