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Weltgeschichte vor der HaustürDer Fürst-Pückler-Park Bad Muskau

Geschichte

Warum der Lebemann Pückler-Muskau plötzlich Landschaftsarchitekt wurde

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Stand: 25. Juli 2021, 04:00 Uhr

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau beeindruckt Besucher aus nah und fern. Dabei konnte ihn sein Namensgeber gar nicht wie geplant vollenden, das Mammutprojekt kostete einfach zu viel Geld. Neben seinen landschaftsgärtnerischen Ambitionen hatte Pückler-Muskau auch ganz banale Gründe für die Anlage seines Parks. Wen er damit beeindrucken wollte und was er nach dem Verkauf seiner Standesherrschaft Muskau nebst Park tat, hat Thomas Hartmann erkundet.

Wie ein idealer Landschaftspark beschaffen sein sollte, formuliert Hermann Ludwig Heinrich Fürst von Pückler-Muskau in seinem Buch "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau":

Die große Kunst und Schwierigkeit bei Anlegen eines Parkes ist, verhältnismäßig wenig Dinge so zu benutzen, dass sie viele und ganz verschiedene Bilder ergeben, welche nicht als dieselben Gegenstände wiedererkannt werden, oder wenigstens einen ganz neuen, bisher nicht geahnten Effekt entfalten.

Hermann von Pückler-Muskau

Es sind die Gedanken von einem, der weiß, wovon er spricht. Pückler-Muskau hat sie in dem nach ihm benannten Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau umgesetzt. Noch heute kann hier das Schaffen und Wirken des Landschaftsarchitekten betrachtet, bestaunt und begangen werden, von Touristen wie von Ortsansässigen.

Das ist es, was Muskau ausmacht: Dass man hier einen veritablen Fluß, die Neiße, in dér Mitte des Parks hat und dass man die Grenzen des Parkes gar nicht mehr ausmachen kann, weil er wie selbstverständlich in die Landschaft ausstrahlt.

Cord Panning, Direktor des Fürst-Pückler-Parks in Bad Muskau  

Das Gemälde "Muskau, Blumengärten im Pleasureground" aus Hermann Fürst von Pückler-Muskaus "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" Bildrechte: dpa/Fürst-Pückler-Park Bad Muskau

Heute deutsch-polnischer Gemeinschaftspark

Fürst Pücklers Entwurfsplan der Muskauer Schlossgärtnerei von 1834 Bildrechte: Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden

Bad Muskau liegt im Nordosten des Freistaates Sachsen, in der Oberlausitz. Der 3.500-Seelen-Kurort grenzt an Brandenburg und an Polen. Der hiesige Pückler-Park kümmert sich nicht um irgendwelche Staatsgrenzen – Polen und Deutschland teilen sich das wundervolle Areal. Was man hier besonders bewundern könne, so Panning, ist diese Reduktion, die den Muskauer Park auszeichnet. Das Beschränken auf ganz wenige landschaftliche Gestaltungselemente, die heimischen Pflanzen, die Laubbäume, das Wasser oder die Findlinge. Ein paar menschengemachte Sitzbänke sind erkennbar, geben dem Park eine Struktur:

Das Artifiziellste sind ein paar Steinbänke aus Lausitzer Granit, die die wichtigsten Aussichtspunkte markieren – und so entsteht eine monumentale meditative Stimmung in dem Muskauer Park, die wirklich maßgeschneidert ist in dem Muskauer Neißetal.

Cord Panning

Vorab Brief an die Untertanen

Hermann von Pückler-Muskau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es existiert ein Datum, auf das sich der Beginn des Pücklerschen Wirkens als Landschaftsarchitekt festmachen lässt. Denn es gibt ein Schreiben vom 1. Mai 1815, gerichtet an die Bewohner Muskaus, worin es heißt: "Da ich von nun an entschlossen bin, für mein ganzes zukünftiges Leben, meinen festen Wohnsitz in Muskau zu nehmen, um Selbst für die Wohlfahrt meiner guten Bürger und Untertanen mit väterlicher Obhut wachen zu können […] so zweifle Ich nicht, dass jeder Einwohner es mir gern gönnen wird, […] eine Lieblingsneigung zu befriedigen […] Ich meine die Anlegung meines Parks."

Warum aber ist Pückler überhaupt auf die Idee verfallen, in Muskau einen Landschaftspark zu gestalten? 1811 stirbt Pücklers Vater, damit ist es nun an dem bekennenden Naturliebhaber und fleißigen Wanderer, die Geschicke der Freien Standesherrschaft Muskau zu lenken.

In England inspirieren lassen

Als Pückler im Zuge der Befreiungskriege nach England gerät, nutzt er die Chance, um sich ausgiebig mit den hiesigen Parks zu beschäftigen. Die gesammelten Erfahrungen fließen in die Pläne ein, die er 1815 den Muskauer Bewohnern vorstellt.

Der Park in Bad Muskau um 1845 Bildrechte: Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

Es gibt einen sehr persönlichen Grund, dass er unter die Landschaftsarchitekten tritt. Pückler hatte ihn jungen Jahren mitgenommen, was ging, sagt seine Biographin Nicole Bröhan, dann aber "kommt irgendwann der Punkt, wo man ein bisschen was Ernsthafteres machen möchte – und das war auch bei ihm so. Also suchte er nach einer Aufgabe, wo er sich reinknien kann."

Eindruck machen

Der Geldverschwender darf sich jetzt als Künstler verstehen – was auch kostet. Doch ist das Geldausgeben nunmehr mit einem höheren Sinn versehen. Darüberhinaus hofft Pückler darauf, dass mit dem Park ein Anziehungspunkt und eine Beschäftigungsmöglichkeit entsteht. Nicht zu vergessen ist die politische Situation. Mit dem Wiener Kongress 1814/15 gehört die Freie Standesherrschaft Muskau nicht mehr zu Sachsen, sondern zu Preußen. Und mit dem Park kann er auf der Berliner Bühne Eindruck machen.

Naturnahe Romantik: Blick zum Pücklerstein Bildrechte: MDR/Wolfgang Leyn

Der Park wächst stetig. Allerdings ist das Thema Finanzen beständig ein leidiges. Schon 1817 beklagt Pückler das Ganze als "thörichtes Unternehmen". Der Landschaftsarchitekt setzt es trotzdem fort, bis er es sich nicht mehr leisten kann. 1845 veräußert Pückler die Standesherrschaft Muskau nebst längst nicht beendetem Park, zieht nach Branitz und beginnt – mit der Gestaltung eines neuen Parks.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 25. Juli 2021 | 16:15 Uhr