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Kunstschätze, Bergbaugeschichte und mehrKulturelle Ausflugsziele in und um Freital

Kunstschätze, Bergbaugeschichte und mehr

Kulturelle Ausflugsziele in und um Freital

von Ann-Kathrin Canjé, MDR KULTUR

Stand: 04. November 2021, 04:00 Uhr

Am 1. Oktober 1921 schlossen sich die Gemeinden Deuben, Döhlen und Potschappel zur Stadt Freital zusammen. Demzufolge ist Freital vor kurzem 100 Jahre alt geworden. Der Ort ist als bedeutende Bergbau-Region bekannt, wird kulturell aber wegen seiner Nähe zu Dresden häufig übersehen. Dabei hat Freital Einiges zu bieten, wie ein märchenhaftes Schloss mit sächsischen Kunstschätzen, ein Theater oder ein altes Zollhaus, in dem nun ein Kunstverein wohnt. Fünf Gründe, warum sich ein Ausflug nach Freital, im "Döhlener Becken", lohnt.

1) Schloss Burgk

Einer der schönsten Orte in Freital ist Schloss Burgk. Das einstige Herrenhaus wurde zum ersten Mal im 12. Jahrhundert erwähnt. Im 18. Jahrhundert hat es die Familie Dathe von Burgk erworben und darin gelebt. Heute laden eine hübsche Garten-Teichanlage und das Ensemble mit hohem Schlossturm und eklezistischer Fassade zum Erkunden ein.

Und Innen bietet es noch mehr: zwei wichtige Sammlungen Dresdner Kunst aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Kristin Gäbler leitet seit März 2021 das Schloss und schätzt etwa die Friedrich-Pappermann-Sammlung, die auf Schloss Burgk zu sehen ist: "Die kam 1993 in unser Haus und ist vielleicht die einzige wirklich geschlossen erhaltene Privatsammlung, die aus der DDR-Zeit herübergerettet werden konnte und die wir jetzt auch in fast ihrer Gesamtheit so präsentieren".

Kristin Gäbler vor den Kunstschätzen, die es in Schloss Burgk zu sehen gibt. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé

Bergbau und besonderer Ausstellungsschatz

Auch zur Stadt- und Bergbaugeschichte informieren Ausstellungen im Schloss. Sie erinnern an die Geschichte des Steinkohle-Bergbaus, die im 15. Jahrhundert mit dem bäuerlichen Abbau ihren Anfang nahm. Spätestens mit dem "Steinkohle-Mandat" im 18. Jahrhundert gab es Aufschwung. Der Bergbau und Schloss Burgk verschmelzen an diesem Ort und machen das Leben unter Tage erfahrbar.

"Dorothea" wie die erste elektrische Grubenlok der Welt genannt wird, ist eine Leihgabe des Siemens-Forums Münchens. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé

Solange das Besucherbergwerk aufgrund der Pandemie noch geschlossen ist, tröstet die nachempfundene Bergschauanlage, die auch ganz besondere Ausstellungsschätze zeigt, wie Kristin Gäbler weiß: "Wir sind ganz stolz, dass wir hier in unseren Räumen 'Dorothea' beherbergen dürfen. 'Dorothea' ist die erste elektrische Grubenlok in der Region, aber auch die erste der gesamten Welt."

Wochenendprogramm für die ganze Familie

Auf Schloss Burgk findet sich Programm für die gesamte Familie und nach einem Tag im Museum lädt das Café auf dem Schlossgelände zu hausgemachten Eis und Kuchen ein. Kristin Gäbler empfiehlt für die Kinder auch noch den Erlebnisspielplatz "Burgkania" und den Weihnachtsmarkt am ersten und zweiten Advent im Innenhof des Schlosses: "Am dritten Advent kommt dann der Weihnachtsmann mit der Wind-Bergbahn angefahren, weil die Weihnachtsausstellung 'Mit der Eisenbahn zum Weihnachtsmann' heißt."

Weitere InformationenSchloss Burgk
Altburgk 61
01705 Freital

Museum im Schloss und Südflügel, Ausstellungen im Ostflügel
Sonderausstellung "Älter als gedacht" und Stiftung Pappermann

Öffnungszeiten:
Montags geschlossen
Dienstag bis Freitag von 12 bis 16 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag von 10 bis 17 Uhr

Hinweis: Die Kunstsammlung ist wegen Bauarbeiten derzeit geschlossen.

