Ausstellungen & Theater Was bringt das Kulturjahr 2021 für Thüringen?

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Thüringenkorrespondentin Mareike Wiemann verrät, auf welche kulturellen Highlights sie sich im neuen Jahr freut: Ihr Blick geht zur Klassik Stiftung nach Weimar, die ein "Grünes Labor" eröffnen will, zu einer Ausstellung im Herzoglichen Museum in Gotha und nach Meiningen und Eisenach – dort tritt mit Jens Neundorff von Enzberg ein neuer Theaterintendant an.

Gemälde-Restauratorin der Stiftung Schloss Friedenstein, betrachtet das «Brustbild eines jungen Mannes» von Frans Hals (1582/83-1666).
Ein Highlight im Jahr 2021 in Thüringen: die Ausstellung "Wieder zurück in Gotha - die verlorenen Meisterwerke". Bildrechte: dpa
Gemälde-Restauratorin der Stiftung Schloss Friedenstein, betrachtet das «Brustbild eines jungen Mannes» von Frans Hals (1582/83-1666). 4 min
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In Meiningen und Eisenach tritt ein neuer Theaterintendant an, in Weimar wird ein "Grünes Labor" eröffnet und Gotha zeigt verlorene Meisterwerke, die Zeitgeschichte erzählen. Drei der kulturellen Highlights 2021.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 02.01.2021 06:00Uhr 04:06 min

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Gemälde-Restauratorin der Stiftung Schloss Friedenstein, betrachtet das «Brustbild eines jungen Mannes» von Frans Hals (1582/83-1666). 4 min
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In Meiningen und Eisenach tritt ein neuer Theaterintendant an, in Weimar wird ein "Grünes Labor" eröffnet und Gotha zeigt verlorene Meisterwerke, die Zeitgeschichte erzählen. Drei der kulturellen Highlights 2021.

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Weimar

Kultur unter freiem Himmel genießen, das haben wir im vergangenen Jahr ja schon gut geübt. Die Klassik Stiftung Weimar lockt ab April dann auch raus ins Grüne: Im Themenjahr "Neue Natur" hinterfragt sie unser Verhältnis zur Umwelt genau am richtigen Ort, denn erstmals rücken die von ihr verwalteten Parks ins Zentrum des Geschehens. Stiftungspräsidentin Ulrike Lorenz erklärt, dass auf diesem Wege "völlig neue Ausstellungs-und Aktionsformate" erprobt werden sollen, die zum "Symbol für die Öffnung der Stiftung" werden könnten.

So wird nun Wirklichkeit, was Lorenz bereits seit ihrem Amtsantritt 2019 ankündigt: Die Klassik Stiftung will raus aus dem Elfenbeinturm, hin zu den Menschen. Im April wird sie deswegen im Park an der Ilm ein "Grünes Labor" eröffnen, einen temporären Bau zum Treffen, Lernen, Entspannen und Streiten. Gesprächsrunden sollen hier genauso stattfinden wie Konzerte und Yogakurse. Eine durchaus spannende Erweiterung des Weimarer Museumskosmos!

Visualisierung des Grünen Labors der Klassik Stiftung Weimar
Das "Grüne Labor" der Klassik Stiftung Weimar: ein temporärer Bau, der nach der Nutzung im Park auch an anderen Orten in Weimar aufgestellt werden soll. Bildrechte: Studio Boom, Jakob Müller

Meiningen & Eisenach

Im Sommer werde ich meinen Blick neugierig nach Meiningen richten. Intendant Ansgar Haag, der seit über 15 Jahren durchaus erfolgreich die Geschicke des Theaters geleitet hat, geht in den Ruhestand, und Jens Neundorff von Enzberg übernimmt. Der gebürtige Ilmenauer ist aktuell noch Intendant des Theaters Regensburg und hat dort vor allem mit Opern-Uraufführungen wie "Lola rennt" für Aufsehen gesorgt. In Meiningen freut er sich auf spannende Wiederentdeckungen im Bereich Musiktheater: "Dort gibt es einen großen Chor und ein tolles Orchester – und damit die Möglichkeit, andere Opern auszugraben als ich das bislang in Regensburg getan habe."

Neundorff von Enzberg wird künftig auch das Theater in Eisenach leiten. Hier will er vor allem die Bindung der Bürgerinnen und Bürger zum Haus stärken und sich für eine bessere Finanzierung einsetzen. Unter anderem hat er hier EU-Projektfördermittel im Blick: ein sinnvoller Ansatz, um das aktuell ziemlich schwach aufgestellte Haus nach vorne zu bringen.

Jens Neundorff
Jens Neundorff von Enzberg startet mit der Spielzeit 2021/22 in Meiningen. Bildrechte: dpa

Gotha

Im Herbst wird es mich wohl nach Gotha ziehen, denn ab Oktober widmet sich die Stiftung Schloss Friedenstein mit einer großen Ausstellung dem Thema Rückkehrer: Nachdem der Bilderraub ja in aller Munde war, zieht man das Thema größer und versucht nicht weniger, als Zeitgeschichte zu erzählen. Im Fokus stehen die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, wie der Zweite Weltkrieg und die deutsch-deutsche Teilung, und deren Folgen für Gemälde und Skulpturen, die etwa nach 1945 von den sowjetischen Trophäenbrigaden entwendet wurden.

"Wir wollen nicht nur Kunst zeigen, sondern auch über die Hintergründe aufklären: die verschlungenen Wege zeigen, auf denen Sammlungsobjekte in den vergangenen Jahrzehnten unterwegs waren", erklärt Sammlungsdirektor Timo Trümper. So solle auch mit Dokumenten aus dem Stasi-Archiv oder mit Fotografien aus Privatbesitz gearbeitet werden: "Im Grunde genommen geht es auch darum, Kriminalgeschichte zu schreiben und den Besucher auf die Fährte zu setzen."

"Wieder zurück in Gotha – die verlorenen Meisterwerke", so lautet der Titel dieses überaus ambitionierten Ausstellungsvorhabens, das ab dem 21. Oktober im Herzoglichen Museum zu sehen sein wird.

Außenansicht des Herzoglichen Museums Gotha
Das Herzogliche Museum in Gotha. Bildrechte: MDR/Jan Bösche

Steht ein weiteres hartes Jahr bevor?

Abschließen möchte ich diesen Jahresausblick übrigens nicht mit einem vierten Highlight, sondern eher mit einem Blick auf das, was uns wohl abseits von Ausstellungen und Uraufführungen auch begleiten wird: Eine Debatte um den Wert von Kultur. Bereits jetzt zeichnen sich auch in Thüringen coronabedingte erste Haushaltslöcher ab und Ansätze (zum Beispiel in Jena) diese auf Kosten von Bibliotheken und Orchestern zu stopfen. Es wird also 2021 nicht nur darum gehen, Kultur hoffentlich endlich wieder in vollem Umfang genießen zu können – sondern auch darum, für sie zu streiten.

Kultur in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Januar 2020 | 07:40 Uhr

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