Hintergrund Gartenreich Dessau-Wörlitz: Soll Direktorin Brigitte Mang jetzt gehen?

Mit ihrem Führungsstil geriet die Direktorin der UNESCO-Welterbestätte Gartenreich Dessau-Wörlitz immer wieder in die Kritik. Nun wurde ihr Posten unerwartet neu ausgeschrieben. Darin fehlen kritischen Stimme zufolge wichtige Anforderungen wie das Beherrschen der englischen Sprache und die Priorisierung von gesellschaftlich relevanten Themen wie dem Klimawandel. Über die Hintergründe spricht MDR KULTUR-Sachsen-Anhalt-Korrespondentin Sandra Meyer.

Brigitte Mang, Direktorin und Vorstand der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz
Bildrechte: MDR/Felicitas Förster

MDR KULTUR: Es stand zur Debatte, und nun ist es plötzlich konkret: Die Direktorenstelle der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist ausgeschrieben. Seit 2015 hatte Brigitte Mang den Posten inne. Allerdings geriet sie mit ihrem Führungsstil immer wieder in die Kritik. Gleichzeitig stände formal eigentlich einer weiteren Amtszeit nichts im Wege. Sandra Meyer, was ist da los, warum die Aufregung? Die Sache kommt irgendwie überraschend, oder?

Sandra Meyer: Die Staatskanzlei, die in Sachsen-Anhalt ja für die Kultur zuständig ist, spricht von einem routinemäßigen Verfahren. Aber es gibt da, wie Sie angedeutet haben, ein paar merkwürdige Punkte. Es geht ja um eine bedeutende Stelle und schließlich ist das Wörlitzer Gartenreich UNESCO-Welterbe. Es wurde über knapp 20 Jahre von einem einzigen Direktor geführt: Thomas Weiß. Das war lange die Regel im Land, das die Stiftungsleiter-Posten unbefristet vergeben wurden. Das hat sich inzwischen verändert.

Brigitte Mang, die Wiener Landschaftsarchitektin, leitet seit Februar 2017 die Geschicke des Hauses, und ihr Dienstvertrag endet laut Satzung nach fünf Jahren. Wobei eine einmalige Verlängerung des Vertrages für weitere fünf Jahre ohne öffentliche Ausschreibung möglich gewesen wäre. Und danach sah es eigentlich auch immer aus, bis dann plötzlich am Montag auf der Webseite der Stiftung die Stellenausschreibung auftauchte, ohne dass es groß kommuniziert wurde und dann sagen wir mal ja doch auch recht kurzfristig.

Im Februar 2022 wäre der Stichtag und um das zu schaffen, hat man auch nur einen Monat Bewerbungsfrist, also bis zum 10. Dezember. Das ist, habe ich mir sagen lassen, im wissenschaftlichen Betrieb durchaus gängig, nur ein Monat. Aber wenn der oder die Neue dann eben schon im Februar das Amt antreten soll, wird es mehr als knapp. Und da hat man sich in Dessau bei der Suche der neuen Direktorin der Bauhaus-Stiftung, das ist ja auch Welterbe, mehr Zeit genommen. Und da kam es dann eben auch zu einem Einspruch und zu Verzögerungen. Und so was bedeutet dann immer, dass die Stelle über Monate unbesetzt ist. Also für eine kontinuierliche Arbeit ist das wenig hilfreich.

MDR KULTUR: Frau Mang ist damit jetzt nicht aus dem Rennen?

Sandra Meyer: Nein, deswegen sprechen einige auch von einer sogenannten Scheinausschreibung. Denn die Stiftungssatzung sieht vor, dass sich auch Frau Mang nochmal bewerben kann. Also sie ist ja erst 62. Formal wäre das absolut okay, wenn man jetzt fünf Jahre drauf rechnet. Aber ob sie sich nun bewirbt, dazu wollte sie mir kein Interview geben. Ich habe nichts weiter gehört, außer dass das Haus sagt, aus juristischem Gebot des Persönlichkeitsschutzes und des Arbeitsrechtes könne man mir keine Auskunft geben. Das ist natürlich korrekt, aber transparent nicht unbedingt. Und das muss man konstatieren: Das war auch nie ihre Stärke.

MDR KULTUR: Können Sie das näher erklären?

Sandra Meyer: Es gab immer wieder Debatten um ihr Kommunikationsmanagement, also ins Haus und auch nach außen, zudem wurde ihre Personalführung kritisiert. Vieles davon wurde zwar immer nur in den Medien ausgetragen, ob das immer alles fair war, ist nochmal zu hinterfragen. Aber offensichtlich hat es nun die Konsequenz, dass man den Vertrag mit Frau Mang nicht einfach verlängert, sondern eben neu ausschreibt.