Mehr Informationen finden Sie auf schloss-burgk-freital.de

Die neue Spielstätte der Spielbühne Freital findet sich neben der Lutherkirche. Der Verein ist auch aktives Mitglied im soziokulturellen Zentrum Freital. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

2) Spielbühne Freital

Neben Malerei und Bergbau gibt es in Freital auch Theater in der "Spielbühne" zu erleben. Dort stehen nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder auf der Bühne. So wie Kerstin Hofmann, die schon seit 1983 aktiv ist, als sie noch ein Kind war. Dank eines Förderers konnte das Theater vor zwei Jahren in den ehemaligen Gemeindesaal der angrenzenden Lutherkirche ziehen. Daher bietet der neue Spielort nicht nur eine Bar, eine kleine Bühne und einen eigenen Fundus, sondern auch eine Außenbühne.

Spielbühnen-Mitglied Kerstin Hofmann engagiert sich wie alle Vereinsmitglieder ehrenamtlich bei der Spielbühne. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé

Kerstin Hofmann erklärt: "Bei uns erlebt man Kinder- und Jugendtheater und natürlich auch Stücke für Erwachsene. Vom Märchen bis Krimi ist alles dabei. Wir versuchen, zwei bis drei Inszenierungen und circa 50 bis 60 Vorstellungen im Jahr zu machen."

Im Sommer stand "Die verschwundene Miniatur" von Erich Kästner auf dem Spielplan, demnächst dann wieder "Der Vorname". Momentan wird wegen der Pandemie-Bedingungen nur draußen gespielt, im Winter beispielsweise das Märchen "Die Schneekönigin" in einer gekürzten Fassung. Damit es auch schön warm und weihnachtlich wird, ist draußen ein kleiner Weihnachtsmarkt geplant.

Was die Spielbühne Freital so besonders macht? Für Hofmann steht fest: "Die Menschen, die das hier tun, weil: Wir machen das mit Herzblut. Für mich ist das meine zweite Familie. Es hat immer so eine schöne, heimelige Atmosphäre".

Weitere InformationenSpielbühne
Lutherstraße 33a
01705 Freital

Aktueller Spielplan:
Vom 27. November 2021 bis 6. Februar 2022 wird jeweils an den Wochenenden "Die Schneekönigin" um 17 Uhr gespielt.

3) Einnehmerhaus / Kunstverein Freital

Wer heute durch Freital fährt, muss zum Glück keine Gebühren dafür zahlen. Im 19. Jahrhundert sah das noch anders aus. An die Verkehrsgeschichte Sachsens erinnert heute noch das gelbe Einnehmerhaus am Rande der Stadt. Von 1828 bis 1847 war das nämlich das Zollhaus, in dem der sogenannte Einnehmer lebte. Er sammelte die Straßengebühren ein von den Menschen, die auf den neugebauten Chausseen fahren wollten.

Die Figur des Bildhauers Hans Scheib begrüßt die Gäste im Haus in alter "Einnehmer"-Tradition. Bildrechte: MDR/Ann-Kathrin Canjé

Seit 1994 findet sich auf den drei Etagen des restaurierten Fachwerkhauses der Kunstverein-Freital und stellt regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler aus. Pro Jahr sind das rund sieben verschiedene Ausstellungen. Daneben können Kunstinteressierte zum Töpfern, Malen oder Schnitzen vorbeikommen oder sich einfach im historischen Haus umschauen. Auf Besucherinnen und Besucher wartet dann im Bestfall die 81-Jährige Barbara Hornich, die Gründungsmitglied des Vereins ist und spannende Geschichten zu erzählen weiß:

"Der Berliner Bildhauer Hans Scheib hatte hier eine Ausstellung mit großen Holzfiguren, und als er kam, habe ich gesagt: Du bist ein berühmter Bildhauer. Ich habe 500 Mark, ich hätte gerne so einen kleinen Einnehmer von Dir. Und dann kam er an und hat mir den hier geschenkt." Im Eingangsbereich des Hauses begrüßt heute also die Skulptur. Barbara Hornich lädt alle Interessierten ein, vorbeizukommen:

Wenn man hier die Straße runtergelaufen kommt, sagt man: 'So was Ödes‘, und dann geht man die drei Stufen runter und ist in einer anderen Welt.

Barbara Hornich, Vorstand Kunstverein Freital

Weitere InformationenEinnehmerhaus
Dresdner Straße 2
01705 Freital

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag, 16 bis 18 Uhr sowie zu den Arbeitszeiten der Zirkel
Wochenende, 10 bis 17 Uhr
Feiertage: geschlossen

Aktuelle Ausstellung:
9. November bis 18. Dezember 2021
Ulla Andersson - Malerei und Grafik

