Freilichtmuseum Die geretteten Häuser von Hohenfelden

Alte Häuser retten und diese möglichst komplett in den Museums-Freiluft-Park von Hohenfelden transportieren – das macht Franziska Zschäck mit ihrem Team. Symbolisch für zehn Euro werden die Häuser oftmals von Privatleuten erworben und damit vor dem Verfall bewahrt. Man baut sie an Ort und Stelle ab und in Hohenfelden wieder auf – mit alter Handwerkskunst und viel Geschick. So entsteht ein Blick in die Vergangenheit, den man sonst vielleicht bald nicht mehr hätte.

Arbeiter rüsten das neu erworbene Ländliche Wohnhaus ein.
Ein ländliches Wohnhaus – eines der Neuzugänge des Freilichtmuseums in Hohenfelden. Bildrechte: dpa

Das älteste Gebäude im Freilichtmuseum Hohenfelden, ein Wohnhaus aus Glücksleben, sei aus dem Jahr 1604, erzählt Franziska Zschäck. Sie ist seit neun Jahren die Leiterin des Thüringer Freilichtmuseums. Geht es nach ihr, wird hier noch so manches Gebäude Platz finden. Bisher gebe es 35 große und kleine Gebäude – vom Bienenhaus bis zum großen Bauernhaus. Derzeit würden das 36. und 37. gerade aufgebaut, so Zschäck. Die nächsten seien auch schon in Planung.

Publikum mehrerer Generationen

Coronabedingt ist auch das Freiluftmuseum derzeit geschlossen. Normalerweise ist hier ab Ostern viel Betrieb – vor allem Großeltern sind dann hier mit den Enkeln und machen eine Reise in de Vergangenheit: "Die Älteren sehen Dinge, die sie selber noch in Benutzung hatten und erklären das dann den Enkeln, freuen sich drüber, die wiederzusehen. Die Jüngeren staunen eher und freuen sich an den alten Bauweisen", so Franziska Zschäck.

Was sie immer besonders freue, dass viele Menschen sehen, dass man in diesen Häusern wohnen und leben könne und nicht alles abgerissen werden müssen. Denn so manches Gebäude, das in dem Freilichtmuseum steht, hat Franziska Zschäck schlicht vor dem Abriss bewahrt.

Franziska Zschäck, Leiterin des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden
Franziska Zschäck, Leiterin des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden Bildrechte: dpa

Was mich immer besonders freut, dass viele Menschen sehen, dass man mit diesen Häusern doch leben und in denen wohnen kann. Dass nicht alles abgerissen werden muss.

Entdeckungen und Geheimnisse

Eines der Neuzugänge des Museums ist das älteste Haus nördlich des Thüringer Waldes. Einst stand es in Abtsbessingen im Kyffhäuserkreis  – jetzt wird es im Freiluftmuseum zu bewundern sein. Franziska Zschäck erzählt, es sei ein Tipp eines Bauforschers gewesen, der Mitglied eines Fördervereins sei.

Zwei Monate habe es gedauert, das Haus vor Ort abzubauen. Rund anderthalb Jahre sind vergangen, um es in Hohenfelden wieder aufzubauen. "Was viele sicher ganz witzig finden, dass an der Seite ein Abort-Erker hängt und dass das, was man so von Burgen kennt früher auch in den Häusern auf dem Land üblich war," sagt die Museumsleitern. Heute würde man sagen: eine angebaute Außen-Toilette.

Franziska Zschäck, Leiterin des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden, blickt aus einer Scheune.
Museumsleitern Zschäck blickt aus einer Scheune, die auch zu den Neuzugängen des Museumsdorfs gehört.  Bildrechte: dpa

Franziska Zschäck wüsste gerne mehr über die früheren Besitzer – jene um 1600. Aber manchmal seien die Akten auch verbrannt, beispielsweise das Pfarrhaus-Archiv in Abtsbessingen sei erst ab dem Jahr 1800 zugänglich, frühere Informationen würden fehlen.

Geschichte erlebbar machen

Derzeit wird das Dach gedeckt – erstmals ein Strohdach. Das ist neu auf dem Areal, auch die Handwerker müssen sich da herantasten. Benötigt wird ein besonders langes und kräftiges Stroh. Das Eindecken das Daches wird den Angaben zufolge mindestens zwei Wochen dauern. 

Jenniffer Fiedler baut einen Schornstein in das neu erworbene Ländliche Wohnhaus.
Im neu erworbenen ländliche Wohnhaus baut Jenniffer Fiedler einen Schornstein. Bildrechte: dpa

Keine 300 Meter weiter sind auch Bauarbeiter aktiv – es wird an einem weiteren Neuzugang gesägt und gebohrt. Holzblock-Bauweise aus Südthüringen, sagt Franziska Zschäck. "Hier ist es einfach so, dass die Geschichte bei dem Haus so interessant ist, weil das Haus 300 Meter vor der innerdeutschen Grenze gestanden hat – und wir wollen in dem Haus dann dieses Thema auch erzählen."

Manchmal würden Leute bei ihr anrufen und von einem alten Gebäude berichten. Manchmal bekäme sie einen Tipp – doch immer sind es Zufälle und auch kleine Rettungsaktionen, um fremdes, altes Gemäuer hierher nach Hohenfelden zu bringen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. April 2021 | 07:45 Uhr

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