Wörlitz - Schloss und Kirche am See
Blick ins Gartenreich Dessau-Wörlitz Bildrechte: Stadtmarketinggesellschaft Dessau-Roßlau mbH/Sebastian Kaps

MDR KULTUR: Dennoch: Es ist recht plötzlich, das irritiert schon.

Sandra Meyer: Kulturminister Rainer Robra hat wohl schon im September angekündigt, halböffentlich. Und es irritiert, weil das war immer meine Wahrnehmung in den vergangenen Jahren: Frau Mang nie vonseiten der Politik gerügt wurde. Also im Gegenteil: Von Beginn an hat sie mit Blick auf die Staatskanzlei und deren Interesse agiert. Also selbst die Öffentlichkeitsarbeit wurde teils von der Staatskanzlei für sie übernommen. Man war offensichtlich seitens des Landes geneigt, den Vertrag zu verlängern bis zum September oder jetzt, wo die Stellenausschreibung wirklich draußen ist.

Heute jedenfalls hieß es in einer Stellungnahme aus der Staatskanzlei, auch Herr Robra hätte für ein Interview leider keine Zeit in ihrer letzten Sitzung. Ich zitiere: "In ihrer letzten Sitzung hat das Kuratorium daher einstimmig beschlossen, die Ausschreibung für die Direktorenstelle zu veröffentlichen." Also einstimmig wundert man sich, weil das Land ja eigentlich für Frau Mang war. Da hat gegebenenfalls jemand ein Machtwort gesprochen und da vermutet man, dass das aus dem Bund kam. Die sitzen ja auch mit im Kuratorium.

Sonnenbeschienen steht das Schloss Luisium im Wörlitzer Park
Sonnenbeschienen steht das Schloss Luisium im Wörlitzer Park Bildrechte: dpa

MDR KULTUR: Interessant. Wie ist aber der Vorgang nun einzuordnen, der da vor sich geht? Wie kann man es richten?

Sandra Meyer: Wie stark die Landesregierung in die Kultur hineinregiert, das kann man schon kritisieren. Und daran hängt letztlich auch die Frage, wie gut und profiliert eine Stiftung geführt wird, ob sie sich den aktuellen gesellschaftlichen Themen zuwendet. Das ist im Gartenreich natürlich der Klimawandel, da hat Frau Mang angesetzt. Aber es müsste Priorität bekommen und eben auch transparent nach außen vermittelt werden.

Ein nationales Kulturdenkmal, eine UNESCO-Stätte ist ja nicht nur wichtig für den Tourismus, wie es das Land gerne verkauft, sondern man muss ja auch gesellschaftlich relevante Projekte vorantreiben, sich in der Region verorten und das nicht nur als Gartendenkmal, was bei der Landschaftsarchitektin natürlich im Vordergrund stand, sondern auch als Ort der Kunst und Kultur. Das müsste forciert werden, auch im Hinblick auf das Georgium zum Beispiel. Die Anhaltische Gemäldegalerie soll ja der Stiftung bald zugeschlagen werden.

Dann müsste man all solche Dinge ja auch in der Stellenausschreibung finden?

Sandra Meyer: Ja, durchaus. Aber und nun kommt die Kritik des Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde des Gartenreichs, das ist übrigens der ehemalige Leiter des Umweltbundesamts, Thomas Holzmann, auch im Kuratorium und ein Verfechter einer öffentlich internationalen Ausschreibung. Er sagte mir eben im Gespräch, er fände die fachlich wissenschaftlichen Kriterien der Ausschreibung seien wenig ambitioniert dafür, dass sie eben für ein Welterbe sind.

Die Anforderungen sind teils nur als "wünschenswert" formuliert, zum Beispiel die Erfahrung in der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen oder Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere der englischen Sprache, sind nur als "wünschenswert" deklariert, aber natürlich absolut notwendig, wie Holzmann sagt. Und wenn man sich im wissenschaftlichen Kontext profilieren wolle, dann ist das unumgänglich. Da kann man gespannt sein, wer sich bewirbt, international oder nicht. Und wenn sich Frau Mang nochmals selbst bewirbt, dann hat sie gegebenenfalls auch Konkurrenz. Hält sie der stand? Wir werden es sehen.

Das Gespräch führten MDR KULTUR-Sachsen-Anhalt-Korrespondentin Sandra Meyer und Moderatorin Ilka Hein-Cronjaeger. Für die schriftliche Fassung wurde es redigiert und leicht gekürzt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. November 2021 | 16:10 Uhr