Bildergalerie Diese Kulturorte in Freital sollten Sie besuchen

Ein Einblick in die Sammlung Friedrich Pappermann auf Schloss Burgk. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Die kleinen Gäste kommen auf dem Erlebnisspielplatz "Burgkania" auf ihre Kosten und lernen spielerisch noch etwas zur Bergbaugeschichte. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
In der Bergschauanlage auf Schloss Burgk lässt sich das Leben unter Tage nachspüren. Ein Trostpflaster, solange das Besucherbergwerk noch geschlossen ist. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Das Einnehmerhaus ist in den 90er-Jahren komplett renoviert worden und hat auch einige Fluten überstanden. Hier finden regelmäßig Ausstellungen und Kurse für Kunstinteressierte statt. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
In "Zirkeln" kann hier auch gemalt, getöpfert oder geschnitzt werden. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Im Stadtkulturhaus können wieder Gäste zu Konzert- und Kabarettabenden empfangen werden. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Im "Reichardhaus" lebte die erste Ballonfahrerin Deutschlands mit ihrem Ehemann. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Der "Kopfwaschbrunnen" findet sich zentral in der Innenstadt Freitals. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé
Die Weißeritztalbahn fährt durch Sachsens schöne Natur und macht auch in Freital halt. Bildrechte: xcitepress

4) Stadtkulturhaus

Rund 100 Jahre Altersunterschied liegen zwischen dem Einnehmerhaus und dem Stadtkulturhaus, das mit seiner pinken Fassade Retro-Charme versprüht. Mittlerweile wird es vom Kulturverein Freital betrieben. Aktuell können hier vor allem Konzerte und Kabarett erlebt werden, zum Beispiel in der stadtbekannten "Laterne".

Das Stadtkulturhaus bietet in Freital Platz für Konzerte, Kabarett und Figurentheater. Bildrechte: dpa

Seit Juni 2021 leitet Jan Albrecht die Einrichtung und sieht Potenzial im Haus, das mit drei Spielstätten sehr geräumig ist: "Wir sind natürlich an den Toren von Dresden gelegen, aber in der Region doch eines der größten Häuser. Damit haben wir viele Möglichkeiten, die andere nicht haben. Zum Beispiel, so etwas wie die Schultheaterwoche zu veranstalten."

Für die ganz ferne Zukunft träumt Albrecht sogar von einem Kino für Freital. Zunächst brennt sein Herz aber besonders für das Figurentheater, das er in Freital weiter ausbauen möchte – in Dresden hat er vorher die Kleinkunstbühne "Club Passage" geleitet, wo Figurentheater eine wichtige Stellung hatte. Der 33-Jährige sieht darin das Potenzial, Kinder und Jugendliche über diese Spielart an Kultur heranzuführen.

Weitere InformationenStadtkulturhaus
Lutherstraße 2
01705 Freital

Aktuelle Veranstaltungen finden Sie unter www.kulturhaus-freital.de

Hoch oben auf dem Windberg steht das 17 Meter hohe König-Albert-Denkmal. Bildrechte: MDR/ Ann-Kathrin Canjé

5) Denkmäler, sagenhafte Brunnen, Wanderwege

Auch viele öffentliche Sehenswürdigkeiten gibt es in Freital. Neben der Lutherkirche etwa versteckt sich ein Geheimtipp – die Denkmalhalle Döhlen. Alte Grabsteinplatten stehen hier nebeneinander aufgereiht. Die älteste stammt aus dem Jahr 1356.

In der Innenstadt findet man interessante Brunnen wie den "Kopfwaschbrunnen" oder den "Rotkopf-Görg-Brunnen", der an die Sage des Geigers Rotkopf Görg erinnert. Sie ist eng verknüpft mit dem Steinkohleabbau, da der Rotkopf Görg nach der Sage Kohlen geschenkt bekam, die sich zu Gold verwandelten. Nicht weit vom Brunnen entfernt, in der Reichardstraße 9, steht das gelbe "Reichardhaus", in dem die erste deutsche Ballonfahrerin Wilhelmine Reichard mit ihrem Ehemann, ebenfalls Ballonfahrer und Chemiefabrikant, wohnte.

Wer es noch luftiger braucht, kann auf den 352 Meter hohen Windberg wandern. Oben angekommen, findet sich das Wahrzeichen Freitals – ein 17 Meter hoher Sandstein-Obelisk, der König Albert gewidmet ist.

Die Weißeritztalbahn Bildrechte: xcitepress/Christian Essler

Rund um Freital lockt zudem die malerische Landschaft, die zum Wandern einlädt. Entlang der Roten Weißeritz ins bis zu 80 Meter tiefe Kerbtal wandern und sich von den bizarren Felsformationen am Wegesrand verzaubern lassen: Das geht im Rabenauer Grund. Er soll schon berühmte Maler wie Johann Alexander Thiele, Caspar David Friedrich und Ludwig Richter für Kunstwerke inspiriert haben.

Wer Glück hat, entdeckt da vielleicht auch die Weißeritztalbahn und fühlt sich kurz an den Hogwarts-Express aus Harry Potter erinnert. Mit Deutschlands dienstältester dampfbetriebener Schmalspurbahn von 1883 können Interessierte auch heute noch fahren.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 06. November 2021 | 17:15 Uhr