Ausblick Wie wird das Kulturjahr 2021 in Sachsen?

Die meisten kommunalen Kultureinrichtungen bleiben bis zum 28. Februar geschlossen. Trotz aller Unwägbarkeiten wagt MDR KULTUR-Landesredakteurin Birgit Fritz zu Jahresbeginn einen Blick auf kulturelle Höhepunkte in Sachsen: wie etwa den Umbau der Industrie-Museen, eine Pierre-Soulages-Ausstellung in Chemnitz und die Ostrale in Dresden.

König-Albert-Museum, Sitz der Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz in Chemnitz. 8 min
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MDR KULTUR - Das Radio Mi 06.01.2021 06:00Uhr 07:42 min

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Vieles musste 2020 verschoben, ausgesetzt, abgesagt werden. Einer der "Überhänge" aus dem alten Jahr: Chemnitz wartet immer noch auf die offizielle Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Die Stadt wurde zwar von der Jury der Sieg im Auswahlverfahren zugesprochen, das war schon Ende Oktober, aber dann hatte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung Zweifel am Vergabeverfahren gesät und von einer Family- and-Friends-Mentalität unter den, den Bewerbungsprozess begleitenden Kulturmanagern, gesprochen, Vergabefilz gewittert! Daraufhin hatte sich die Kulturministerkonferenz vorbehalten, nochmals das Thema zu diskutieren und die offizielle Ernennung der Stadt Chemnitz vorerst auf Eis gelegt. Diese Sitzung und neuerliche Befassung und Anhörung der Juryvorsitzenden soll jetzt am 11. Januar stattfinden.

Umbau der "Boom"-Ausstellungsschauplätze

Im vergangenen Jahr fand die vierte Sächsische Landesausstellung "Boom" zur Industriekultur statt, die Hauptausstellung im Audi-Bau in Zwickau, daneben gab es sechs weitere Schauplatzausstellungen – leider war die Ausstellung coronabedingt nur wenige Monate zu sehen. Landesausstellungen werden immer auch mit dem Anspruch auf nachhaltige Effekte konzipiert – jetzt geht es darum, ob und wie die Schauplätze erhalten werden können.

Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge von Außen
Das Bergbaumuseum Oelsnitz wird 2021 umgebaut. Bildrechte: Arndt Gaube

Es gibt positive Entwicklungen wie den grundlegenden Umbau des Bergbaumuseums in Oelsnitz oder ein regelrechter Geldsegen für den von zwei Vereinen getragenen "Schauplatz Eisenbahn" in Chemnitz- Hilbersdorf, der zu einem Leitmuseum zum Thema Eisenbahn entwickelt werden soll. Schwieriger dagegen: der weitere museale Betrieb der Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau, ein einzigartiges Zeugnis der textilindustriellen Entwicklung Sachsens.

Vermeer-Ausstellung in Dresden

Gemälde des holländischen Maler Johannes Vermeer  "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" um 1657-1659
Gemälde des holländischen Maler Johannes Vermeer "Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster" um 1657-1659 Bildrechte: dpa

Besucherinnen und Besucher können sich auf die Ausstellung "Vom Innehalten" mit Werken des holländischen Barockmalers Johannes Vermeer, ausgerichtet von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden freuen. Die Galerie Alte Meister besitzt mit der "Kupplerin" und dem "Brieflesenden Mädchen am offenen Fenster" zwei Gemälde. Jetzt hoffen die SKD auf weitere neun Vermeer-Gemälde als Leihgaben. Die Ausstellung, sie wurde bereits vom März weiter ins Jahr verschoben, soll jetzt vom 4. Juni bis 12. September stattfinden. Zeittickets sind schon im Vorverkauf erhältlich.

Vermeer ist – vor allem durch Buch und Film "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" – einerseits populär und bekannt und andererseits ist er ein von Künstlern hochgeschätzter Maler mit einer sehr artifiziellen Malweise. Das überlieferte Werk ist sehr schmal, insgesamt sind nur 36 Bilder, die Rezeptionsgeschichte bis in die Fälschungen hinein ist spannend. Die Sphinx von Delft – so einer der Beinamen Vermeers!

Pierre Soulages in den Kunstsammlungen Chemnitz

Tolle Ausstellungen sind auch andernorts geplant, etwa in den Kunstsammlungen Chemnitz – die hatten und haben (da knüpft Generaldirektor Frédéric Bußmann an seine Vorgängerin an) einen besonderen Draht nach Frankreich. Sie möchten bereits ab 28. März Werke des Franzosen Pierre Soulages zeigen: "Malerei 1946-2019". Damit wird einer der bedeutendsten Künstler der Nachkriegsmoderne, einer der wichtigsten Vertreter der Abstraktion, geehrt. Der Meister der Farbe Schwarz und des Lichts! Ein Hochbetagter, 101 Jahre alt.

Ostrale, Messiaen-Tage, Internationales Bachfest

Die Ostrale, die Ausstellung für ganz aktuelle Kunst der Gegenwart, findet 2021 wieder statt, ab 1. Juli in der alten Robotronkantine und damit erstmals im Stadtzentrum von Dresden. Grundoptimistisch gehen auch die Festivals an ihre Planungen für 2021: Die "Internationalen Messiaen-Tage", vor 80 Jahren wurde sein "Quartett auf das Ende der Zeit" im Kriegsgefangenenlager nahe Görlitz/Zgorzelec uraufgeführt, werden auf April/Mai verschoben.

Andrea Hilger, Direktorin der Ostrale Biennale, sitzt vor der Historischen Tabakfabrik f6, dem Ausstellungsort der 12. Internationalen Ausstellung zeitgenössischer Künste auf einer überdimensionalen Bank mit der Aufschrift "Ostrale".
Andrea Hilger, Direktorin der Ostrale Biennale Bildrechte: dpa

Für Mai planen auch die Dresdner Musikfestspiele unter Jan Vogler ein opulentes Programm, das Internationale Bachfest soll im Juni stattfinden. Noch im vergangenen Jahr wurde das unter Hindernissen sanierte Gewandhaus in Zwickau an das Theater Plauen-Zwickau übergeben, damit hat das Theater wieder seine Hauptspielstätte zurück und die Stadt ein prägendes Bauwerk.

Moderate Einsparungen in 2021

Es hat sich doch weitgehend die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit Kürzungen im Kulturbereich kein Haushalt zu sanieren ist, so vergleichsweise gering sind die Mittel, aber viel für die Lebensqualität verloren geht. Trotzdem kann der Bereich beim Sparen nicht völlig ausgenommen werden. Der Regierungsentwurf des Landeshaushaltes 2021/22, er wird ja jetzt noch im Parlament diskutiert und beschlossen, verheißt Stabilität. In den vergangen zwei Jahren gab es einen ziemlich kräftigen Aufwuchs im Kunst- und Kulturbereich, das ist in dem Maße im Doppelhaushalt nicht der Fall, aber zum Beispiel die Mittel für die acht Kulturräume, einer der große Posten im Kulturhaushalt, wird nicht gekürzt, da bleibt es bei den reichlich 104 Millionen, allerdings gibt es auch keinen Teurungsausgleich oder einen für steigende Tarife.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Januar 2021 | 08:40 Uhr

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